Anfang Mai bekamen wir von Sony einen ersten, drei Level umfassenden, Einblick in die große Shooter-Hoffnung für PlayStation Vita: Resistance: Burning Skies. Der Ableger der PlayStation-3-Serie hatte dabei bereits einen sehr guten Eindruck hinterlassen (»Vorschau lesen), nun tritt die finale Version zum Härtetest an. Endlich die volle Kampagne und den Multiplayer. Und beides kann überzeugen. Wären da nur nicht die Bugs.
Feuer löschen im großen Stil
Im Kriegsfall muss jeder zur Waffe greifen, um sich und seine Liebsten zu schützen. Da macht auch das Amerika im Jahre 1951 keinen Unterschied. Die Chimera haben zu diesem Zeitpunkt bereits Europa komplett übernommen und machen sich nun auf, auch auf der anderen Seite des Atlantik zu wüten. Dort wiegten die Politiker die Bevölkerung lange Zeit in der trügerischen Sicherheit, dass es zu diesem Fall niemals kommen würde. Falsch gedacht! Als die Invasion losbricht, sind die Menschen kaum darauf vorbereitet und stellen fast ein schutzloses Ziel für die Bestien dar. In dem ganzen Trubel geht Feuerwehrmann Tom Riley in New York seinem Job nach und löscht Feuer um Feuer - angesichts der ständigen Chimera-Angriffe fast schon eine Lebensaufgabe. Der aktuelle Einsatz führt den Familienvater in ein Kraftwerk, an dem sich sein ganzes Schicksal verändert und er tiefer in den Konflikt mit den Chimera gezogen wird, als ihm lieb sein kann.
So führt der Weg unseren unfreiwilligen Helden vom Kraftwerk aus durch die zerstörten Straßen der Stadt, die Docks, Ellis Island und durch diverse Militärkomplexe. Sogar einem Chimera-Tower stattet der Feuerwehrmann einen Besuch ab. Für Kulissen-Abwechslung ist also gesorgt.
Spielerisch unterscheidet sich der Handheld-Ableger nicht von den Konsolen-Spielen der Serie. Auch
Resistance: Burning Skies ist ein reinrassiger Egoshooter. Anders als der PSP-Ableger
»Resistance: Retribution profitiert der Vita-Sprössling allerdings von der Dualstick-Steuerung - mit einem zweiten Analogstick zur Steuerung der Sicht spielt sich das Geschehen schon gleich um einiges flüssiger. Was dem Handheld allerdings fehlt gegenüber den stationären Konsolen sind die Schultertasten L2 und R2 sowie die Möglichkeit, die Analogsticks reinzudrücken (auch bekannt als L3 und R3). Das kompensieren die Entwickler, indem sie sich des vorderen Touchscreens bedienen. So liegen die Granaten etwa rechts an der Seite als Icon bereit und werden per Fingergeste geworfen. Das erfordert allerdings ein wenig Umgreifen mit einer Hand und lässt sich daher nur mit einiger Übung auch in hitzigeren Situationen einsetzen. Das gilt auch für die immer präsente Zweitwaffe, der Feuerwehr-Axt. Diese wird mit einer Berührung des jeweiligen Symbols ausgelöst - was in schnellen Nahkämpfen nicht immer einfach zu handhaben ist.
Mit Waffen Großes schaffen
Kein Shooter ohne Waffen, und
Burning Skies stattet euch mit allerlei Werkzeugen der Vernichtung aus. Vielfalt wird groß geschrieben: Zunächst erhaltet ihr das
Bullseye, das klassische Chimera-Sturmgewehr. Das Gegenstück der Menschen, den
Karabiner, erhaltet ihr natürlich auch. Auch ein Schrotgewehr gibt es, namentlich das
Mule. Scharfschützen greifen auf das
SixEye-Gewehr zurück. Und wer es gerne größer mag, greift auf einen Raketenwerfer (
Sw.A.R.M.) zurück oder den
Destroyer, eine Minigun. Insgesamt acht Schießprügel, die allesamt auch noch mit einem sekundären Feuermodus aufwarten. Dieser lässt sich allerdings nicht per Tastendruck, sondern nur per Touchscreen-Geste aktivieren. So zieht ihr beim
Bohrer, der im normalen Feuermodus durch Wände schießen kann, eine Art Schutzschild auf. Dazu müsst ihr zwei Finger in die Mitte des Bildschirms legen und zu den Seiten hin das Schild aufziehen. Das
Mule bestückt ihr per Geste mit einem Explosivpfeil. Durch Berührung markiert ihr beim Bullseye Gegner, um fortan jede Kugel automatisch dieses Ziel anfliegen zu sehen (
Fifth Element lässt grüßen!) oder ihr lasst mit der gleichen Geste beim
Jäger-Gewehr eine Drohne zwischen eure Feinde schweben. Diese richtet ordentlich Schaden an und kann sogar noch ein wenig gesteuert werden. Praktisch und cool sind diese Zweitfeuer-Modi allesamt, der Einsatz per Touchscreen ist jedoch hakelig und wirkt dadurch aufgesetzt. Anders war es aber wohl alles auch nicht wirklich zu lösen - wo sonst hätten all diese Features abgelegt werden sollen? Insofern muss man der Fairness halber sagen: Die Entwickler haben ihr Möglichstes versucht, einen gewissen Spielfluss aufrecht zu erhalten.
Auch das Aufleveln der Waffen wird in Shootern immer beliebter - in
Burning Skies erledigt ihr dies durch
Graytech. Diese spezielle Technik erlaubt es euch, bis zu zwei besondere Fähigkeiten auf eine Waffe zu packen - etwa größere Magazine, mehr Durchschlagskraft oder schnelleres Nachladen. Um diese Möglichkeiten freizuschalten, müsst ihr jedoch erstmal besondere Graytech-"Würfel" finden, die überall in den Leveln versteckt sind. Pro Würfel könnt ihr eine Fähigkeit dauerhaft erwerben. Da ihr nur zwei Fähigkeiten gleichzeitig aktivieren könnt, bleiben die weiteren währenddessen inaktiv. Ihr könnt aber jederzeit eine andere Kombination an Graytech-Features ausrüsten, wenn es die Situation verlangt. Das System funktioniert tadellos und schnell ertappt ihr euch dabei, wie ihr mit den einzelnen Kombinationen herumexperimentiert.
...und zwei sind ein Team
Wenn ihr die etwa sechsstündige Kampagne hinter euch gebracht habt, wartet noch ein spannender Multiplayer-Modus auf euch. Der war anfangs noch gewaltig verbuggt (siehe späteren Abschnitt), kann mittlerweile aber durchaus überzeugen. Das Spielgeschehen ist identisch mit dem Spiel im Singleplayer, aber natürlich verfügt der Modus über einige der typischen MP-Shooter-Möglichkeiten. Hierzu zählen etwa eigene Klassen, zwischen denen ihr vor jedem Respawn wechseln dürft oder ein Rang-System, durch das ihr neue Waffen und Extras freischaltet. Die Modi-Wahl ist recht begrenzt und bietet vor allem eines:
Deathmatch, egal ob jeder gegen jeden oder im Team. Dabei kann auch zwischen zwei verschiedenen Lobbygrößen gewählt werden; Spieler mit schmalbandiger Verbindung dürften die kleineren Lobbies bevorzugen. Weswegen es allerdings ein Team-Deathmatch für maximal vier Spieler (also zwei pro Team) gibt, leuchtet kaum ein - die Möglichkeiten in dieser Konstellation sind doch arg limitiert. Dennoch: Das Matchmaking funktioniert mittlerweile tadellos und es sind auch eigentlich meistens genug Spieler online, um ein Match gestartet zu kriegen. Eine Abwechslung vom
Deathmatch-Einerlei ist der Modus
Überleben. Hier geht es Menschen gegen Bestien. Zunächst sind die Menschen den Bestien zahlenmäßig überlegen, aber jeder eliminierte Mensch wird selbst auch zur Bestie. So müssen die verbleibenden Menschen bis zum Ende eines Zeitlimits durchhalten, ansonsten gewinnt das Bestien-Team. Der Modus ist vorgesehen für sechs bis acht Spieler, allzu groß sind die Teams also auch hier nicht.
In technischer Hinsicht kommt
Burning Skies nicht ganz an die Qualitäten eines
»Uncharted: Golden Abyss heran, bietet jedoch schicke und vor allem stimmige Grafik. Dass da die ein oder andere Textur recht unscharf ist, kann man gerade angesichts der Spielgeschwindigkeit durchaus nachsehen. Auch klanglich operiert der
Resistance-Ableger auf hohem Qualitätsniveau. Zwar überzeugen die Waffen-Sounds nicht so recht, die musikalische Untermalung und die weitere Klangkulisse sorgen aber allemal für Atmosphäre. Wie schon in unserer Vorschau prophezeit ist die Spielzeit des Shooters mit gerademal sechs Stunden recht kurz ausgefallen, zumal die Level allesamt komplett gradlinig sind. Dennoch ist es eine passable Spielzeit, die ohne große Längen und ohne Strecken der Langeweile auskommt. Allerdings gibt es im Leveldesign einige Macken, wo die Entwickler wohl keine Lust hatten, eine echte Herausforderung einzubauen und stattdessen lieber auf das altbewährte Prinzip "Mehr Gegner bedeutet, länger an der Stelle zu knacken zu haben" gesetzt haben. So gebt ihr euch oftmals ellenlangen Deckungs-Gefechten hin oder kommt in einen Raum, wo euch plötzlich eine Herrschar an Gegner erwartet. Gerade gegen Ende kommt letzteres immer wieder mal gerne vor - und nervt selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad. Nerven tun auch die Ladezeiten zwischen den Leveln und die nicht abbrechbaren Cutscenes. Zum Glück sind die meisten Szenen nicht sonderlich lang und dank recht großzügig verteilter Checkpoints solltet ihr nicht allzu sehr aufgehalten werden.
Bugfrei ist was anderes
Ganz fehlerfrei kam
Resistance: Burning Skies leider nicht auf den Markt. Sehr kurz nach Release erschien der Patch auf Version 1.01, der unter anderem einen Fehler im Multiplayer behebt, durch den ein Beitritt in Räume komplett unmöglich war. Sony gibt an, dass dieser Fehler nur selten aufgetreten wäre - genaue Zahlen gibt es natürlich keine, unsere Version war allerdings ebenfalls betroffen. Doch auch nach dem Update sind die Probleme längst nicht aus der Welt geschafft: So landeten wir etwa in einer Lobby, die zu spielende Map war jedoch nicht auswählbar und statt im Multiplayer-Spiel wurden wir in unseren Kampagnen-Spielstand katapultiert, wo Riley nach dem Einleitungsintro des jeweiligen Levels nach oben blickend einfach wild um sich feuerte und das Spiel keine Eingaben mehr entgegen nahm. Doch selbst, wenn ein Spiel zustande kommt, ist das kein Garant für ein sauberes Match: Trotz bester Verbindung zum PlayStation Network und NAT-Typ 2 kriegten wir teilweise nichtmal mit, wie wir erledigt wurden - unser Charakter sank einfach sterbend zu Boden. Auch Freezes waren keine Seltenheit: Unsere Statistik war nach drei gespielten Matches noch immer leer; einmal crashte das Spiel nach dem Ende der Partie, die anderen beiden Male mittendrin. Man fragt sich, wo Sonys interne Qualitätssicherung war.
Mit zunehmender zeitlicher Entfernung zum Release sind die Ausfälle immer weniger geworden, mittlerweile hat Sony den Shooter soweit im Griff, das störungsfreier Spielgenuß auch in Online-Partien möglich ist.