Nach zwei Playstation 2-Teilen, einem GBA- und einem DS-Ableger hat es die Kingdom Hearts-Reihe nun auch auf die PSP geschafft. Birth by Sleep ist ein Prequel zu den bisherigen Spielen, dass an den Tugenden der Serie festhält und Action-Rollenspiel-Spaß mit Final Fantasy-typischen und Disney-Charakteren bietet. Ob das Ganze aber auch auf der PSP funktioniert ist, lest ihr in unserem Review.
Drei Charaktere, drei Pfade
Kingdom Hearts: Birth by Sleep setzt zehn Jahre vor dem ersten PS2-Teil an. Die drei Helden Ventus (genannt Ven), Terra und Aqua absolvieren gemeinsam ihre Ausbildung zu Schlüsselschwertmeistern, wobei letztere beide kurz vor ihrem Abschluss stehen. Die finale Prüfung besteht jedoch nur Aqua, da Terra noch zu viel Dunkelheit in sich trägt. Frustriert verschwindet dieser und seine Freundin erhält den Auftrag, ihn wiederzufinden. Ven kann natürlich nicht tatenlos zurück bleiben und macht sich auch auf die Suche nach Terra. Dass es die drei dabei natürlich auch schnell mit bösen Mächten zu tun bekommen, dürfte nicht schwer zu erraten sein.
Die nette Geschichte erlebt ihr dabei aus den drei unterschiedlichen Perspektiven der Hauptcharaktere. Welchen Protagonisten ihr dabei durch die verschiedenen Disney-Welten steuert, liegt ganz bei euch. Habt ihr euch für einen Charakter entschieden, müsst ihr das Spiel aber erstmal mit diesem durchspielen, bevor ihr euch den anderen beiden Figuren widmen könnt. Jeder Durchgang bietet rund 15 Stunden Spielspaß. Wer also die ganze Geschichte erleben möchte und das Abenteuer mit allen drei Charakteren einmal besteht, kann mit einer Spielzeit von gut 45 Stunden rechnen. Für Langzeitspaß mit der PSP ist in
Kingdom Hearts: Birth by Sleep also gesorgt.
Eine bunte Reise
Egal, für welchen Charakter ihr euch entscheidet: Die Reihenfolge der Welten, die ihr in
Kingdom Hearts: Birth by Sleep bereist, ist stets die gleiche. Trotzdem ist für genug Abwechslung gesorgt. So bereist ihr zum Beispiel den Zwergenwald aus Schneewittchen, das Nimmerland aus Peter Pan oder auch die Welten von Dornröschen und Cinderella. Und auch die Aufgaben, die euch in den einzelnen Abschnitten eurer Reise erwarten, sind alles andere als eintönig - auch wenn es letztendlich natürlich immer zum Kampf kommt. In der Bergmine des Zwergenwaldes müsst ihr zum Beispiel die sieben Zwerge finden, die sich aus Angst vor euch erstmal verstecken, während ihr später Schneewittchen vor den Monstern und den lebendigen Bäumen des Waldes beschützen müsst. Und natürlich gibt es auch die obligatorischen Bosskämpfe.
Attacke!
Kingdom Hearts: Birth by Sleep ist ein Action-Rollenspiel. Das bedeutet: Kämpfe werden in Echtzeit ausgetragen. Dabei stehen euch neben eurem normalen Angriff mit der Kreuz-Taste auch Spezialfähigkeiten zur Verfügung, die ihr euch vorher in die Leiste am linken unteren Bildschirmrand ziehen müsst - was übrigens auch mit Gegenständen möglich ist. Per Digi-Kreuz wählt ihr dann im Kampf die gewünschte Aktion und führt diese per Dreieck aus. Neben Zaubern stehen euch dabei auch besondere Angriffe mit eurem Schlüsselschwert zur Verfügung. Alle Fähigkeiten müsssen jedoch immer erst aufgeladen werden, damit man sie nutzen kann. Mana gibt es im Gegenzug aber nicht.
Je öfter ihr eure Fähigkeiten in
Kingdom Hearts: Birth by Sleep nutzt, desto effektiver werden diese mit der Zeit, indem sie im Rang aufsteigen. Außerdem könnt ihr per
Kommandofusion auch Fähigkeiten miteinander kombinieren, um so neue Attacken etc. zu erschaffen. Zudem sammelt ihr mit eurem Fortschritt im Spiel Dimensions-Links. Dadurch könnt ihr auf Fähigkeiten anderer Charaktere zugreifen, die ihr in der Story kennen lernt. Zu Beginn stehen euch zum Beispiel als Ventus die Links von Terra und Aqua zur Verfügung, später kommen auch Charaktere wie Micky Maus dazu.
Insgesamt machen die Kämpfe viel Spaß, sonderlich taktisch sind sie jedoch nicht. Bei den Bossgegnern müsst ihr euch natürlich deren Attacken gut einprägen, immer schön ausweichen und dann im richtigen Moment zuschlagen, aber die einfachen Gegner lassen sich teilweise sogar mit stupidem Drücken der Kreuz-Taste erledigen.
Lange warten, dann staunen
Wenn man
Birth by Sleep spielt, dann wird man ständig hin- und hergerissen sein zwischen Begeisterung und Ärgernis. Denn auf der einen Seite macht das Spiel nicht nur sehr viel Spaß, sondern sieht auch noch verdammt hübsch aus. Detaillierte Charakter-Modelle - besonders die Disney-Figuren sehen genau so aus wie in den Filmen (nur halt in 3D), die Umgebungen sind schön gestaltet und auch die Zwischensequenzen sind sehr gut gelungen. Hinzu kommt noch eine ordentliche englische Sprachausgabe - deutsche Sprecher gibt es im Gegensatz zu den PS2-Spielen leider nicht - garniert von einen schönen Soundtrack.
Allerdings sind die Ladezeiten, gerade für ein Handheld-Spiel, unglaublich lang. Ständig seid ihr zum Warten verdammt - für die Bahnfahrt zur Arbeit ist
Kingdom Hearts: Birth by Sleep also nicht sonderlich gut geeignet, da man schließlich auch nicht frei speichern, sondern nur an vorgegebenen Speicherpunkten seinen Spielstand sichern kann. Die Savepoints sind jedoch durchaus fair verteilt - zumal das Spiel zusätzlich auch noch temporäre Auto-Saves anlegt.
Ein weiteres Problem von
Kingdom Hearts: Birth by Sleep ist die Kamera, was besonders in den Kämpfen negativ auffällt, da ihr diese entweder ständig drehen oder immer manuell einen Gegner anvisieren müsst, um den Überblick nicht zu verlieren. Denn in der Regel kämpft ihr nicht nur gegen einzelne Feinde, sondern ganze Gruppen. Ansonsten gibt es in Sachen Steuerung jedoch nichts zu bemängeln.
Und wenn man mal nicht alleine spielen will...
Neben dem umfangreichen Einzelspieler-Teil enthält
Birth by Sleep auch einen Multiplayer, den ihr sowohl off- als auch online spielen könnt. Hier könnt ihr gegen eure Freunde in einer Arena antreten oder kooperativ mit diesen gegen anstürmende Gegnerhorden kämpfen. Außerdem gibt es mit dem
Kommandobrett eine Art Brettspiel, dass ihr auch alleine im Singleplayer-Modus spielen könnt. Zusätzlich dürft ihr sogar Rennen mit euren Freunden bestreiten. Wer also die Kampagne mit allen drei Charakteren durchgespielt hat, kann sich mit dem Multiplayer noch ein wenig die Zeit vertreiben. Dadurch bietet der Titel ein unglaublich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, sodass sich die 30-35 Euro definitiv lohnen - gerade für Serienfans oder generell Rollenspiel-Begeisterte, die sich jedoch erstmal in die Welt von
Kingdom Hearts einfinden müssen, wenn das Vorwissen aus den anderen Teilen fehlt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


