Mit "Deadly Creatures" hat THQ Mut zur Neuerung bewiesen und statt eines alten, bewährten Szenarios ein frisches und unverbrauchtes gewählt. Die Wüste aus der Sicht einer Tarantel oder eines Skorpions erlebt man nicht in jedem Spiel. Doch das allein ist noch kein Grund für Freudensprünge, denn neben Ideen für das Setting sind natürlich auch ein paar Kniffe im Gameplay nötig, um zu überzeugen. Ob "Deadly Creatures" diese bieten kann, lest ihr im Test.
Zwei Spinnentiere gegen Grabraub
Die Story handelt von zwei Räubern, denen ihr während eurer Streifzüge durch die Wüste mehrmals begegnet. Aus ihren Gesprächen erfahrt ihr, dass sie einen Schatz suchen und dafür auch gerne über Leichen gehen. Zusätzlich wird eine Schlange im Verlauf des Spiels immer mehr zum Erzfeind der Spinne. Diese Konstellation jedoch als Geschichte zu bezeichnen, ist schon fast Euphemismus. Ein Plot oder ein roter Faden ist nicht vorhanden, ihr krabbelt einfach nur umher, um das Levelende zu erreichen.
Die zehn Levels sind strikt linear und laufen meistens nach dem selben Prinzip ab. Ihr geht den nicht übersehbaren Weg entlang, trefft auf Feinde, verdrescht diese und geht dann eurer Wege. Rätsel sind im Spiel nicht vorhanden. Im Grunde genommen ist "Deadly Creatures" also ein stinknormales Hack'n'Slay. Das Kampfsystem erweist sich auch nicht gerade als große Stärke des Titels. Standardangriffe führt ihr mit dem "A"-Knopf aus, Kombos werden durch Schütteln der Wiimote aktiviert, was einer Buttonsteuerung im Punkt Präzision natürlich hinterherhinkt.
Schütteln ist besonders beim Skorpion ein gutes Stichwort, denn bei ihm ist dieses mehrfach belegt: Ihr wollt graben? Schütteln! Ihr wollt euch durch das Gras schneiden? Schütteln! Ihr wollt sprinten? Schütteln! Diese Mehrfachbelegung führt leider zu einigen Problemen, so kann es passieren, dass ihr, nachdem das Gras entfernt worden ist, direkt dem Gegner vor die Füße lauft. Noch schlimmer ist, dass ihr nach dem Sprint kurz bewegungslos verharrt und somit schnell einen Treffer kassiert. Ansonsten ist der Skorpion abgesehen von seiner geringen Geschwindigkeit ein sehr guter Kämpfer. Selbst Finishing Moves, die sogar recht ansehnlich sind und auch etwas Blut spritzen lassen, sind möglich. Hierbei kommt es - wie auch an einigen anderen Stellen des Spiels - zu Quicktime-Events, in denen wieder geschüttelt werden darf. In diesem Fall ist die Erkennung allerdings in Ordnung.
Mach die weg!
Die Tarantel ist hingegen der agilere Charakter. Neben höherer Bewegungsgeschindigkeit zeichnet sie die Fähigkeit aus, sich aus großer Entfernung auf die Feinde zu stürzen oder sie mit einem Netz kurz bewegungsunfähig zu machen. Im Vergleich zu den Skorpionlevels liegt der Fokus eher auf den Krabbelpassagen. Ihr schleicht von Wand zu Wand, kraxelt kopfüber an der Decke oder zieht euch mit einem Faden zu einem Netz in der Nähe.
Vor allem auf der Suche nach einem Netz würdet ihr euch jedoch eine frei schwenkbare Kamera wünschen. Diese könnt ihr nämlich lediglich hinter euch setzen. Wer sich umschauen will, muss dafür stehen bleiben, was euch natürlich zur leichten Beute für eure Feinde macht. Auch im Kampf ist die Kamera ein zusätzlicher Gegner: Hier lässt sie sich gar nichts mehr von euch sagen. Auf ein Lock-On-System haben die Entwickler auch verzichtet, so dass es manchmal dazu kommt, dass ihr die falschen Gegner angreift.
Ein weitere Faktor, der die Kämpfe erschwert, ist die KI. Die schwankt unvorhersehbar zwischen feuchtem Keks und Selbstschussanlage. Während die Gegner euch manchmal noch ignorieren, wenn ihr ihnen vor der Nase herumtanzt, nehmen sie euch an anderer Stelle so in die Mangel, dass ihr die Hälfte eurer Lebensenergie verloren habt, bevor ihr zurückschlagen könnt. So kommt es immer wieder zu unvorhersehbaren Game-Over-Bildschirmen. Ihr werdet dann zum letzten Checkpoint, von denen es eindeutig zu wenig gibt, zurückgesetzt. Dort müsst ihr euch dann wieder den Ladebildschirm anschauen und gerade in dem Punkt waren die Entwickler geradezu dreist: Manchmal startet ein Ladevorgang, der das Bild für ein paar Sekunden einfriert, mitten im Kampf.
In einigen Levels müsst ihr euch einem Endgegner stellen, jedoch sind die richtigen Strategien relativ schnell erkannt und umgesetzt, so dass manche Standardgegner - wie Ratten - eine genau so große Herausforderung darstellen. Sehr schade ist auch, dass ihr die zehn Levels des Spiels bereits nach weniger als fünf Stunden hinter euch habt, was besonders bei einem Spiel gravierend ist, das neben dem Einzelspielermodus außer freischaltbaren Konzeptgalerien nichts zu bieten hat.
Wie eklig!
Technisch ist "Deadly Creautures" für ein Wiispiel durchaus gelungen. Zwar dürfte es hier und da etwas detaillierter sein, doch der Titel schafft es, eine recht schöne Wüste auf den Bildschirm zu bringen. Die Ruckler, die relativ oft auftreten, sind dadurch jedoch nicht zu entschuldigen. Auch hätte man sich bei den Animationen der Feinde etwas mehr Mühe geben können, denn diese bewegen sich manchmal wie auf Eis. Zu loben ist die akustische Seite des Spiels: Der Soundtrack schafft es durch eher verhaltene Töne eine beengte Atmosphäre aufzubauen. Während der Kämpfe wird es natürlich etwas lauter, auch hier kann die nötige Spannung erzeugt werden. Die deutsche Synchronisation ist ebenfalls sehr gelungen und kann durchaus mit dem englischen Original mithalten.