Nach Ashleys Debüt in Another Code: Doppelte Erinnerung vor vier Jahren auf dem Nintendo DS, will das Mädchen nun ein weiteres Stück ihrer mysteriösen Vergangenheit auf der Wii aufdecken. Another Code R: Die Suche nach der verborgenen Erinnerung verspricht dabei eine tiefgründige Story und an die Wiimote angepasste Rätsel. Ob hinter dem Adventure mehr als nur ein interaktiver Roman steckt, erfahrt ihr in unserem Test.
Was bisher geschah …
In
Another Code R wird die Geschichte des Vorgängers weitergesponnen. Nach ihrem Besuch auf der Blood Edward Insel, bei dem die 14-jährige Ashley das erste Mal Bekanntschaft mit ihrem verschollenen Vater Richard macht, schlüpft ihr zwei Jahre später erneut in die Haut des jungen Mädchens. Das freudige Wiedersehen mit ihrem Vater hat nicht lange angehalten und der Wissenschaftler stürzte sich nur kurz darauf wieder in seine Forschungsarbeit. Seit sechs Monaten versucht Ashley vergebens Kontakt aufzunehmen und wie schon im Prequel bildet eine unverhoffte Einladung den Auftakt zur Geschichte des Spiels.
Dieses Mal lädt Richard zum gemeinsamen Camping am Lake Juliet. Nach einer hitzigen Diskussion mit ihrer Tante beschließt Ashley, ihrem Vater noch eine Chance zu geben und macht sich auf die Reise zum idyllischen See. Die beginnt natürlich erwartungskonform mit einigen Schwierigkeiten.
Auf den Spuren der Vergangenheit
Im Vergleich zu klassischen Point & Click-Adventures wie
Geheimakte Tunguska oder
Sam & Max geht
Another Code R neue Wege. Das Adventure lässt euch nicht etwa die Welt retten, sondern konfrontiert euch mit den ganz normalen Alltagsproblemen eines Teenagers. So scheint es zumindest zu Beginn, denn aufgrund der Tatsache, dass ihre Eltern zu den bedeutendesten Koriphäen auf dem Gebiet der Erinnerungsforschung gehören und Ashley mit drei Jahren Zeugin des Mordes an ihrer Mutter werden musste, ist das Leben des Mädchens alles andere als normal. Immer wieder wird Ashley von Alpträumen und Erinnerungsfetzen geplagt, die etwas mit dem Tod ihrer Mutter zu tun haben. Um ein wenig Licht in ihre Vergangenheit zu bringen, scheint Lake Juliet der perfekte Ort zu sein, denn hier hat ihre Mutter an einem geheimen Projekt gearbeitet.
Adventure in der Light-Variante
Die Reise an den vertrauten Ort droht jedoch gleich zu Beginn zu scheitern, denn Ashley bekommt es mit einem Taschendieb zu tun, der sich mit ihrem Hab und Gut davon macht. Eure erste Aufgabe besteht also darin, auf dem Campingplatz einzuchecken und eure gestohlenen Sachen wiederzubekommen. Auf eurer Erkundungstour am See macht ihr sogleich Bekanntschaft mit dem Park-Ranger, der von seltsamen Ereignissen erzählt und euch der Lösung eures Problems ein wenig näher bringt. Das Gameplay von
Another Code R ist sehr linear und anstelle den Bildschirm wie in anderen Genre-Vertretern mit der Maus abzusuchen, bekommt ihr von unterschiedlichen Personen stets konkrete Hinweise zum weiteren Spielverlauf.
Fast 90 Prozent des Gameplays von
Another Code R bestreitet ihr mit Gesprächen. Doch dabei gibt es nicht etwa wie im Klassiker
Monkey Island verschiedene Antwort-Möglichkeiten. Nein, ihr seid lediglich mit dem Weiterklicken der Bildschirmtexte beschäftigt und habt anschließend die Gelegenheit, auf bestimmte Themen näher einzugehen. Das könnt ihr zwar zeitlich verschieben, stellen müsst ihr die Fragen aber dennoch, um im Spiel weiterzukommen.
Auch das Genre-typische "Umgebung näher untersuchen" hat seinen Weg ins Spiel gefunden - wenn auch in einer leicht abgeänderten Form: Viele Gegenstände im Spiel können zwar betrachtet werden, ins Inventar könnt ihr sie aber erst aufnehmen, wenn ihr sie für das momentane Rätsel im Spiel braucht. So lässt Ashley beispielsweise eine Batterie auf dem Zeltplatz liegen, da sie noch nicht weiß, dass ihrem MP3-Player der Saft ausgegangen ist. Im Inventar könnt ihr zwar auch Gegenstände näher untersuchen und Fotos von verdächtigen Objekten schießen, doch wirklich ausgebaut ist dieses Feature nicht, denn dafür kommt es im Vergleich zu herkömmlichen Adventures viel zu selten zum Einsatz.
Die eigentlichen Rätsel des Wii-Titels wurden an die Bewegungssteuerung angepasst und so müsst ihr die Wiimote beispielsweise wie ein Reagenzglas schütteln oder bestimmte Ziehbewegungen in eine Richtung ausführen, um ein Hindernis aus dem Weg zu räumen. Bei verschlossenen Türen fungiert der Controller als Entschlüsselungstool, wobei es bestimmte Button-Kombinationen in der angezeigten Reihenfolge zu drücken gilt. Hier könnt ihr euch jedoch so viel Zeit lassen, wie ihr wollt, wodurch euch bei diesem Rätsel-Typ keine Schwierigkeiten oder Herausforderungen erwarten.
Stummer Roman in Anime-Optik
Bei der grafischen Umsetzung für die Wii haben die Entwickler von
Another Code R viel Liebe zum Detail bewiesen und dem Adventure eine farbenfrohe Anime-Optik verpasst. Das Charakter-Design bietet dabei einen passenden Mix aus japanischen und amerikanischen Comics, wobei der coole Surfer-Student mit Ziegenbart dem androgynen Wissenschaftler mit langer Wallemähne gegenübersteht. Die Umgebungen, durch die ihr euch auf vorgegebenen Bahnen lediglich mit Richtungswahl-Möglichkeit bewegt, haben viele Details zu bieten, hinter denen sich nicht selten nützliche Gegenstände verbergen.
Das größte Manko an
Another Code R ist jedoch die fehlende Sprachausgabe, die heutzutage eigentlich zum Standard gehören sollte. Während Blockbuster wie
»Mass Effect oder
»Fallout 3 ein Zehnfaches an vertonten Textzeilen zu bieten haben, hat
Another Code R-Entwickler Cing von jeglicher Synchronisation abgesehen und lässt euch mit Klaviermusik und einigen wenigen Soundeffekten für den durchlaufen den Text oder Ashleys Schritte auf dem Waldboden allein. Das wirkt auf Dauer sehr eintönig.