So eine Erbschaftsauseinandersetzung ist immer besonders anstrengend. Selbst wenn alle Erben an einem Strang ziehen, kommt auf den Testamentsvollstrecker eine Menge Arbeit zu. Hier kommen wir ins Spiel, denn wo es nichts mehr zu verteilen gibt, fällt auch keine mühselige Verwaltungsarbeit an. Eilig lassen wir uns also für einen guten Zweck per „Safecracker“ zum Profieinbrecher ausbilden, indem wir das milliardenschwere Erbe unkompliziert und gerecht verteilen – nämlich vorranging an uns. Ob wir das ganze Geld anschließend gemäß Robin Hood an die Armen verteilt haben oder nicht, verraten wir in unserem Testbericht zu „Safecracker“ für die Wii.
Leathermantool Wiimote
Mit Nintendos neuer Spielekonsole lässt sich auch jedes erdenkliche Gameplay-Konzept wieder aus der Mottenkiste holen. Schließlich ermöglicht der neue Controller ein völlig neues Spielerlebnis. So wird auch das virtuelle Pfannkuchenwenden zum Großereignis für den geneigten Casual Gamer. Unzählige Low Budget-Titel beweisen, dass zahlreiche Publisher den Hunger gerne stopfen wollen. Hardcore-Zocker hingegen laufen bei der Software-Schwemme schreiend davon, zumal die Spiele eine schlechtere Spielbarkeit aufweisen als Nintendos „Wii Play“. Außerdem macht die Adaption von Sportarten wie Billard einfach keinen Sinn, da das Gefühl mit einem Queue umzugehen einfach nicht richtig umgesetzt werden kann. Da schafft auch der Plastik-Spielstab, in den ich meine Wii-Mote einsetzen kann, keine Abhilfe. Zugegeben, auch mein Billard-Tisch im Keller verweist, da für eine gute Partie die nötige Stimmung nur in einer professionellen Billard-Location aufkommt. Wohnzimmer und Keller kommen da einfach nicht ran. Wer weiß, vielleicht bringen ja findige Hardware-Hersteller bald einen Aufsatz heraus, mit dem man seinen Wii-Controller wie beim Dart gegen den Plasma oder LCD schleudern kann. Zumindest das passende Dart-Game gibt es ja schon.
Myst für Ölscheichs
Mit diesem flauen Gefühl wagen wir uns also an „Safecracker“ heran. Unschlüssig, ob wir es in die Kategorie „Wii-Spiele, die die Welt nicht braucht“ einordnen sollen oder nicht. Jedenfalls das Setting klingt unverbraucht und die Packungsrückseite erinnert an seelige Myst-Standbild-Zeiten. Nichtsdestotrotz kommen wir der Bitte der Erbengemeinschaft rund um den exzentrischen Milliardär Duncan W. Adams gerne nach, indem wir auf der Suche nach dem Testament seine über 30 Tresore auf seiner Villa knacken sollen. Wäre ja gelacht, wenn da nicht der eine oder andere Cent für uns selbst herausspringen würde. Naja, die Story klingt sehr konstruiert. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass man mit Geld im Überfluss statt Sportwagen lieber Tresore sammeln will. Zumindest den Eindruck muss ich nach zahlreichen Dokumentationen über die reichen Öl-Scheichs auf N24 gewinnen. Naja, aber ich bin auch kein Milliardär. Daher kommt mir auch die Frage, was so ein Safe-Sammler mit einem besonders wertvollen Stück machen will? Den alten und daher wertvollen Tresor einfach in einen noch älteren Tresor stecken und den Schlüssel abbrechen? Naja, mal schauen, ob uns im Spielverlauf die eine oder andere Kuriosität über den Weg läuft.
Kopfschmerzen per Logikrätsel
Naja, was das Spiel einem dann schließlich auf den Bildschrim zaubert, ist Standard-Kost. Während wir mit dem Nunchuck planlos durch die hübsche, aber sterile Villa stolpern, setzen wir unser Feingefühl per Wii-Mote an den Safes um. Dabei hat mir bereits das Schlösserknacken bei „Splinter Cell: Double Agent“ eine Menge Freude bereitet. Darum aber ein ganzes Spiel zu stricken, klingt etwas ausgedehnt. Gut, wir dürfen uns zwecks Abwechslung auch mal an Verschiebe-Puzzlen und anderen Logikrätseln üben. Schließlich hätte aber das Ganze ebenso „35 Kopfnüsse“ heißen können oder wenn es für den DS herausgekommen wäre auch mal „Dr. Kawashimas 35 Kopfnüsse“.
Von guten Designansätzen und exzentrischen Sammlern
Dafür aber gleich 40 Euro zu berappen, muss jeder für sich ausmachen. Schließlich kann man sich die Rätsel auch als Flash-Game im Internet ergoogeln, wenn diese dann auch nicht so kunstvoll gestaltet ausfallen, oder auf die rund ein Viertel teure PC-Adaption des Spiels zurückgreifen. Denn einen so großen Mehrwert hat die Steuerung mit der Wii gar nicht. Manchmal ist es fast schon komfortabler, die Maus am PC durch die Gegend zu schieben, als mit ausgestrecktem Arm auf den Fernseher zu zeigen und die Schalter umzulegen.
Es muss den Designern positiv angerechnet werden, dass sie versucht haben, etwas Atmosphäre in das Bildschirmtreiben zu bringen. Allerdings ist die Geschichte einfach gestrickt, die Villa wirkt steril und soviel Leben kommt dank mancher Standbilder gar nicht auf. Zumal ihr euch nie mit dem Charakter identifiziert, sondern immer von einem zum nächsten Rätsel stapft. Wer Rätseleinlagen bei Adventures fast schon mehr liebt als das eigentliche Hauptprogramm, wird hier seine helle Freude haben. Auch wenn ihr zu viel Geld habt, könnt ihr euch auf ein paar Stunden nette Unterhaltung für eure 40 Euro gefasst machen. Wer weiß, vielleicht gibt es auf der Welt auch einen exzentrischen Milliardär, der „Safecracker“-Exemplare hortet. Den Publisher würde es jedenfalls nicht stören.