Was in der Ära der 16-Bit-Generation undenkbar gewesen wäre, verwundert heute niemanden mehr. Die Branchengrößen SEGA und Nintendo bündeln ihre Kräfte und vereinen ihre Firmenmaskottchen Mario und Sonic in einem Spiel. Der Erfolg gibt beiden Recht. Satte zehn Millionen Einheiten von Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen konnten vor zwei Jahren abgesetzt werden. Damit darf das Spiel – zumindest in Bezug auf die Verkaufszahlen – in einem Atemzug mit Assassin's Creed oder Grand Theft Auto IV genannt werden. Ein Nachfolger lässt da natürlich nicht lange auf sich warten. Nun haben sich die einstigen Widersacher erneut zusammengetan: bei den Olympischen Winterspielen. GameRadio berichtet live aus Vancouver.
Die Rechnung von SEGA und Nintendo ist einfach. Offizielle Olympializenz + beliebte Videospielcharaktere (SEGA) + noch viel beliebtere Videospielcharaktere (Nintendo) = klingelnde Kassen. Obwohl
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen in der Fachpresse nicht die ganz großen Lorbeeren einheimsen konnte, darf der Titel als einer der kommerziell erfolgreichsten Spiele 2007 angesehen werden. Offenbar war sich SEGA der spielerischen Schwachpunkte des Spiels wohl bewusst und hat die Neuauflage an einigen Stellen bezüglich des Gameplays moderat angepasst.
Franchise Overkill
Doch beginnen wir mit den offensichtlichen Stärken von
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen. Wie schon beim Äquivalent zu den Sommerspielen, hat sich auch hier die Prominenz aus 30 Jahren Videospielgeschichte versammelt. Die kunterbunten Charaktere aus dem Hause SEGA und Nintendo sind uns ans Herz gewachsen und stehen für unkomplizierten Spielspaß. 20 verschiedene Charaktere sind im Spiel wählbar: Mario, Sonic, Donkey Kong, Tails, Wario oder Knuckles … alle sind dabei! Jeders Maskottchen steuert sich durch unterschiedliche Attribute ein wenig anders. So saust der blitzschnelle Sonic besonders geschwind über die winterlichen Pisten, hat dafür jedoch seine Defizite in anderen Kategorien. All dies kennen wir schon aus
Mario Kart & Co., das bewährte Konzept findet auch beim vorliegenden Sportspiel seine Anwendung.
Sportliches Allerlei
Obwohl SEGA die offizielle Lizenz der Olympischen Spiele innehat, nehmen es die Japaner mit der realitätsgetreuen Umsetzung der Disziplinen nicht ganz so ernst. Neben klassischen Wintersportarten wie Riesenslalom oder Bobfahren, haben es auch einige nicht offizielle Wettbewerbe – so genannte Traumdisziplinen wie Snowboardcross – ins Spiel geschafft. Mit insgesamt 25 verschiedenen Herausforderungen schafft es SEGAs Olympiade nicht ins Buch der Rekorde, schlägt sich aber zumindest recht ordentlich.
Insgesamt fällt auf, dass der Schwitzfaktor bei den Winterspielen erheblich reduziert wurde. Mussten Videospielsportler in Beijing noch mit den Armen wedeln, hält sich die Wii-Fuchtelei diesmal in Grenzen. Lediglich bei einigen Sportarten wie dem Bobfahren müsst ihr durch wildes Herumwedeln euer Vehikel in Bewegung setzen. Ansonsten ist bei
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen jedoch mehr Geschick und Reaktionsvermögen gefragt als schiere Ausdauer und eine durchtrainierte Handgelenksmuskulatur.
Bei der Steuerung nutzt SEGA die Features der Wii konsequent aus und setzt zu einem überwiegenden Teil auf die Neigungssensoren der Wii-Fernbedienung und des Nunchuck-Controllers. Damit kommen auch Anfänger und Gelegenheitsspieler schnell mit dem Spiel zurecht, die Controller-Buttons werden bei den unterschiedlichen Sportarten insgesamt doch sehr sparsam eingesetzt. Die meisten Disziplinen steuern sich ohnehin selbsterklärend. Nichts desto trotz hat sich SEGA die Mühe gemacht, das Regelwerk und die Steuerung jedes Wettbewerbs ausführlich zu erklären. Vorbildlich!
Bei einigen Sportarten darf sogar das Balanceboard ausgepackt werden. Auch hier steuern sich Mario & Co. einwandfrei. SEGA tritt den Beweis an, dass nicht nur Nintendo in der Lage ist, die Vorzüge der Wii auszunutzen. Andere Zusatzhardware wie WiiMotion Plus oder gar den auf der E3 vorgestellten Pulsmesser finden im Spiel allerdings keine Verwendung.
Highscorejagd oder Partyspiel?
Während Marios und Sonics Auftritt bei den Sommerspielen noch sehr auf den Multiplayermodus abgezielt hat, versucht die Wintersportversion nun auch die Solisten zu befriedigen. Beim „Sportfest“ dürft ihr die Olympischen Spiele in ihrer Gesamtheit erleben, von der Eröffnungsfeier bis zur Abschlussgala. Um die Motivation auch längerfristig zu erhalten, dürfen wir im Shop ungehemmt der Kauflust frönen. Dort sind zahlreiches Merchandise, Sportzubehör oder Outfits verfügbar, die ihr euren Miis verpassen könnt.
Kern des Spiels ist und bleibt jedoch der Mehrspielermodus. Bei Sportspielen wie
Mario und Sonic bei den Olympischen Winterspielen sind echte Mitspieler vor der eigenen Konsole durch nichts zu ersetzen. Dies dachte sich wohl auch SEGA und hat auf den Einbau eines Online-Multiplayers verzichtet. So langsam dürften sich Wii-Besitzer an das konsequente Ignorieren der Onlinefunktion schon gewöhnt haben. Immerhin hat SEGA nicht vollkommen auf Onlinefeatures verzichtet. Wer auf seiner Wii den Wetterkanal installiert hat, darf immerhin die aktuelle Wetterlage in Vancouver in sein laufendes Spiel einbauen lassen.
Leider dürfen nur in den wenigsten Sportarten vier Spieler gleichzeitig antreten. Ein Großteil der Spiele wird nacheinander abwechselnd absolviert. Dieses Manko teilt
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen aber wohl mit nahezu allen Spielen zu Olympischen Veranstaltungen und liegt in der Natur der Sache. Die Spannung um Bestzeiten und Rekorde sorgt dennoch dafür, dass sich der Titel bestens für eine lustige Session unter Freunden eignet.
Wer den Winterspielen einen weiteren Hauch von Partyatmosphäre angedeihen lassen möchte, der sollte auch mal einen Blick auf die drei verschiedenen Partyspiele werfen. Zwar müssen auch hier lediglich die unterschiedlichen Disziplinen durchgespielt werden, jedoch werden diese in interessante Minispiele eingerahmt. Bei „Ballonangriff“ etwa erarbeiten sich die Spieler – je nach Abschneiden in der gespielten Sportart – eine bestimmt Anzahl von Bällen. Diese werden anschließend verwendet, um auf Ballons zu werfen, die zum Abschluss des Minispiels unterschiedlich bepunktet werden.
Die Disziplinen im Überblick
Abschließend wollen wir euch den Gesamtüberblick über die verschiedenen Wettbewerbe nicht vorenthalten:
Ski Alpin: Abfahrt, Riesenslalom
Skispringen: Einzelspringen Großschanze, Teamspringen Großschanze
Ski Freestyle: Buckelpiste, Ski Cross
Snowboard: Halfpipe, Snowboardcross
Eisschnelllauf: Eisschnelllauf 500 Meter, Short Track 1000 Meter, Short Track Staffel
Bob: Skeleton, Bob
Verschiedenes: Eiskunstlauf, Eishockey, Curling
Des Weiteren gibt es in
Mario & Sonic bei den Olympischen Winterspielen einige Trausportarten, die nicht zum regulären Repertoire der Winterspiele gehören und ein leicht modifiziertes Regelwerk zugrunde legen:
Ski Alpin, Skispringen, Ski Cross, Snowboardcross, Short Track, Eiskunstlauf, Bobsport, Eishockey, Curling, Schneeballschlacht, Gleitflug
Zu Beginn des Spiels sind jedoch nur zwei Traumdisziplinen freigeschaltet, die restlichen Wettbewerbe müsst ihr euch erst im Laufe der Zeit verdienen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
