Als Akira Toriyama den ersten Pinselstrich zu Dragon Ball setzte, konnte er gar nicht ahnen, was für eine Begeisterung, die Geschichte rund um Son Goku, Vegata und die sieben Drachenbälle auslösen wird. Sie wurde so erfolgreich, dass nach unzähligen Spielen für verschieden Plattformen nun mit Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team eine weitere Adaption für die PSP ins Haus steht. Und das, obwohl die letzten Folgen der Serie im deutschen FreeTV schon längst das Zeitliche gesegnet haben. Nur was für hartgesottene Fans ist oder ein Prügler für jedermann?
Vorsicht, was du dir wünschst…
Damals war allein schon ein Spiel mit Anime-Grafik ein Alleinstellungsmerkmal und damit Kaufargument für Fans von japanischem Zeichentrickserien. Und wenn dieses auch noch gut war wie z.B. der RPG-Klassiker
Xenogears für die angegraute Playstation, dann schürte das nur noch den Kaufreiz. Doch man muss vorsichtig sein mit seinen Wünschen und so kämpfen wir heute zumindest mit meiner damaligen Vorstellung einer perfekten Videospielwelt. Denn jetzt gibt es Spiele mit Comic-Optik und Cell-Shading-Effekten zwar nicht so oft wie Sand am Meer, aber dafür haben wir das Gefühl, als wäre eine wahre Flut davon über uns hereingebrochen. Das hätte ich mir auch nicht vorgestellt als ich zu Dreamcast-Zeiten von mehr Titeln wie
Jet Set Radio geträumt habe.
… es könnte in Erfüllung gehen
Gemessen an der zahlreichen Fülle von Anime-Adaptionen stellt sich unweigerlich die Frage, ob wir
Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team überhaupt noch brauchen. Zumal es einen fast identischen Titel auch für die PS2 zu kaufen gibt. Aber anstatt eine lasche heruntergeregelte Fassung für Sonys Mobilkonsole zu entwerfen, will Bandai Namco noch einen draufsetzen. Das bedeutet also, dass sich die DBZ-Charaktere zu viert gleichzeitig auf dem Bildschirm zu Land und in der Luft nur so die Feuerbälle um die Ohren dreschen?
Also der erste Teil des Versprechens wurde schon mal erfüllt. Wir sehen unsere Spielfigur in der Verfolgeransicht und können uns in den Kampfarenen quasi frei bewegen. Nein, damit ist nicht nur vor, zurück und zur Seite gemeint, denn wer den Manga kennt, weiß, dass auch der Luftraum zum Kämpfen genutzt wird.
Dabei ist die Steuerung unseres Recken in
Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team trotz der Hardware-Vorrausetzungen mit nur einem Stick überraschend gut gelungen. So braucht es kaum Eingewöhnungszeit, um mit digitalem Steuerkreuz und Analog-Stick in die Luft abzuheben und kräftig auszuteilen. Auch die Schulterknöpfe sind intuitiv miteinbezogen worden, so dass sich auch ungeübte Casual Gamer schnell in das Genre einfinden können.
Doch hier lasse ich das Lob auch abreisen. Denn eigentlich ist es ein echter Pluspunkt, dass das Kampfsystem genügend Tiefe aufweist, um euch länger an die PSP zu fesseln. Doch jetzt kommt das große Aber – es wird euch nur mangelhaft erklärt. Wer jetzt kein Serienveteran ist, der wird angesichts der Combo- und Verteidigungs-Möglichkeiten ins Stutzen geraten.
Learning by doing
Wer sich aber weniger an dem mangelndem Tutorial stört und mehr die schnelle Prügelei zwischendurch sucht, der ist mit
Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team richtig aufgehoben. Wie aus der Feder des Erfinders Akira Toriyama selbst entsprungen, schlagen wir auf Vegeta & Co. ein und lassen unsere Gegner nach erfolgreicher Spezialattacke spektakulär meilenweit durch die Umgebung segeln. Die Feinheiten erkunden wir aber leider gemächlich und teilweise auch per Zufall aus schon angesprochenem Grund.
Damals gut, heute zu wenig
Hier hätte man auch den Story-Mode von
Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team etwas aufpeppen sollen, denn die Hintergrundgeschichte des Spiels bleibt mau. Die Handlung richtet sich nur an waschechte DBZ-Fans, die der immerwährenden Story rund um Son Gokus Truppe und deren Weltrettung niemals müde werden. Genauso verhält es sich dann leider auch mit der Wiederspielbarkeit. Das Kampfsystem gibt zwar mehr her, aber auch wenn ihr es einigermaßen meistert, merkt ihr, dass die Gegner-KI euch nichts mehr entgegensetzen kann. Aber aus dem Blickwinkel eines Videospiel-Nostalgikers ist die Geschichte quasi eine gute Umsetzung des Edge Master-Mode aus
Soul Calibur. Auf einer Übersichtskarte erfüllen wir auf einzelnen Stationen verschiedene Kämpfe und schalten dadurch Charaktere frei. Ordentlich, aber was damals begeistern konnte, ist heute leider kaum noch Durchschnitt. Trotzdem nur ein kleiner Kritikpunkt, denn wir sprechen hier ja auch von einer Handheld-Konsole.
Ordentliches Spiel für unterwegs
Unterm Strich bleibt ein zwiespältiges Ergebnis. Ob ihr hier zuschlagt, liebe potentielle Käufer und Anime-Fans, müsst ihr selbst entscheiden. Denn ausschlaggebend ist, welchen Features ihr mehr Gewichtung beimesst. Wo Licht ist, da gibt es bei
Dragon Ball Z Tenkaichi Tag Team auch viel (Cel-Shadding-)Schatten.
Fakt ist z.B., dass die Charaktere wunderschön animiert und detaillert ausgestaltet worden sind. Dazu gesellt sich aber die Tatsache, dass dafür die Umgebung der Kämpfer umso ärmer und trostloser daherkommt. Wer jetzt sagt, dass es bei dem Handgemenge auf dem Bildschirm vielmehr auf die Action ankommt, der muss sich erstmal in das Kampfsystem einarbeiten, um dann festzustellen, dass der Computer euch nun gar nichts mehr im Nah- oder Fernkampf entgegen setzen kann. Wer mehrere DBZ-Spiele sein Eigen nennt, dem wird vieles als eine Art Wiederholung vorkommen, denn im Vergleich zu anderen Serienablegern wurde außer dem Tag-Team-Feature nicht allzu viel hinzugefügt. Wer hingegen wie ich eine Pause vom Konsum der Software-Schwemme eingelegt hat, der erhält auch für Sonys kleinste Konsole eine schöne Prügel-Action. Mit der Zeit wird diese aber immer mehr zur Klopperei zwischen zwei U-Bahn-Stationen.