Vor gut einem Jahr wurde es auf der E3 als große neue Spieleerfahrung von Nintendo angekündigt: Wii MotionPlus! Nun ist endlich das erste Spiel im Handel, das die neue Hardware unterstützt. Überraschenderweise leistet nicht Nintendo selbst die Pionierarbeit, sondern ein Dritthersteller. Electronic Arts wagt sich mit Grand Slam Tennis in neue Gefilde und versucht uns Spielern ein neuartiges Spielgefühl zu vermitteln. Dank Wii MotionPlus soll die Erkennung der Bewegungsabläufe so präzise sein wie noch nie zuvor. Doch was ist wirklich dran an der neuen Zusatzhardware? Innovation oder Mogelpackung? Core oder Casual? Wir haben Grand Slam Tennis für euch auf den Zahn gefühlt.
Unter dem EA Sports Label hat Publisher Electronic Arts bereits einen Großteil des sportlichen Portfolios abgedeckt. Egal ob Fußball, Eishockey, Basketball, Boxen oder American Football… Electronic Arts hat ein entsprechendes Spiel im Programm. Daher verwundert es, dass der Publisher den Konkurrenten Sega und 2K bislang kampflos das Feld überließ. Dies ändert sich nun mit dem Wii-exklusiven
Grand Slam Tennis. Zunächst mutet es eigenartig an, dass gerade EA einen Sporttitel exklusiv für eine einzige Konsole herausbringt, zeichnete sich der Konzern doch stets durch seine Mulitplattform-Strategie aus. Betrachtet man das Spiel jedoch einmal genauer, wird schnell klar, warum der Publisher diesmal von seiner bisherigen Strategie abgewichen ist.
Grand Slam Tennis setzt auf die bewegungssensitive Steuerung der Wii, mit dem das Konzept des Spiels steht und fällt.
EA Sports – Die Kraft der Lizenzen
Von Electronic Arts ist man es fast schon gewohnt. Wie schon bei
NBA Live,
FIFA,
NHL oder anderen Franchises aus dem Sportsektor, bietet auch
Grand Slam Tennis ein reichhaltiges Angebot an prominenten Spielern und Turnieren. Die namensgebenden Grand Slams wie Wimbledon oder die French Open sind ebenso mit an Bord wie zahlreiche Spieler von heute, gestern und vorgestern. Spielt aktuelle Stars wie Nadal oder wahre Legenden wie Stefan Edberg. Auch die deutschen Spieler Boris Becker und Michael Stich sind dabei. Im Gegensatz zu
Virtua Tennis versucht der EA-Konkurrent jedoch nicht die Spieler so naturgetreu wie möglich zu imitieren, sondern setzt auf einen abstrakten Comiclook. Dies mag wohl der schwächeren Grafikpower der Wii geschuldet sein, macht aber dennoch einen ganz sympathischen Eindruck.
Die Wii-Frage: Wie steuert es sich?
Kommt ein neues Spiel für die Nintendo Wii auf den Markt, lautet beinahe automatisch die erste Frage: Wie steuert es sich? Dies gilt für
Grand Slam Tennis insbesondere, da erstmal die Zusatzhardware Wii MotionPlus zum Einsatz kommt. Wer nicht in Besitz von Wii MotionPlus ist, darf das Spiel jedoch auch wie gewohnt mit der Wii-Fernbedieung steuern.
Anfängern sei dabei die Steuerung ohne Nunchuck empfohlen. Entfernt einfach die Erweiterung von der Fernbedienung und euer Spieler bewegt sich – wie schon bei der Tennisvariante von
Wii Sports - selbstständig in Richtung des Balls. Gerade am Anfang stellt sich dies als echter Gewinn für den Spielspass heraus, denn die Koordination von Lauf- und Schlagarbeit stellt sich als recht schwierig heraus. Die Position des Spielers zum Ball stellt eine entscheidende Bedeutung beim Rückschlag dar. Wer sich mit der Steuerung der Schläge eingehend vertraut gemacht hat, darf mit eingestöpseltem Nunchuck seine Tennis-Heroen selbst über den Platz scheuchen. Ein kabelloses Nunchuck ist dabei allerdings von Vorteil. Nicht selten geschieht es, dass man sich im Eifer des Gefechts mit dem Kabel verheddert.
Grand Slam Tennis versucht die Einstiegshürde auch für Videospielnovizen niedrig zu halten. Im gesamten Spiel werden auf dem Tenniscourt lediglich zwei Buttons benötigt. Diese fügen dem Spiel jedoch eine gute taktische Komponente hinzu. Haltet ihr vor dem Schlag den A-Knopf gedrückt, führt euer Spieler einen Lob durch. Die B-Taste wiederum setzt ihr ein, um euren Gegenspieler mit einem Stoppball zu überraschen. Der Einsatz der Buttons funktioniert recht gut und sorgt in geselliger Runde immer wieder für einen lauten Aufschrei.
Leider kann man dies von der eigentlichen Bewegungssteuerung nur bedingt behaupten. Wie schon bei
Wii Tennis ahmt ihr durch Schwingen der Wii-Fernbedienung die Schlagbewegungen eures Tennisspielers nach. Das Timing ist dabei entscheidend über Erfolg und Misserfolg. Besonders wichtig dabei ist der Winkel vom Ball zum Schläger. Nur mit einiger Übung gelingt es auch, den Ball an die gewünschte Stelle zu platzieren.
Wii MotionPlus – Was bringt es?
Nintendos Vorgehen, den ersten Spielen mit Wii MotionPlus Unterstützung, die Zusatzhardware mit ins Paket zu legen, ist vorbildlich. So erwerben Nintendo-Fans die neue Hardware ohne (gefühlten) Mehrpreis und die Dritthersteller sorgen gleichzeitig für eine gute Verbreitung des Geräts. Im Handel ist die Erweiterung aber auch separat erhältlich und schlägt mit etwa 20€ zu Buche. Auch
Grand Slam Tennis wird mit Wii MotionPlus ausgeliefert. Ebenfalls dabei ist eine vergrößerte Silikonhülle, in der sowohl die Wii-Fernbedienung als auch Wii MotionPlus Platz finden. Durch einfaches Zusammenstecken der beiden Geräte werden diese miteinander verbunden. An der Unterseite von Wii MotionPlus befindet sich zudem eine weitere Steckerklappe, die den Anschluss der Nunchuck-Erweiterung ermöglicht.
Die Steuerung selbst ändert sich durch die Erweiterung mit Wii MotionPlus nicht. Dafür erkennt die Wii-Fernbedienung eure Schläge nun etwas präziser. So werden beispielsweise Topspins erkannt, indem ihr euren „Schläger“ von unten nach oben bewegt. Das gleiche gilt für kraftvolle Slices, die durch ein Abschwingen des Schlägers durchgeführt werden.
Zwar hat die Steuerung mit Wii MotionPlus auch noch einige Aussetzer, funktioniert aber deutlich besser als bei Verwendung der nackten Wii-Fernbedienung. Einige Male musste die Wii MotionPlus zudem nachkalibiert werden. Dies geschieht durch einfaches Ablegen der Fernbedienung auf eine ebene Fläche. Nach etwa 2 Sekunden Unterbrechung kann das Match dann fortgesetzt werden.
Partyspaß mit vier Spielern?
Bevor ihr nun drei Freunde auf ein Doppelmatch zu euch nach Hause einladet, solltet ihr vor dem Fernsehgerät eine Menge Platz schaffen. Wird es schon bei zwei Spielern relativ eng im Wohnzimmer, sollte bei mehreren Spielern genau überlegt werden, wie ihr diese positioniert. Zu schnell kommen sich die Spieler bei ihren Schwüngen ins Gehege.
Neben den „normalen“ Mehrspielerduellen steht euch auch ein Party-Modus zur Verfügung. Dieser besteht jedoch nicht aus einfachen Minispielen, sondern variiert die Regeln eines Matches durch einige Sonderklauseln. So können beispielsweise zwei Spieler gegen einen antreten oder Lobs, Volley und Stopps doppelt werten lassen. Nach einigen Matches ist die Besonderheit der Regeln jedoch schnell verflogen und man kehrt wieder zu den Standard-Matches zurück. Immerhin verfügt
Grand Slam Tennis über einen Online-Modus, in dem ihr euch mit Gegnern auf der ganzen Welt messen könnt. Das Onlinespiel funktionierte im Test tadellos, größere Lags oder Spielabbrüche traten nicht auf.
Singleplayer – Wie lange werden Solisten motiviert?
Grand Slam Tennis verfügt ebenfalls über einen Karrieremodus. Hier bastelt ihr euch innerhalb weniger Minuten ein eigenes Alter Ego zusammen, das sich gegen die Größen des Tennissports behaupten muss. Innerhalb eines Jahres spielt ihr euch durch Showmatches und die großen Grand Slam Turniere. Euer Spieler selbst startet dabei mit einer Bewertung von null Sternen, die sich im Laufe der Karriere natürlich erhöhen sollte. Während der Turniere trefft ihr dann auch auf die großen Stars der Szene. Jeder Topspieler verfügt dabei über eine besondere Spezialeigenschaft. Dies kann zum Beispiel eine besonders kraftvolle Vorhand oder ein besserer Topspin sein. Besiegt ihr einen dieser Topspieler dürft ihr nun versuchen, diese Fähigkeit für euren eigenen Spieler abzustauben. Dies sorgt für eine gute Langzeitmotivation, da man natürlich versucht, immer wieder neue Spezialfertigkeiten zu erhalten.