Mit neuartigen Bewegungs- und seit Wii Fit auch Gewichtssteuerungen, sowie passenden Spielen zielt Nintendo mit der neuen Konsole auf Casual Gamer - was die alten Fans eher enttäuscht. Die selbsternannten Hardcoregamer klagen oft über einen Mangel an ernstzunehmenden Spielen für die Wii. Diese "Marktlücke" hat die Softwareschmiede High Voltage entdeckt und es geschafft, mit dem Shooter The Conduit einen riesigen Hype auszulösen. Ob das Spiel den Vorschusslorbeeren gerecht wird, erfahrt ihr in unserer Review.
Ford, der Einzelgänger
Die Einzelspielerkampagne beginnt im Untergrund von Washington D.C. Nach kurzer Bewusstlosigkeit richtet ihr euch auf und lernt Schritt für Schritt die Steuerung kennen. Mit dem Pointer der Wiimote wird gezielt, der Analogstick wird zum Laufen verwendet, mit dem A-Knopf könnt ihr springen, mit dem B-Knopf schießen und mit den Nunchuktasten könnt ihr euch ducken und ein Ziel anvisieren. Auch die Bewegungssteuerung wird genutzt (sogar ohne aufgesetzt zu wirken oder zu stören): Eine Bewegung mit dem Nunchuk führt zum Granatenwurf, wer dem Gegner mit seiner Waffe im Nahkampf eins überbraten möchte, muss nur die Wiimote nach vorne stoßen.
Doch kommt bei der Steuerung von
The Conduit schon der erste Vorteil des Spiels zum Vorschein. Wirklich alles lässt sich anpassen. Neben der freien Knopfbelegung könnt ihr die Laufgeschwindigkeit einstellen und bestimmen, wie schnell sich der Held dreht und wie weit man dafür den Pointer zum Rand bewegen muss. So kann sich jeder sein eigenes Steuerungsschema basteln, allerdings ist auch die Standardeinstellung wirklich sehr gelungen.
Habt ihr die Grundlagen gelernt, springt euch auch schon ohne Vorwahnung die erste Kreatur an, die jedoch schnell den Geist aufgibt. So arbeitet ihr euch im Level voran, um weitere Kniffe kennenzulernen, wie das Allsehende Auge. Mit diesem Gerät könnt ihr euch nicht nur in Computersysteme hacken, sondern verborgene Schlösser aktivieren oder versteckte Objekte scannen, um Konzeptgrafiken oder Cheats freizuschalten. Allerdings gibt es für das ASA immer nur die gleichen Rätsel. Schon nach kurzer Zeit nervt dieses Gadget einfach. Am Ende des Tutorials bleibt die Frage, warum Washington teilweise in Trümmern liegt und überall Aliens herumlaufen. Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, wird die Zeit um fünf Tage zurückgedreht. Michael Ford, der Held aus
The Conduit, wird von einer geheimen Organisation namens "Syndikat" kontaktiert. Seine Hilfe wird benötigt, um einen Terroristen zu bekämpfen und einen gestohlenen Prototypen sicherzustellen. Der Startschuss für eine Geschichte um Alieninvasionen, Verschwörungen und Intrigen - ein typisches Akte-X-Setting.
Die etwa sechs bis acht Stunden lange Kampagne von
The Conduit führt euch durch neun strikt linear gehaltene Missionen. Ihr werdet euch durch einen Flughafen, die Straßen von Washington D.C., das Pentagon, einen Bunker und selbst das Weiße Haus kämpfen. Weitaus weniger Abwechslung bieten die Gegner. Die Faktoten (so lautet der Name der Aliens) gibt es nur in wenigen Varianten und bei den menschlichen Gegnern, bei denen die verschiedenen Klassen (Wissenschaftler, Agenten) mit jeweils einem Charaktermodell auskommen müssen, sieht das kaum anders aus. Die Waffen, mit denen ihr euch gegen diese Gegner zur Wehr setzt, sind in drei Typen eingeteilt: Klassische Menschenwaffen (Maschinengewehr, Pistole), Waffen des Syndikats, die dank fortgeschrittener Technologie beispielsweise Blitze verschießen, und die Waffen der Faktoten, die - wie es sich für Aliens gehört - auf Plasma und Biomasse zurückgreifen.
Leider erlaubt sich die KI der Gegner manchmal grobe Aussetzer. Auf ihrer Suche nach Deckung springen sie manchmal blindlings vor den Lauf eurer Waffe oder machen riesige Umwege, die sie eine lange Zeit ungeschützt lassen. Trotz des teilweise doofen Verhalten eurer Widersacher gibt es einige frustige Stellen in
The Conduit, die besonders in Kombination mit Checkpoints, die euch entweder zwingen, minutenlange Wege erneut zu gehen, oder euch wieder mitten im Schlachtfeld auferstehen lassen, eure Nerven echt strapazieren können. Und wenn man schon andere Wii-Spiele aufgrund ihrer Grafik schlecht redet, sollten doch wenigstens ein paar Zwischensequenzen drin sein, um das Geschehen etwas aufzulockern, High Voltage. Zusammengefasst ist die Kampagne wirklich weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Sie stellt keinen Kaufgrund dar und ist selbst für Leute, die keine Shooter von Konkurrenzkonsolen gewohnt sind, keine Offenbarung.
Ford, der Teamkämpfer
Wesentlich besser ist der Multiplayermodus von
The Conduit gelungen. Zwar gibt es keinen Offline- und keinen Koop-Modus, doch die Onlinekämpfe setzen auf der Wii in vielerlei Hinsicht neue Maßstäbe. Bis zu zwölf Spieler dürfen sich auf den Multiplayermaps austoben, wobei sogar mittels Wii Speak miteinander gesprochen werden kann. Natürlich ist diese Spielerzahl und Voice-Chat auf Playstation 3 und Xbox 360 Standard, auf der Wii ist
The Conduit hingegen ein wahrer Onlinepionier. Zusätzlich gibt es ein Rangsystem: Für jeden Kill und ergatterten Punkt erhaltet ihr Erfahrung, die euren Rang (mit entsprechendem Symbol) erhöht. Anhand dieser Ränge pickt das Spiel auch die passenden Gegner für euch heraus - eine Lobby, in der Spieler selber Räume öffnen können, gibt es nicht. Wer mit bestimmten Spielern zocken möchte, muss wieder einmal Freundescodes austauschen.
Der Mehrspielermodus von
The Conduit ist in drei Spielvarianten aufgeteilt:
"Jeder gegen Jeden",
"Teamschnitter" und
"Teamziel". Neben Karte und Waffenset kann vor dem Spiel jedoch für eine Regelvariante gestimmt werden. Bei
"Jeder gegen Jeden", das eigentlich das klassische Deathmatch darstellt, gibt es zum Beispiel das "ASA Rugby". Nur, wer das Allesehende Auge hat, erhält Punkte, alle anderen Spieler sind demnach hinter ihm her.
"Teamschnitter" ist mit Team-Deathmatch gleichzusetzen, wohingegen
"Teamziel" einige Varianten von Capture The Flag (wobei wieder das Allsehende Auge als Fahnenersatz herhalten muss) bereithält.
Ebenfalls sehr positiv fiel auf, dass kaum Performanceprobleme auftraten. Selbst bei großen Feuergefechten zwischen ganzen Gruppen von Spielern gibt es keine Lags oder Framerateeinbrüche.
Das Auge ist allsehend
Auch technisch wurde im Vorhinein zu viel versprochen. Sehr schade ist, dass auf Zwischensequenzen komplett verzichtet wurde. Vor jeder Mission gibt es ein Codec-Gespräch, wie man es von Solid Snake und Otacon gewohnt ist (nur ohne Witz und Spannung), mit minimalen Animationen. In den Levels selbst ist es vor Allem die Abwechslung, an der es mangelt. In Gebäuden gleicht oft ein Raum dem Anderen. Die Effekte, die bei der ersten Techdemo der Quantum3-Engine gezeigt wurden und viel zur Atmosphäre beigetragen hätten, sind im Spiel nicht wirklich zu finden.
Die englischen Sprecher sind hingegen recht gut gewählt, auf Wunsch können deutsche Untertitel aktiviert werden. Die Waffensounds sind jedoch auch nicht überzeugend und die Musik ist schon fast langweilig.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
