GTA:Vice City war auf der Playstation 2 und später auch auf dem PC und der Xbox ein absoluter Hit. Nun kehrt Rockstar mit Vice City Stories nach Vice City zurück, diesmal auf der PSP. Also ist Vice City Stories eine reine Portierung der PS2-Vorlage? Nein: Die Geschichte spielt zwei Jahre vor den Ereignissen des großen Vorbildes und erzählt vom Werdegang eines gänzlich anderen Charakters. Ob Rockstar die Umsetzung gelungen ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Vom Soldaten zum Verbrecher
Victor 'Vic' Vance hat es im Vice City des Jahres 1984 nicht leicht. Er trägt alleine die finanzielle Verantwortung für seine schwierige Familie. Da ist seine drogensüchtige Mutter, sein an Asthma erkrankter Bruder Pete sowie sein Bruder Lance Vance, der auch schon in „GTA: Vice City“ auftauchte. Also braucht Vic Geld, viel Geld – doch als Corporal der US-Army ist das nicht gerade leicht. Er lässt sich auf einige zwielichtige Aufträge für seinen Vorgesetzten, Seargent Jerry Martinez, ein... und wird prompt mit Drogen und einer Prostituierten in der Kaserne erwischt und unehrenhaft aus der Army entlassen. Doch er braucht weiterhin Geld für seine Familie, und so beginnt er, eine Verbrecher-Karriere einzuschlagen.
Alles wie gehabt?
Nach den ersten Aufträgen für Martinez, welche eine Art Tutorial darstellen und vor allem dazu dienen, sich mit der Steuerung und der Umgebung vertraut zu machen, nimmt man daher Aufträge von Unterwelt-Größen an, um Geld zu verdienen. Und das ist nicht das einzige, was das Spiel von seinen großen Vorbildern übernommen hat: Wie üblich zieht man durch die Stadt, klaut sich nach Bedarf Fahrzeuge, behält den eigenen Fahndungslevel (bis zu 6 Sterne, die anzeigen, mit welcher Intensität die Gesetzeshüter des VCPD hinter Vic her sind) im Auge, deckt sich mit Waffen ein oder erledigt Nebenmissionen wie zum Beispiel Taxi-Fahrer, Rettungsschwimmer oder Krankenwagen-Fahrer. Einige bringen nur Bares, andere jedoch wirklich lohnende Vorteile, wie mehr Lebensenergie oder bessere Nutzbarkeit der kugelsicheren Weste. Gespeichert wird in den Verstecken, von denen es insgesamt drei Stück im Spiel gibt. Hier kann Vic auch aus mehreren Kleidungen auswählen, was er tragen will. Im Verlauf des Spieles wandern immer mal wieder neue Klamotten in den Schrank. Soweit alles altbekannt und vertraut.
Was aber neu ist ist die Möglichkeit zum Aufbau eines kriminellen Imperiums. Ab einer bestimmten Stelle im Spiel kann Vic, und damit der Spieler, Betriebe übernehmen. Diese reichen von Erpressung über Prostitution und Drogenhandel bis hin zu Raub, wobei nicht alle von Anfang an verfügbar sind. Allerdings muss man erstmal einer gegnerischen Gang einen Betrieb abnehmen – dazu zerstört man das Fahrzeug, das vor dem Gebäude geparkt ist. Nun muss man sich gegen einige Leute des Gegners erwehren und das Gebäude betreten. Dort warten noch ein paar Gegner, und der Spieler muss einige Gerätschaften zerstören. Ist der Feind dann vertrieben, kann man den Betrieb dem eigenen Imperium hinzufügen und sich nach Belieben ein „Geschäftsfeld“ aussuchen. Dadurch bekommt man stets die Tages-Einnahmen des Betriebes. In Betrieben, die dem Spieler gehören, kann man kleinere Aufträge, je nach Betriebsart, annehmen, den Betrieb umbauen zu einer anderen Betriebsart, oder Reparaturen vornehmen lassen. Letzteres ist nötig, da die feindlichen Gangs nicht tatenlos zuschauen, wie Vic ihnen ihre Betriebe abnimmt, und ihrerseits anfangen, gegen den Spieler vorzugehen. Wenn der Gegner einen Betrieb im Besitz des Spielers angreift, erscheint eine Warnung auf dem Bildschirm und man sollte sich schleunigst auf den Weg zu dem Betrieb machen, um ihn zu verteidigen. Dazu müssen mehrere Angriffswellen von Gegnern abgewehrt werden. Hat man erstmal einige Gebäude, gibt es quasi ständig irgendwo Alarm, weil man angegriffen wird – das kann schon ziemlich nerven, man muss die Betriebe aber nicht unbedingt halten. Da es dort aber auch möglich ist zu speichern stellen sie einen enormen Pluspunkt dar.
Die Missionen selbst bieten einiges an Abwechslung: Mal spielt ihr Kurier mit illegaler Fracht, dann „rettet“ ihr Schnapsflaschen per Gabelstapler aus einem brennenden Lagerhaus, legt euch mit anderen Gangs an, fahrt Straßenrennen oder spielt Fluchtwagenfahrer, jagt mit einem Helikopter Boote, ... langweilig wird euch so schnell sicherlich nicht werden. Einige neue Missionsideen fanden auch ihren Weg in das Spiel, aber wir wollen die Überraschung nicht vorab verderben (Insider: Domesto-Bot). Insgesamt sicher alles nichts wirklich Neues, aber etwas, was auf Handhelds in der Form selten zu finden ist. Die gelungenen Cutscenes mit dem in der GTA-Reihe üblichen Humor runden den Eindruck bei der Präsentation ab.
Um euch eurer zahlreichen, nicht unbedingt clever agierenden aber doch starken, Feinde zu erwehren steht euch ein gut gefülltes Waffenarsenal zur Verfügung. Fangt ihr noch ohne Waffen, nur mit euren Fäusten bewaffnet, im Spiel an, so erhaltet ihr schon sehr schnell eine Pistole. Später kommen weitere Waffen hinzu, wie Baseballschläger, Maschinenpistolen, Maschinengewehre, Granaten und sogar ein Raketenwerfer. Auch auf die Minigun muss der Spieler in Vice City Stories nicht verzichten.
Wird man von der Polizei verhaftet oder landet mangels Lebensenergie im Krankenhaus, lernt man weitere Neuerungen kennen: Waren in früheren Episoden alle Waffen verloren, kann man diese nun gegen Zahlung eines kleinen „Unkostenbeitrages“ zurückerhalten. Befand man sich zuvor innerhalb einer Mission, so steht vor dem Polizeirevier beziehungsweise dem Krankenhaus ein Taxi bereit, um Vic direkt zu dem Auftraggeber, und damit dem Anfang der Mission, zurückzubringen.
Von A nach B – aber wie?
Der Fuhrpark lässt keine Wünsche offen: Verschiedene Motorräder, diverse Autos verschiedener Leistungsklassen, Lieferwagen, Trucks, aber auch Boote, Helikopter, Polizeimotorräder, Fahrräder und diverse andere Beförderungsmittel stehen zur Verfügung. Ganz neu ist der Jetski, welchen es bislang noch in keinem Teil der GTA-Reihe gegeben hat.
Boote, Jetski... wer jetzt befürchtet, dass Vic wie einige seiner Vorgänger nicht schwimmen kann, der irrt: Er kann schwimmen, allerdings nur für eine begrenzte Zeit. Erst durch die Erfüllung der Nebenmission „Rettungsschwimmer“ erlangt man die Fähigkeit, sich beliebig lang im Nass aufhalten zu können.
Damit man sich nicht ständig verfährt, gibt es natürlich auch wieder eine Karte, welche mit der Start-Taste aufgerufen wird. Diese wartet mit den schon aus San Andreas und Liberty City Stories bekannten Möglichkeiten auf – so kann mit Druck auf die Quadrat-Taste ein Ort markiert werden, der dann auf der Navigationskarte im HUD dauerhaft angezeigt wird. Da das Spiel bei der Kartenansicht pausiert, kann man auch in der hitzigsten Flucht noch schnell seine Route planen.
Man möchte meinen, dass der fehlende zweite Analogstick, welcher bei den großen Vorgängern zum freien Drehen der Kamera benutzt wurde, ein Problem darstellen könnte. Wie aber schon bei Liberty City Stories haben die Entwickler das Problem geschickt gelöst: Außerhalb eines Fahrzeugs kann die Kamera bei gedrückter L-Taste frei mit dem Analogstick gedreht werden. Im Fahrzeug ist das leider nicht mehr möglich, ist aber auch nicht nötig. Das Zielsystem ist recht einfach gehalten, mit Druck auf die R-Taste wird der nächstgelegene Gegner anvisiert. Das funktioniert meistens auch recht gut, bei einer größeren Anzahl von anvisierbaren Personen um den Spieler herum werden aber auch schon mal harmlose Zivilisten anvisiert statt der Gegner.
Mehr Spieler, mehr Spaß?
Rockstar hat dem Spiel einen sehr netten Multiplayer-Modus spendiert, leider nur für den Ad-hoc-Modus, Online-Schlachten sind damit leider nicht möglich. Es gibt insgesamt 10 verschiedene Spielmodi, vom simplen Deathmatch („Vice City Survivor“), Kämpfe mit dem Hunter und dem Rhino („Might Of The Hunter“ bzw. „Tanks For The Memories“) bis hin zum gezielten Stehlen bestimmter Autotypen („Grand Theft Auto“). Zudem kann man aus verschiedenen Kostümen, welche im Laufe des eigentlichen Spieles freigespielt werden können, wählen. Der Multiplayer-Modus von Vice City Stories stellt eher eine nette Dreingabe dar – für wirklich anspruchsvolle Multiplayer-Duelle ist es sicherlich nicht geeignet.
Schatten über dem Paradies?
Optisch macht Vice City Stories einen sehr guten Eindruck. Es ist wirklich enorm, welche Leistung Rockstar aus der kleinen PSP raus presst. Das hat natürlich auch seinen Preis: Objekte ploppen sichtbar auf und bei sehr viel Action auf dem Bildschirm ruckelt es auch mal. Dafür entschädigt das Spiel dann aber auch wieder mit vielen stimmungsvollen Momenten, die den Flair der 80er Jahre perfekt auf die PSP portieren. Der Soundtrack trägt mit vielen bekannten Songs der 80er Jahre seinen Teil dazu bei, alternativ können auch eigene Musikstücke in das Spiel integriert werden (eine Anleitung dazu findet ihr hier in unserem Forum). Vom Umfang her hat sich die Stadt im Vergleich zu GTA:Vice City nicht großartig verändert, da das Spiel jedoch zwei Jahre vor den Ereignissen dort spielt sehen einige Orte noch ein wenig anders aus als man sie aus dem großen Vorbild kennt: 2 große Hauptinseln und 2 kleinere, verbunden mit Brücken, von denen einige zu Beginn jedoch noch geschlossen sind und sich erst im Laufe des Spieles öffnen. Hat man das Hauptspiel selbst noch recht schnell durchgespielt, kann man durch die Nebenmissionen noch einiges mehr an Zeit einplanen, die man in Vice City verbringen kann. Der Schwierigkeitsgrad ist eigentlich die meiste Zeit über nicht sonderlich hoch angesetzt, wenn auch manche Mission für die ein oder andere Frustration sorgen dürfte. Dann sind da aber noch die Bugs: So verschwinden einfach mal Fahrzeuge aus der Garage und der Sound hat gelegentliche Aussetzer. So kann es mitunter vorkommen, dass man plötzlich keine Motorengeräusche mehr hört oder dergleichen. Das ist zwar alles meist verschmerzbar und auch aus den großen GTA-Episoden bekannt, schmälert den ansonsten positiven Eindruck aber doch ein wenig.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
