Ihr mögt Spiele wie "»Pikmin", "Harvest Moon", "Dragon Quest", "Final Fantasy" und "Kingdon Hearts"? Ihr habt keinen Bock mehr auf die Casual-Welle auf Nintendos Wii? Ihr seid bereit eine kindliche Optik für ein gelungenes Spielerlebnis in Kauf zu nehmen? Dann könnte "Little King's Story" genau das Richtige für euch sein. Entwickelt von eben jenen großen Köpfen die bei den oben genannten Spielen schon ihre Finger im Spiel hatten, ist "Little King's Story" kein Titel mit bahnbrechenden Innovationen, aber ein Spiel, das es verdammt gut versteht, die Stärken der Vorlagen unter einen Hut zu bringen.
Einfach märchenhaft
Die Geschichte beginnt mit einem kleinen Jungen, der einsam in seinem Zimmer sitzt und mit Figuren spielt. Die Situation ändert sich jedoch schlagartig als ein paar Mäuse in seiner Bude herumwuseln, woraufhin er versucht, die Nager zu jagen. Sie führen ihn bis in die Tiefen des Waldes hinein, wo er auf eine magische Krone stößt. Im Besitz dieser Krone wird er zum König des Reiches Alpoko und die Geschichte wird mit den Worten eingeleitet: „Von da an war der kleine Junge nie wieder allein“. Hach wie schön... Viele von euch werden jetzt mit einer schmalzigen, klischeehaften Kindergeschichte rechnen. Damit liegt ihr aber zumindest teilweise falsch!
So verlangt die erste Mission noch, dass ihr 100.000 Bol (die Währung des Reiches Alpoko) zusammensammelt, um neue Gebäude für die Stadt zu finanzieren. Danach beginnt das Spiel jedoch seinen irrwitzigen Humor zu offenbaren. Denn im nächsten Schritt sollt ihr schon mal eben die Weltherrschaft an euch reißen und alle Undinger aus dem Königreich vertreiben.
Ein bisschen größenwahnsinnig
Ab jetzt beginnt das Spiel richtig in Fahrt zu kommen, euer Berater Hauser versorgt euch mit neuen Aufträgen und ist für den Ausbau des Königreichs zuständig. Verde, die Speicherministerin, versorgt euch mit Informationen über den Stand eures Königreiches und speichert, wie ihr Titel schon vermuten lässt, das Spiel auf Wunsch ab. Dann gibt es noch Liam, den Allesminister. Dieser erklärt zum einen in einer Art Tutorial offene Fragen zum Spiel, verwaltet aber auch die Schatzkammer, in welcher sich mit der Zeit Waffen und Gegenstände ansammeln, mit denen ihr eure Untertanen versorgen könnt.
Hier sind wir auch schon beim wichtigsten Punkt: den Untertanen. Egal, ob ihr in Hauptmissionen die Geschichte weiter voran treibt, oder in Nebenmissionen loszieht, um ein paar Bol zu sammeln - nichts geht ohne die kleinen Gehilfen, die in eurem Königreich umherziehen. Verlasst ihr eure Burg, beginnt ihr erst einmal damit, in bester "Pikmin"-Manier Bürger um euch zu versammeln und diesen Aufgaben zuzuteilen. Am Anfang stehen euch dabei Knappen (Nahkämpfer) und Bauern (dieser kann Löcher graben und Schätze bergen) zur Verfügung, mit der Zeit kommen jedoch immer mehr Berufe dazu. Auch die Anzahl der Begleiter erhöht sich, so könnt ihr zu Beginn maximal fünf mit euch führen, am Ende sind es bis zu 30.
Habt ihr dann ein Team zusammengestellt, könnt ihr das Königreich verlassen und euch den zahlreichen Quests widmen. Hier zeigt das Spiel seine erste Schwäche, alle Missionen wiederholen sich immer und immer wieder. Durch den Drang, sein Königreich auszubauen, den ansteigenden Schwierigkeitsgrad und die abwechslungsreichen, witzig gestalteten Gegner kommt jedoch auch nach dem zwanzigsten „Zieh mal eben ins Finstertal und töte eine untote Kuh“ keine Langeweile auf.
Dafür versteht es "Little King's Story" sehr gut, Frustration aufkommen zu lassen. Denn das Speichersystem ist von vorgestern. Wer nicht regelmäßig abspeichert, wird sich beim ein oder anderen Boss tierisch in den Arsch beißen, denn ist euer König erstmal tot (und er hat nur lächerliche drei Leben), so heißt es, vom letzten Speicherpunkt erneut zu beginnen. Ja ich weiß, dass viele Spiele heutzutage immernoch auf ein solches Speichersystem schwören. Bei "Little King's Story" liegt das Problem aber in den meistens extrem langen Laufwegen zur nächsten Mission, die zudem noch mit Zwischengegnern gespickt sind. Speichern könnt ihr außerdem nur in eurem Schloß, also muss der Weg so oder so erneut bzw. mehrmals abgelaufen werden. Immerhin müsst ihr nach getaner Arbeit nicht den Rückweg absolvieren, denn mit der Minustaste gelangt ihr ins Menü und wer dann noch auf "2" drückt, befindet sich sofort im Schloß. Trotzdem, gerade wenn das Spielgeschehen richtig fesselt, vergisst man mal schnell, nach Verde zu rufen und zu speichern. Dann kann es passieren, dass sich drei Stunden Spielzeit in Rauch auflösen.
Dafür bietet das Spiel unglaublich viel Umfang. So offenbart sich, nachdem der teuflische König fürs erste verjagt ist (was schon den Umfang eines normalen Spieles übertrifft), dass noch sieben andere Könige in eurem Reich leben und der Umfang der Karte damit glatt verzehnfacht wird.
Auch die Steuerung weiß zu gefallen, so wurden sämtliche Aktionen auf die Buttons von Wiimote und Nunchuk gelegt, ausnahmsweise muss mal nicht bis zum Umfallen geschüttelt werden. Das einzige, was hier gelegentlich wirklich ärgert, ist die Bewegung eurer Einheiten. Diese bleiben gerne mal an einem Vorsprung oder einer Treppe hängen. Nach einer Weile sind sie zwar automatisch wieder bei euch, wenn aber auf dem gleichen Bildschirmabschnitt ein Gegner wartet, stehen euch die Einheiten nicht zur Verfügung. Hier bedarf es dann viel Geduld, euch richtig mit euren Einheiten die Treppe hoch zu wuseln, damit sie auch alle noch bei euch sind, wenn es zum Kampf kommt. Auch kann es passieren, dass Einheiten beim Wechseln der Richtung von einem Vorsprung herunterfallen und dann Lebensenergie verlieren.
Taktik ist alles was zählt
Hinter "Little King's Story" steckt eine Menge Taktik: Jeder Zwischen-und Endgegner wartet mit speziellen Angriffsmanövern auf und der Sieg hängt meistens davon ab, zu welchen Berufen ihr eure Untertanen ausgebildet und wieviel ihr von jeder Sorte dabei habt. So können Jäger z.B. Schaden aus der Distanz anrichten, irgendwann gehen ihnen jedoch die Pfeile aus. Jede Einheit hat Stärken und Schwächen und es ist wichtig, auch nicht kämpfende Einheiten dabei zu haben, um Objekte, die den Weg versperren, beiseite zu räumen oder Schätze zu bergen. Wenn eine Einheit dann mal stirbt, braucht ihr jedoch nicht verzweifeln, da eure Bevölkerung am nächsten Tag wieder Zuwachs erhalten wird, indem Menschen an den Strand angespült werden und sich eurem Königreich anschliessen.
Einfach märchenhaft, die Zweite
Dass die Wii in Sachen Grafik nicht ganz so viel kann, wie Xbox 360 und PS3, ist kein Geheimnis. Umso mehr sollten sich Entwickler bemühen, das beste aus Nintendos Wunderkiste herauszuholen und einen Grafikstil zu präsentieren, der zwar nicht ultrarealistisch aussieht, aber die Stimmung des Spiels gekonnt unterstreicht. Dies ist bei "Little King's Story" definitiv der Fall. Das Spiel selbst sieht aus wie ein kunterbuntes Märchen, die Zwischensequenzen hingegen erinnern an Spiele wie "
»Okami" und sehen auf ihre Art wunderschön aus.
Wird das Intro des Titels noch vollkommen in gut verständlichem Englisch gesprochen, hört ihr im Spiel selbst nur eine "Sims"-ähnliche Gebrabbelsprache. So begrüßen euch Dorfbewohner gerne mal mit einem „Halali“ oder reden puren Unsinn miteinander. Da "Little King's Story" durch seinen riesigen Umfang und der niedlichen, humorvollen Geschichte schon genug begeistert, ist dies allerdings noch zu verschmerzen.
Letzten Endes sollte "Little King's Story" wirklich von jedem Wii-Besitzer zumindest einmal angespielt werden. Das Spiel verbindet Strategie, Aufbausimulation, Rollenspiel, Taktik und sogar Minispiele auf eine einzigartige Weise. Der Grafikstil und der Kern der Geschichte sind zwar kindlich gehalten, der Humor dürfte aber auch Erwachsene nicht selten zum Lachen bringen, so könnt ihr z.B. direkt zu Beginn des Spiels eine Kirche für eine Suppensekte bauen, die ihre Gebete standardmäßig mit „Raaaamen“ anstelle von „Amen“ beendet.
Auch die Langzeitmotivation, der stetig ansteigende Schwierigkeitsgrad und der Sammeltrieb sind Punkte, die selbst beinharte Shooterspieler an die Wii fesseln können.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

