Obwohl Nintendo seine Vorherrschaft im Konsolen-Bereich seit Ende der 90er an Sony und später auch Microsoft hat abgeben müssen, existiert der Konzern nach wie vor immer noch. Und das obwohl andere namhafte Firmen mittlerweile bankrott sind oder fusionieren mussten. Ein Weg aus der Krise für den japanischen Hardware-Hersteller war unter anderem die umsatzträchtigen Pokémon-Sparte – kleine, bunte Tierchen, die besonders bei der jungen Zielgruppe einschlugen wie nichts zuvor. Klar, dass andere auch einen Teil vom Kuchen abhaben wollen.
Pokémon à la Disney
Deswegen schickt Disney mit
Spectrobes - Der Ursprung nun seine Version der Tierchen ins Rennen. Und was sich hier auf der Wii offenbart, klingt nach den typischen Genre-Zutaten. Eben das übliche Rezept mit einem Jungen und Mädchen im niedlichen Anime-Style, die mit einem putzigen Tierchen an ihrer Seite ausziehen, um die Welt vor drohendem Unheil zu bewahren. Das bekannte Rezept wird gerne auch emotionslos neu aufgewärmt, da die Zielgruppe unter 14 noch weitaus begeisterungsfähiger ist als erwachsene Zocker. Daher werfe ich mal einen doppelt kritischen Blick auf das Produkt. Einmal durch die Perspektive meines Nachwuchses und einmal aus meinem Blickwinkel. Denn Nintendo gelingt auch der Spagat zwischen beiden Welten, beispielsweise kann das Unternehmen mit einem Super Mario auch ältere Semester vor die Konsole locken.
Phantasy Star reloaded
In den ersten Spielminuten fühle ich mich in die Zeiten von
Phantasy Star Online auf dem Dreamcast zurückversetzt. Die ganze
Spectrobes-Welt wirkt so futuristisch, dass ich mich in dem Mix aus Wald- und Technik-Arealen mit nur einem putzigen Begleiter an meiner Seiten etwas verloren und mich schnell wie auf einem
WoW-Server zu sehr später Abendstunde fühle. Aber das ist genau das Richtige, um sich ausgiebig dem Kampfsystem zu widmen. Dieses präsentiert sich selbstverständlich mit Unterstützung der Bewegungserkennung der Wii. Doch im Grunde genommen beschränkt es sich auf gelegentliche Armbewegungen mit Drücken des A-Knopfs, doch jüngere Semester werden davon begeistert sein, den Recken auf diese Art und Weise über den Bildschirm zu scheuchen. Andere durchschauen aber recht schnell das wiederkehrende Schema, welches nur spannend wird, wenn die Steuerung wieder einmal ungenau wird.
Gonna catch’ em all
Kommen wir zu der Sammelwut, die ein Spieler an den Tag legen muss, um aus
Spectrobes - Der Ursprung den vollen Wiederspielwert schöpfen zu können. Natürlich fangen wir unsere Tierchen nicht per Pokeball ein, sondern besuchen verschiedene Planeten, auf denen wir diese ausgraben müssen. Ja, richtig gelesen. In Form einer Art Sci-Fi-Indiana Jones graben wir fortan nach neuen Wegbegleitern. Und wieder einmal klappt hier die Schere zwischen Jung und Alt auseinander. Während sich das junge Zielpublikum voll und ganz auf das Universum einlassen möchte, krame ich währenddessen nach meiner
Guild Wars-Sammlung. Denn auf mich wirkt das ganze Sammeln wie eine triste Quest aus einem Online-PRG. Die Kleinen hingegen dachten während des Tests wirklich, damit die Welt retten zu müssen. Zumindest ist das Entdecken der Tierchen sehr gut in die Steuerung der Wii integriert worden. Was also bereits auf dem DS mit dem Stylus in der Hand begeistert hat, wurde durch Entwickler Genki gut auf die weiße Heimkonsole von Nintendo übertragen.
Generationenkonflikt mal anders
Und jetzt kommen wir zu dem verbindenden Aspekt. Denn
Spectrobes - Der Ursprung kann Kinder unter 14 ungemein mit seinen gut inszenierten Zwischensequenzen und dem liebevoll gestalteten Universum begeistern, doch ab und zu kommt es doch vor, dass vor allem Grundschul-Kinder mit den gestellten Aufgaben weit überfordert sind. Und hier kommen wir ins Spiel – sprich die alten, erfahrenen GameRadio-Tester oder auch liebevoll Eltern genannt. Denn wenn der Nachwuchs ins Stocken gerät, lassen wir es uns nicht nehmen, voller väterlichem Elan die Wii-Fernbedienungen an uns zu reißen und mit ein paar gekonnten Schwüngen und unter den staunenden Augen des Nachwuchses unsere Erfahrung als Zocker unter Beweis zu stellen. Wer böse ist, denkt ich spreche hier von einem an manchen Stellen unausgewogenen Schwierigkeitsgrad des Spiels...