Wer jetzt glaubt, hier geht es um die Umsetzung von Civilization 3 samt Erweiterungspacket, der wird beim Weiterlesen bitter enttäuscht werden. Nicht weil die Wii-Version so mies ausgefallen ist, sondern weil es sich schlichtweg mit Play the World um einen Titel handelt, der nur den gleichen Namen trägt, hinter dem sich aber ein typisches Party-Game verbirgt. Da jetzt die Erwartungshaltung zum Spiel passt, werfen wir mal einen Blick auf die familientaugliche Rundreise über alle sechs Kontinente.
In Nintendos Fußstapfen
Nintendo schafft es immer wieder. Nein, damit ist nicht nur die andauernde Vorherrschaft im Handheld-Sektor gemeint oder die ständige Innovationen mit exotischen Eingabemöglichkeiten, sondern auch der Spagat zwischen der Unterhaltung für Jung und Alt. Denn die Helden F gehören wegen ihren spielerischen Qualitäten längst nicht mehr in Kinderhände, sondern auch ältere Zocker können im Kollegenkreis behaupten, gestern eine ausgiebige Runde
Mario Kart oder
Metroid gespielt zu haben. Ganz im Dienste der Familie eben, wollen auch die Party-Spiele für Nintendos neuen kleinen weißen Kasten kein Ende nehmen. Allerdings hat dieser Trend bereits einige Gurken zu Tage gefördert, denen es nur darum geht, auf der Welle mitzureisen und das schnelle Geld zu machen. Mal schauen, welche Philosophie
Publisher Tivola mit seinem Spiel verfolgt.
In 80 Tagen um die Welt?
Zwar sieht das Cover nach einem unterdurchschnittlichen Titel aus der Retorten-Produktion aus, aber bereits die ersten Spielminuten zeigen, dass man sich wenigstens im Mittelfeld der Party-Game-Welle platzieren will. Insgesamt warten 12 Mini-Games, verteilt auf mehrere Kontinente, auf euch. Dabei strotzen diese nur so vor Klischees, denn in Japan muss man sein Gegenüber als Sumo-Ringer aus dem Ring schubsen und in Neapel übt man sich in der Kunst des Pizza-Backens. Dabei sind die Spiele in Sachen Steuerung gar nicht mal so übel umgesetzt worden, denn es ist Geschick mit beiden Teilen der Wii-Fernbedienung gefordert. Jüngere Generationen haben anfangs Startprobleme, erlernen diese aber nach kurzer Einweisungsphase seitens der Eltern blitzschnell. Damit ist also der Spiele-Abend doch noch gerettet.
Mulitkultureller Familien-Spaß
Auch beim Abwehren der herannahenden Gegenstände im Shaolin Kloster oder dem Sprint zur Aussichtsplattform des Pariser Eiffelturm kommt gemeinsam Laune auf. Der Hinweis, dass Solisten um solche Titel einen weiten Bogen machen sollten, ergibt sich daher fast von selbst. Nichts besonderes, aber für die Kleinen ungemein unterhaltsam, ist die Möglichkeit sich eine eigene Spielfigur zu erschaffen und diese mit allerlei Details wie Kochmütze oder Sherpa-Hut zu verfeinern.
Langzeitmotivation soll dadurch aufkommen, dass man sich auf seiner spielerischen Welt-Tour noch weitere Gegenstände für seinen Charakter erspielen kann, aber man hat schon nach kurzer Zeit alles gesehen.
Stimmige Gesamtleistung
In Sachen Grafik bewegt sich der Titel im angestrebten Mittelfeld, ließ uns allerdings mit seiner klischeehaften Darstellung der Länder das ein ums andere Mal schmunzeln. Beim Sound geht das genauso, denn wenn wir aufgeregt Pizzas zu unseren Kunden schleudern und im Hintergrund der überdrehte italienische Pizza-Bäcker seinen Senf dazu abgibt, dann kommt Laune auf. Allein bei der Gestaltung der Tiere in der afrikanischen Steppe oder des eigenen Charakters scheint man etwas lieblos vorgegangen zu sein. Hier wirkt das Ganze mehr funktionell. Egal, das ist ja auch überwiegend Geschmackssache. Mit integriertem Vier-Spieler-Modus und der Unterstützung für das Wii Balance Board ist
Play the World zum Kaufpreis von rund 30 Euro eine runde Sache und stellt für einen Familie-Spiele-Abend vor der Wii eine gute Alternative dar.