Wirklich gute Ego-Shooter sind auf der Wii bisher leider eine Rarität. Bis auf das letzte "Call of Duty" konnte kein Titel, der in Deutschland auf den Markt kam, mehr als ein gutes Mittelmaß an Unterhaltung bieten. Lediglich das hierzulande unveröffentlichte "Medal of Honor: Heroes 2" konnte gute Testwertungen einheimsen. Und ein "Metroid Prime 3" ist nunmal auch kein reinrassiger Shooter, sondern eher ein Action-Adventure. Entwickler Hudson Soft nahm sich nun dem Genre der Ego-Ballereien an und veröffentlichte den Wii-Ware-Titel "Onslaught". Was das Spiel bei einem Preis von 1.000 Wii-Points, also rund 10 Euro, zu bieten hat, lest ihr in unserem Test.
Ballern, schießen, feuern!
Die Story von "Onslaught" ist so belanglos wie nur irgend möglich: Ihr seid Teil einer Spezialeinheit, die ausgesandt wird, um dem Grund für den plötzlichen Kontaktabbruch zu einer entlegenen Forschungskolonie zu untersuchen. Direkt zu Spielbeginn stellt sich heraus, dass wilde Cyborg-Insekten die Ursache dafür sind. Und von diesen gibt es eine ganze Menge zu vernichten. Das ist eure Hauptaufgabe im Spiel und im Grunde genommen auch eure einzige. Denn "Onslaught" greift spielerisch ganz auf das zurück, was "Serious Sam" schon fantastisch umgesetzt hat: Ballern bis der Arzt kommt, ohne dabei das Hirn in irgendeiner Form zu überfordern. Dazu stehen euch insgesamt vier verschiedene Schießprügel zur Verfügung, von denen ihr im Laufe der Kampagne noch effektivere Varianten freischaltet. Dazu kommen Granaten und eine Laser-Peitsche, die sich ebenfalls im Spielverlauf gegen bessere Versionen austauschen lassen.
Und so schießt ihr euch durch strikt lineare Levels, in denen euch teilweise richtige Gegner-Massen an die Gurgel wollen. Diese reichen von kleinen, auf dem Boden krabbelnden Viechern bis hin zu großen schweren Monströsitäten. Alle Gegnerarten haben jedoch eines gemeinsam: Wenn sie euch angreifen oder direkt vor euren Füßen zerschossen werden, hinterlassen sie eine grüne Flüssigkeit, die an euch kleben bleibt und euch dauerhaft Schaden zufügt. Durch Schwingen des Nunchuks könnt ihr diese jedoch wegwischen.
Geht gut von der Hand
Die Steuerung des Spiels ist sehr ordentlich gelungen. Mit der Wii-Remote bewegt ihr das Fadenkreuz über den Bildschirm, mit dem B-Knopf wird geschossen. Durch die Areale bewegt ihr euch mit dem Analog-Stick, während ihr durch Drücken des Z-Knopfes und gleichzeitigem Schwingen des Nunchuks Granaten werft. Bei Druck auf den C-Knopf holt ihr eure Laser-Peitsche hervor, um euch auch im Nahkampf gegen die zahlreichen Feinde zur Wehr setzen zu können. Insgesamt funktioniert die Bedienung tadellos und unkompliziert, so dass auch Shooter-Neulinge sich schnell in das Spiel einfinden können. Einem "Metroid Prime 3" steht "Onslaught" in diesem Punkt also in Nichts nach.
Spiel ich hier ein Virtual-Console-Spiel?
Ganz anders sieht es in Puncto Grafik aus. Denn das, was ihr zu sehen bekommt, bewegt sich gerade einmal auf hohem Nintendo-64-Niveau. Unscharfe Texturen und extrem kantige Charakter-Modelle geben einem das Gefühl, eine Zeitreise in die Neunziger gemacht zu haben, bzw. einen Virtual-Console-Titel zu zocken und kein Wii-Ware-Spiel. Zudem sind die Umgebungen alles andere als farbenprächtig. Hier wird viel Gebrauch von Brauntönen gemacht. Schön ist was anderes! Jedoch solltet ihr bedenken, dass es sich auch nur um einen Shooter für 10 Euro handelt. Daran solltet ihr auch denken, wenn ihr euch über die fehlende Sprachausgabe und die billig klingende Musik beschwert. Somit gehört "Onslaught" sowohl optisch, als auch akustisch zu den schwächeren Wii-Ware-Titeln. Denn das es besser geht, hat uns schon "Lost Winds" gezeigt.
Zusammen gegeneinander spielen
Doch genug der Kritik! Denn "Onslaught" ist in keinem Fall ein schlechtes Spiel, für Wii-Ware-Verhältnisse wohlgemerkt. Denn neben dem netten, kurzweiligen, letztendlich aber unspektakulären Singleplayer-Modus, bietet das Spiel auch noch einen Online-Multiplayer-Part. Hier erwarten euch jedoch keine Deathmatches oder Capture the Flags gegen menschliche Spieler. So seid ihr stets in einem Team unterwegs und bekämpft gemeinsam die gegnerischen Cyborg-Insekten-Horden. Sämtliche Missionen der Story-Kampagne können nämlich im Mehrspieler-Modus bestritten werden. Jedoch herrscht stets Konkurrenzkampf, denn im Grunde gilt es einfach nur, mehr Gegner als der menschliche "Kollege" zu erledigen und somit mehr Punkte zu erhalten. Die Matches können dabei auf zwei unterschiedliche Weisen ausgetragen werden. Entweder als reine Fun-Spiele, oder als "ernsthafte" Ranglistenkämpfe. Die in letzteren erreichten Siege kommen eurem Platz in der weltweiten Tabelle zu Gute. So bleibt die Motivatiion stets erhalten, so dass man sich gerne immer mal wieder eine halbe bis ganze Stunde vor den Fernseher setzt und sich ein wenig durchballert, um den eigenen Ranglistenplatz zu verbessern.