Mit The 3rd Birthday setzt Square Enix auf der PSP die Parasite Eve-Reihe fort. Nie von gehört? Beide Vorgänger-Teile erschienen für die PlayStation, der erste Teil von 1997 allerdings nie in unseren Breitengraden. Wohl aber Parasite Eve 2, welches anders als der erste Teil eher dem Survival-Horror zugeordnet werden und sehr gute Wertungen einfahren konnte. Was der dritte Teil zu bieten hat, verraten wir euch in unserem ausführlichen Test.
Blut im Schnee
Am Weihnachtstag 2010 findet ein Mann namens Hyde Bohr eine junge Frau vor der St. Thomas Cathedral in Manhattan. Blut ist über ihr weißes Hochzeitskleid verteilt und sie hat keinerlei Erinnerung an ihre Vergangenheit. Sie kann später als Aya Brea identifiziert werden. Und genau in deren Rolle schlüpft ihr in
The 3rd Birthday - wieder mal, denn Aya war auch in den vorangegangenen Teilen der
Parasite Eve-Reihe Hauptcharakter. Etwa zeitgleich, ebenfalls im Dezember 2010, kommt es zu ersten Sichtungen so genannter Twisted. Monster, die scheinbar aus dem Nichts kommen. Nachdem die Regierung die Existenz dieser Kreaturen offiziell bestätigt hat, wird das Counter Twisted Investigation (CTI) Team gebildet. Durch ihre von Bohr "Overdive" getaufte Fähigkeit wird Aya zur Speerspitze im Kampf gegen die Twisted. Diese erlaubt es der blonden Frau, ihren Geist auf Personen in der Vergangenheit zu übertragen und so deren Platz einzunehmen.
Richtig ins Spiel eingestiegen wird am 24. Dezember 2012, als gigantische Wurzeln aus dem Boden schlagen, mehrere Städte dem Erdboden gleichmachen und unzählige Menschen töten. Aus ihnen kommen immer mehr Twisted. Sollten diese Babel genannten Wurzeln der Ursprung der Twisted sein? Kann Aya die Welt noch retten?
Bei der Geschichte kommen also zwei bei Storywritern beliebte Komponenten zusammen: Zeitreise und Amnesie. Gerade letzteres kommt besonders oft zum Einsatz, da es ermöglicht, dass der Spieler genausoviel über die Charaktere und die Welt weiss, wie der Protagonist, in den er sich hineinfühlen soll.
The 3rd Birthday gelingt es dann auch, euch schnell in diese Welt hineinzuziehen. Aber so gut ausgearbeitet die Storyline auch stellenweise sein mag, sie wird recht wirr verfolgt und ihr bleibt lange Zeit über manche Dinge im Unklaren. Nicht unbedingt tragisch, hält doch gerade das die Spannung bis zum Ende hoch. Aber auch danach bleibt noch so manche Frage unbeantwortet, auf die auch die Informationen in der Spieldatenbank keine Antwort liefern.
Eintauchen in Freund und Feind
Bevor es richtig an die Action geht, führt euch
The 3rd Birthday mit einem kleinen Tutorial in die grundsätzlichen Spielmechaniken ein. Ihr seht das Geschehen aus der Verfolgerperspektive und könnt aus mehreren Steuerungsvarianten auswählen. Am geeignetsten erscheint uns der Shooter-Style, welcher der Steuerung der meisten PSP-Actiontitel entspricht. Und die geht erstaunlich gut von der Hand! Selbst die Zielerfassung arbeitet meistens zuverlässig - bei mehreren Gegnern ist die Chance aber natürlich größer, dass auch mal ein anderer als der gewünschte Kontrahent anvisiert wird. Natürlich lernt ihr auch den Umgang mit der Overdive-Technik. Diese ist nämlich nicht bloss Erklärung für die Reisen in die Vergangenheit, sondern stellt ein wesentliches Gameplay-Feature in
The 3rd Birthday dar. Ähnlich wie in
»Mindjack könnt ihr, wenn sich Soldaten oder Zivilisten in eurer Nähe befinden, per Overdive deren Körper übernehmen. Das erweist sich gerade bei größeren Gegnern als effektiv, da ihr diese so gezielt umstellen könnt. Positioniert die einzelnen Charaktere und nehmt den Feind ins Kreuzfeuer oder nutzt in besonderen Situationen die speziellen Waffen mancher Charaktere, wie einen Satellitenlaser. Eine weitere Fähigkeit ist der Overdive-Kill: Erscheint an einem geschwächten Gegner ein Dreieck-Symbol, kann Aya per Overdive in diesen hineintauchen und ihn von innen heraus sprengen. Die letzte Spezialfähigkeit von Aya ist Liberation. Habt ihr die entsprechende Leiste, etwa durch Treffer an Gegnern, vollständig gefüllt, könnt ihr per Tastendruck in den Liberation-Modus wechseln. Hier seid ihr mit zwei Handfeuerwaffen ausgestattet und richtet mehr Schaden an. Auch Overdive-Kills werden hier begünstigt.
Kein Shooter ohne Waffen, da macht auch
The 3rd Birthday keine Ausnahme. Ayas Waffenarsenal ist breit gefächert, aber genreüblich: Pistolen, Maschinen-, Schrot- und Scharfschützengewehre sowie Granatwerfer. Allerdings kann sie nur stets drei Waffen bei sich tragen, wobei die erste zugleich ihre Standard-Pistole mit unendlich Munition ist. Bleiben also zwei Slots, für die ihr selbst festlegen dürft, was Aya bei sich trägt. Einen vierten Slot nimmt die Waffe der Person ein, deren Körper ihr per Overdrive übernommen habt. Mit Benutzung steigen eure Waffenkategorien im Level, wodurch ihr neue Teile freischaltet. Diese könnt ihr mit im Kampf verdienten Battle Points (BP) kaufen und dann an eure Waffe montieren. So erweitert ihr das Magazin um mehr Munition, erreicht höhere Schadenswirkung und einiges mehr.
Aber nicht nur an Waffen dürft ihr schrauben - auch an Ayas DNA können in
The 3rd Birthday Änderungen vorgenommen werden. Das Ganze nennt sich Over Energy, kurz OE. Durch Overdives, vor allem aber durch Overdive-Kills, erhaltet ihr immer mal wieder OE-Einheiten, welche aus zwei oder drei DNA-Kugeln, die entweder vertikal oder horizontal angeordnet sind, bestehen. Diese enthalten besondere Fähigkeiten: Einmalige Wiedererweckung nach dem Tod, eine Schutzbarriere und vieles mehr, was euch im Kampf unterstützen kann. Die OE-Einheiten können auf einem 3x3 Feldern großen Quadrat platziert werden - auch über bereits dort liegende Kugeln. Es kommt dann zu Mutationen, die zu anderen Fähigkeiten führen... oder die dort liegende Fähigkeit wird auf- oder abgelevelt. Denn die einzelnen Fähigkeiten können bis Level 25 aufgewertet werden und so erhöht sich deren Wirkung beziehungsweise die Wahrscheinlichkeit, dass die Fähigkeit aktiviert wird. Das Einsetzen von OE-Einheiten auf bereits befüllten Feldern unterliegt allerdings einem großen Glücksfaktor, da ihr nie wisst, was letztlich draus wird. Zum Glück könnt ihr das Ergebnis vorab sehen und entscheiden, ob ihr das wirklich so machen wollt. Ist es nicht, was ihr euch vorgestellt habt, könnt ihr es mit "Retry" einfach nochmal versuchen. Und nochmal. Und nochmal. Genau darauf läuft das Einsetzen nämlich letztlich hinaus: Solange versuchen, bis etwas passendes dabei rumkommt... oder eben aufgeben und später mit anderer OE-Einheit erneut versuchen. Ein weniger dem Zufall unterliegendes System hätte dem Spiel sicherlich gut getan.
Verlaufen nicht möglich
Weniger Zufall erwartet euch dafür in der Struktur von
The 3rd Birthday. Dafür sind die Level einfach zu geradlinig gehalten. Ablenkung, etwa in Form von Nebenmissionen, gibt es auch keine. Nach dem Durchspielen bleibt euch also nur, die Geschichte nochmal auf einem höheren Schwierigkeitsgrad anzugehen. Unterteilt ist das Spiel in sechs Missionen, Episoden genannt. Von der Basis aus wählt ihr eure anstehende Mission aus. Diese ist jeweils nochmals in Unterkapitel aufgesplittet, während derer ihr aber nicht in die Basis zurückkehrt. Dafür gibt es immer mal wieder "Lager" während der Level, wo ihr einen anderen Körper übernehmen, Munition und Granaten auffüllen und auch speichern dürft. Kehrt ihr mittendrin allerdings zur Basis zurück, müsst ihr beim nächsten Mal die Episode von vorn beginnen.
Technisch macht
The 3rd Birthday aber einiges richtig. Die Texturen sind für PSP-Verhältnisse auf einem hohen Niveau und es kommt zu keinen spürbaren Geschwindigkeitseinbußen auch bei großen Bossgegnern. Vorangetrieben wird die Storyline ähnlich wie bei
»Final Fantasy VII: Crisis Core einerseits durch vorgerenderte Videosequenzen und andererseits durch Zwischensequenzen in einer etwas verbesserten Spielgrafik. Klanglich erwartet euch eine gute englischsprachige Synchronisation, welche ab und an allerdings ein wenig unmotiviert klingt. Dafür reisst es der Soundtrack raus: Neben neuen Stücken finden sich auch einige aus den früheren Serienteilen bekannte Themen wieder. Highlight ist sicherlich das von der japanischen Gruppe Superfly beigesteuerte "Eyes on Me". Ein ruhiger Track in typischer Square Enix-Tradition, der ein wenig an das Titelthema aus
»Final Fantasy XIII, "Kimi Ga Iru Kara" von Sugawara Sayuri, erinnert.
Um die Zugriffe auf die UMD ein wenig zu verringern, könnt ihr wie bei vielen aktuellen PSP-Spielen einen Teil der Daten von
The 3rd Birthday auf dem Memorystick auslagern. 214 MB sind hierzu vonnöten. Unbedingt notwendig ist die Installation nicht: Auch von der UMD aus kommt es nur selten zu größeren Ladepausen.
Der Fanservice, den Square Enix für Fans von
Parasite Eve und Protagonistin Aya Brea abliefert, ist enorm. So enorm, dass es selbst den Fans im Internet zuviel wurde und manches durchaus kritisch betrachtet wird. Hierbei geht es vor allem um die Zusatzkostüme, die sich in
The 3rd Birthday freischalten lassen. Gerade das Maid-Kostüm spaltet die Fangemeinde - mit einem Dienstmädchen-Outfit in den Kampf ziehen, erscheint manchem Fan unverständlich und als Anbiederung. Man sollte aber nicht vergessen, dass diese Kostüme allesamt optional sind, man muss also nicht als Dienstmädchen, Geschäftsfrau oder im kurzen Weihnachtsdress durch die Gegend rennen. Und einige der Kostüme sind durchaus passend zum Setting, etwa der OD Suit oder die Knight Armor. Da sie trotz eines Verteidigungswertes kaum einen Unterschied ausmachen, kann jeder mit dem Outfit spielen, welches am ehesten dem eigenen Geschmack entspricht. Also kein Grund zur Panik.