Das ein erfolgreiches Franchise gemeinhin „Junge“ bekommt, ist klar. Doch kein anderer Publisher beherrscht neben Capcom diese Disziplin so meisterlich wie Electronic Arts es tut. Denn dort weiß man, dass die Käuferschicht mittels schnell nachgeschobener Mission Packs und zahlreichen Gold-Erweiterungen bei Laune gehalten werden will. So ist es wenig verwunderlich, dass für Nintendos Familienkonsole Wii nun ein weiterer Ableger der erfolgreichen "Sims"-Reihe ins Haus steht. Unerwartet hingegen ist da eher das Setting. So verschlägt es uns diesmal in einen Wald voller Tiere, in dem wir in bester „Populous“- und „Viva Pinata“-Manier ins natürliche Ökosystem eingreifen.
Einfach wegsehen
In der heutigen Welt ist man medial Einiges gewöhnt. Während in Gaza die Bomben niedergehen, zappen wir einfach weiter zum Teleshopping-Kanal, um uns über die Vorteile des neuen Wischmops unterrichten zu lassen. Und während ausländische Fernsehsender sich stündlich mit neuen Fernsehsendungen zu dem Thema überbieten, bringt die Tagesschau kurz vor dem abendfüllenden Spielfilm eine kurze Meldung zur dortigen Lage. Doch obwohl man einiges gewöhnt ist, gibt es Nachrichtenmeldungen, die einem Unbehagen in seiner wohlbehüteten Alltagswelt bescheren. So die Meldung des 7-jährigen Jungen, der in einen australischen Zoo einbrach, um dort das Krokodil mit anderen Atrraktionen des Tierparks zu füttern. So, genug der Gessellschaftskritik, denn "SimAnimals" ist weit entfernt von den sogenannten „Killerspielen“ und wurde daher auch mit Siegel „ohne Altersbeschränkung“ geadelt.
Sims goes Tierpflege-Simulation
Auch diesmal dient die Wii-Fernbedienung als Mausersatz und so nutzt ihr den Cursor fortan mit den bekannten Interaktionsmöglichkeiten der Serie, nur dass ihr diesmal im wahrsten Sinne des Wortes Bäume versetzt und euch mit euren animalischen Mitbewohnern per Streichelanlage gut stellt. Was will ja auch ein Tier mit einer Gelddruckmaschine oder einem Bücherregal? Eben. Nach und nach bekommt man allerdings den Eindruck, dass die munteren Tierchen ohne mich gar nicht mehr lebensfähig wären. So muss ich die Nahrungsaufnahme derart unterstützen, dass ich Früchte und Blüten auf den Boden herabprasseln lasse und anschließend den kahlen Baum für den Dammbau des Bibers umarbeite. Der Biologe in mir fragt sich da glatt, wie das Eichhörnchen vorher an die begehrten Nüsse herangekommen ist.
„Hol Stöckcken“ „Ja, ein braver Bär bist du“
Das Spielprinzip wiederholt sich auch bei den verschiedenen Waldgebieten schnell. Zumal auch zwischen dem Wiesen- und Wald-Setting soviel Unterschiede nicht vorhanden sind. Aber das wird der jüngeren und damit meistens auch anspruchloseren Kundschaft nicht weiter negativ auffallen. Denn die Animationen der Tiere sind ausgezeichnet gelungen, dagegen aber wurde die restliche Grafik sträflich vernachlässigt. Obwohl die Wii im Vergleich zu PS3 und Xbox 360 nicht auf grafische Wunderwerke setzt, hat man in "SimAnimals" durchgehend das Gefühl, versehentlich ein Virtual Console-Spiel gestartet zu haben. Doch für Kinder ist die grobpixelige und verwaschene Grafik sowieso nur Mittel zum Zweck, um mit Meister Petz ungefährlich auf Tuchfühlung gehen zu können. Für alle Kleinen, die in der Stadt aufwachsen: Das ist ein großes braunes Tier, auch Bär genannt, das in der Realität eher in Ruhe gelassen werden sollte. Doch hier im Wald holt Petz auf Wunsch sogar Stöckchen.
Sim Animals, eine Tierart von Viva Pinata Kopierikus
Langzeitmotivation soll dadurch aufkommen, dass man dauerhaft in einer Art von Endlosspiel seinen Waldabschnitt immer weiter im perfektionistischen Eifer zivilisiert, um dann den nächsten freigeschalteten Abschnitt in Angriff zu nehmen. Nach und nach ergeben sich so neue Interaktionsmöglichkeiten, in dem man seine tierischen Mitbewohner einfach untereinander austauscht, damit z.B. Nachwuchs zu stande kommt. Ganz und gar also wie bei „
»Viva Pinata“, nur dass man hier nur echte Waldtiere nachprogrammiert hat. Zumidenst stellt sich ein Lerneffekt über Flora und Fauna dank der interessanten Infotexte über die verschiedenen Tiere und Bäume ein, so dass man beim nächsten Waldspaziergang mit seinem erspieltem Wissen protzen kann.