Es gibt Spiele, die locken die Zockergemeinde mit großen Namen an. Andere setzen auf Grafik, die einem Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Auch mit Humor lassen sich Käufer finden. Und dann gibt es noch die Spiele, die von den vorher genannten Eigenschaften keine besitzen und nur mit der Spielmechanik punkten. Zu dieser Sparte gehören "Kororinpa" und der vor Kurzem erschienene Nachfolger "Marbles! Balance Challenge". Ob sich der Kauf des Murmelspiels lohnt, lest ihr in unserem Review.
Marbles!
Das Spielprinzip ist relativ simpel gehalten. Ihr müsst eine Kugel vom Start- zum Zielpunkt bringen und dabei alle Kristalle einsammeln. Gesteuert wird dazu aber nicht die Kugel, sondern die gesamte Umgebung. Hierbei kommt die Wiimote zum Einsatz, mit der ihr in der Ruheposition auf den Fernseher zeigt und deren Neigungen sich auf die Spielwelt übertragen. Diese Art der Steuerung funktionierte schon bei "Kororinpa" sehr gut, allerdings haben die Entwickler dem Titel nun eine weitere Methode spendiert.
Wie bei "Mercury Meltdown: Revolution" könnt ihr die Fernbedienung quer halten. Da sie so in beiden Händen gehalten wird, kann ein Zittern der Hand leichter ausgeglichen werden. Doch auch ansonsten fällt eine leicht unruhige Hand selten ins Gewicht, da die Kugeln nicht auf jede kleinste Bewegung reagieren. Anfangs wirkt diese Trägheit zwar verwirrend, entpuppt sich aber im Spielverlauf noch als echter Vorteil.
Zugegeben, das hört sich jetzt nicht wirklich abenteuerlich an. "Ui, ich kann die Welt drehen und ein Ball rollt von A nach B. Da kann ich ja auch mein altes Holzlabyrinth auspacken und die Murmel an den Löchern vorbeimogeln." Doch lasst euch nicht täuschen, denn das Spielprinzip ermöglicht einen leichten Einstieg, doch wird später, wenn zwischen Fallen und Abgründen navigiert, durch gewagte Sprünge eine Kluft nach der anderen überwindet und auf schmalen Wegen mit einer vergrößerten Kugel blanciert, richtig nervenaufreibend. Das Absolvieren einer solchen Stage stellt dann auch einen richtigen Erfolgsmoment dar. Kurzum: "Marbles! Balance Challenge" macht richtig Laune!
Balance
Alternativ kann auch das Balance Board verwendet werden. Für viele normale Levels wäre es allerdings ungeeignet, da mitunter an Wänden entlangerollt werden muss, was voraussetzt, dass der Spieler die Fernbedienung um 90 Grad kippen muss. Daher wurden für das Balance Board 100 neue Levels entworfen, zusammen mit den normalen Levels verfügt der Titel damit über 300 Aufgaben. Definitiv eine Zahl, die sich sehen lassen kann, denn bis ihr alle Levels gespielt habt, sind schon viele Stunden vergangen. Anschließend kann man noch die grünen Kristalle, die in den Levels versteckt sind, suchen und nach Bestzeiten jagen. Doch gerade beim Vorgänger kam irgendwann der Punkt, an dem man einfach alles gesehen hat, und die Motivation war komplett erschöpft.
Doch auch hier wurde sinnvoll verbessert und so dürfen sich die Spieler nun über einen Leveleditor freuen. Mit den bereits angesprochenen grünen Kristallen und Bestzeiten lassen sich immer mehr neue Teile freischalten, die ihr in euren Kreationen verbauen könnt. Die Werke könnt ihr dann auch an eure Freunde verschicken, was sich im ersten Moment nach einem "
»Little Big Planet" für Wii anhört. Leider gibt es, wie so oft im Online-Bereich von Nintendo, total unnachvollziehbare Einschränkungen. So dürfen nur vier Freunde eure Levels herunterladen.
Ansonsten gibt es online noch Ranglisten für eure Rekordzeiten. Die Möglichkeit gegen Gegner aus der ganzen Welt anzutreten, bleibt euch allerdings verwehrt. Ihr könnt lediglich mit bis zu drei Freunden an einer Konsole um die Wette kullern. So genial und spaßig das Gameplay auch sein mag, noch besser wäre es gewesen, zumindest im Mehrspielermodus leichte Variationen anzubieten.
Challenge
Einsteiger werden auf dem niedrigen Schwierigkeitsgrad gut ins Spielprinzip eingeführt, wer bereits Erfahrungen gesammelt hat, darf sich gleich an den mittleren heranwagen. Hier werden die Levels schon früher so knifflig, dass auch Spielern des Vorgängers schwer fällt, sie auf Anhieb fehlerfrei zu meistern. Da freut man sich über den unbegrenzten Lebensvorrat und die wirklich fairen Checkpoints. Außerdem lässt sich noch der schwere Modus freischalten, der schon von Anfang an einige Herausforderungen parat hält.
Im Vergleich zu "Kororinpa" wurden die Levels um einige Elemente erweitert, so gibt es nun Beschleunigungstunnel, Elemente, die den gesamten Kurs umdrehen sowie Schrumpf- und Vergrößerungstunnel. Die Kanonen lassen sich dank einer Kurve, die die zu erwartende Flugrichtung anzeigt, außerdem leichter verwenden.
Vernachlässigtes Drumherum
Im Gegensatz zu "Kororinpa" bietet "Marbles! Balance Challenge" sogar eine Stroy. Die Geschichte um die Ameise Anthony ist dabei allerdings erwartungsgemäß belanglos und kann getrost übersprungen werden.
Ebenfalls zweitrangig ist bei diesem Spiel die Technik. Die verschiedenen Welten (zum Beispiel Stadt, Meer und Weltraum) sind zwar recht abwechslungsreich, aber doch wirklich keine grafischen Augenweiden, gerade die detailarmen Hintergründe zeigen, dass der Fokus bei der Entwicklung ganz klar auf anderen Aspekten lag. Die Lieder dudeln während des Spiels vor sich hin, keine Ohrwürmer, aber auch keine Nullnummern.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
