In der letzten Generation der Videospielkonsolen war alles anders. Redident Evil Publisher Capcom brachte den vierten Teil der Serie – zumindest zeitlich – exklusiv für Nintendos GameCube heraus. Playstation 2 Besitzer kamen erst Monate später in den Genuss des Zombie-Shooters, während die Xboxler gänzlich ohne das Spiel auskommen mussten. Die Karten wurden mittlerweile neu gemischt. Während sich Sony- und Microsoftfans schon längst in Resident Evil 5 durch Zombiehorden gemetzelt haben, schauen Besitzer einer Wii in die Röhre. Bislang… den nun erhält die Konsole einen eigenen Ableger. GameRadio hat sich in die Niederungen von Raccoon City gewagt. Ob uns der T-Virus ebenfalls infiziert hat, erfahrt ihr in unserem Test.
Mit der Waffe im Anschlag schleiche ich zur nächsten Ecke am Ende des Ganges. Ich bin mir bewusst, dass dieses verfluchte Haus von oben bis unten mit den skurrilsten Montrösitäten vollgepumpt ist. Jeder Schritt könnte der letzte sein. Ich atme noch einmal tief durch und bewege mich langsam weiter auf besagte Ecke zu. Mein Herzschlag steigt. Bevor ich mich endgültig dazu durchringe den Blick ins Ungewisse zu wagen, checke ich noch einmal den Revolver in meiner blutverschmierten Hand. Hektisch lade ich die Waffe nach… nehme meinen ganzen Mut zusammen. Mit gezücktem Colt trete ich auf den Gang und blicke in die beängstigende Fratze von… nichts!
Szenen wie diese gehörten in der Anfangszeit von
Resident Evil zu den großen Stärken der Serie. Doch mit dem vierten Teil der Reihe, startete Capcom die Marke neu und stellte den Actionteil deutlich mehr in den Vordergrund. Der Erfolg gab dem japanischen Publisher Recht, auch wenn viele Fans den Schockmomenten der ersten Teile nachtrauern.
Back to the roots?
Resident Evil: The Darkside Chronicles steht wieder ein wenig mehr in der Tradition der klassischen Teile der Serie. Dies verwundert kaum, handelt es sich bei den Chroniken doch um Remakes von
Resident Evil 2 und
Resident Evil Code: Veronica. Eingebettet ist das Spiel jedoch in eine neue Rahmenhandlung. Ihr beginnt entweder als Leon S. Kennedy oder als dessen grobschlächtiger Partner Jack Krauser. Nach Informationen des Geheimdienstes hat offenbar ein ehemaliger Mitarbeiter der Umbrella Corporation Kontakt zu einem Drogenhändler namens Javier Hidalgo aufgenommen. Gemeinsam verfolgen die beiden seine Spuren nach Südamerika. Schon kurz nach ihrer Ankunft müssen sie jedoch feststellen, dass in dem kleinen Dorf, in das sie gelangen, etwas nicht in Ordnung ist.
Nach dem Kampf gegen ein gigantisches Wassermonster erinnert sich Leon, wie seine Geschichte mit der Umbrella Corporation einst begann. Dann werdet ihr schlagartig in der Zeit zurückkatapultiert. Genauer gesagt an den Anfang von
Resident Evil 2. Kenner des Originals werden sich freudig die Szenen des Intros in Erinnerung rufen. Nostalgie pur! Ganz gemäß der Originals dürft ihr nun abermals die Wahl der Charaktere fällen und das Spiel aus Sicht von Leon oder Claire Redfield nacherleben.
Die Unterschiede zum Original
Dennoch handelt es sich bei
Resident Evil: The Darkside Chronicles nicht um eine 1:1 Umsetzung mit schickerer Grafik. Capcom geht einen ähnlichen Weg wie Electronic Arts bei
»Dead Space Extraction und lässt den Charakter wie auf Schienen durch das Spiel laufen. Ihr entscheidet also nicht selbst, welchen Weg ihr einschlagen wollt. Zwar erlaubt euch das Spiel an einigen Stellen die Auswahl zwischen zwei Wegen, insgesamt bleiben die Entscheidungsmöglichkeiten aber marginal.
Daher könnt ihr eure volle Konzentration der Abwehr der Monster widmen. Diese treten nämlich in erhöhter Stückzahl auf. Durch die Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten und des etwas größeren Fokus auf den Actionanteil, geht aber auch leider ein wenig der Survival Horror-Flair verloren. Schöne Gruselmomente sind aber dennoch vorhanden. Da die gesamte Reise durch den Titel im Wesentlichen vorgeskriptet ist, konnten die Entwickler eine schauderhafte Atmosphäre aufbauen, die sich durch die gesamte Spielzeit zieht.
Dank der Geradlinigkeit von
Resident Evil: The Darkside Chronicles konnte Capcom auch einen ansprechenden Zweispielermodus einbauen. Im Gegensatz zu den Vorbildern aus der PSOne-Ära bewegt ihr euch stets im Duett voran. Leider ist es jedoch nicht möglich während eines laufenden Kapitels einzusteigen. Der Mitspieler kann nur jeweils zu Beginn eines Abschnitts aktiviert werden. Solospieler müssen sich mit der KI des Mitstreiters herumplagen, die leider ihre Macken hat. So ist dem Partner eurer Gesundheitszustand ziemlich schnuppe. Auf Unterstützung in Form von Heilkräutern oder ähnlichem sollte ihr also lieber nicht vertrauen. Dies hat in
»Resident Evil 5 deutlich besser funktioniert.
Die Geradlinigkeit hat aber auch ihre Tücken. Dem gestiegenen Actionpart geht leider die Rätselkost zu Lasten. Gab es in
Resident Evil 2 oder auch
Resident Evil Code: Veronica noch einige interessante Knobeleinlagen, so verzichten die
Darkside Chronicles konsequent auf den Einsatz von Rätseln.
Wiimote, Zapper, Nunchuck
Dank der hervorragenden Pointerfunktion der Wiimote funktioniert die Steuerung bei
Resident Evil: The Darkside Chronicles einwandfrei. Da die Bewegung des Charakters automatisch geschieht, ist der Einsatz des Nunchucks eigentlich unnötig. Trotzdem darf die Erweiterung verwendet werden, dient dann aber lediglich zum Wechseln der Waffen. Ansonsten erfolgt deren Auswahl über das digitale Steuerkreuz an der Wii-Fernbedienung. In der Hektik kann dies zwar mitunter ein wenig stressig sein, funktioniert aber dennoch ganz passabel. Interessant ist hingegen der Einsatz des Zappers. Mit der Plastikpistole in der Hand, wirkt das ganze Geschehen noch einmal ein ganzes Stück echter. Egal ob Pistole, Schrotflinte, Maschinenpistole oder das Bogengewehr, die Steuerung wirkt wie aus einem Guss.
Resident Evil: The Darkside Chronicles zeigt wieder einmal, dass Rail-Shooter für die Wii-Konsole gemacht sind.
Ungewohnt dürfte für viele Wii-Besitzer möglicherweise der durchaus knackige Schwierigkeitsgrad sein. Während das Spiel im einfachsten Schwierigkeitsgrad für routinierte Shooterfans noch problemlos zu bewältigen ist, wird es auf höheren Stufen schon ziemlich anspruchsvoll. Gerade die Bosskämpfe verlangen auch Veteranen einiges ab.
Grafisch holt
Resident Evil: The Darkside Chronicles fast alles aus Nintendos Hardware heraus. Besonders die Zwischensequenzen wirken sehr ansehnlich. Wer jedoch die HD-Optik der beiden anderen Next-Gen-Konsolen gewohnt ist, dem stößt die „Matsch-in-Matsch“ Grafik der Wii möglicherweise dennoch übel auf.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
