Auf der Playstation 3 und der Xbox 360 schwingt sich Ezio Auditore da Firenze in Assassin's Creed 2 durch das Italien der Renaissance. Um die Lücke zwischen diesem Spiel und seinem Vorgänger zu schließen, hat Publisher Ubisoft Assassins Creed: Bloodlines für die PSP veröffentlicht. Darin spielt ihr jedoch nicht den jungen Assassinen aus Florenz, sondern seinen "Kollegen" aus der Vergangenheit: Altair, seines Zeichens Held des ersten Teils der Serie. Da stellt sich die Frage, ob sich das Spiel deshalb nun mehr an Assassin's Creed oder dem Nachfolger orientiert? Das klären wir in unserem Test.
Assassin's Creed 1.5
Storytechnisch ist
Bloodlines die direkte Fortsetzung von
»Assassin's Creed. Altair hat das Heilige Land verlassen und sich nach Zypern aufgemacht, um die letzten verbliebenen Templer zur Strecke zu bringen. Dabei spielt auch die Templerin Maria eine wichtige Rolle. Die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Altair und Maria ist durchaus interessant zu beobachten, ansonsten bietet die Geschichte des Spiels aber nichts Besonderes. Das gilt leider auch für die Hauptmissionen. Denn diese bringen leider nicht viel Abwechslung ins Gameplay, ähnlich wie im ersten Serienteil. Das liegt daran, dass das zentrale Spielelement abseits der Klettereien - zu denen kommen wir weiter unten - die Kämpfe gegen die zahlreichen Soldaten sind. Denn diese spielen sich genau so wie in
Assassin's Creed. Sprich: Mit "Viereck" schlagt ihr zu, mit der "R"-Taste blockt ihr und drückt ihr dazu im richtigen Moment, wenn der Gegner zuschlagen will, die Angriffs-Taste, führt Altair eine Konter-Attacke aus, die sofort tödlich ist. Nun waren die Kämpfe einer der großen Schwachpunkte des ersten Heimkonsolen-Teils, da sie viel zu leicht waren und im Grunde keine Herausforderung geboten haben. Warum sie in
Assassin's Creed: Bloodlines genau so übernommen wurden, ist uns ein Rätsel.
Überhaupt hat sich Griptonite Games viel zu sehr an
Assassin's Creed orientiert, anstatt an dessen gelungenen Nachfolger. Abgesehen davon, dass
Bloodlines in puncto Haupt- und auch Nebenmissionen ähnlich abwechslungsarm ist und die Kämpfe zu simpel geraten sind, wurde im Prinzip keine einzige der tollen Neuerungen von
»Assassin's Creed 2 in das Spiel eingebaut. Es gibt zwar Geld, welches man für erledigte Missionen erhält, aber davon kann man sich nur Upgrades im Hauptmenü kaufen, die zum Beispiel den Waffenschaden oder die Lebensenergie erhöhen. Mit dem relativ umfangreichen Handelssystem aus dem aktuellen Konsolen-Teil kann das aber bei weitem nicht mithalten. Zudem gibt es zum Beispiel auch keine Gruppen, die man anwerben kann, um Wachen abzulenken und von der eigenen, erweiterbaren Stadt brauchen wir erst gar nicht zu sprechen. Immerhin sind die Nebenquests nicht mehr verpflichtend, um in der Geschichte weiter zu kommen. Somit wirkt das ganze Konstrukt nicht mehr so gekünstelt, wie noch im ersten
Assassin's Creed.
Leider ist
Assassin's Creed: Bloodlines auch nicht sonderlich umfangreich. Nach ungefähr fünf bis sechs Stunden ist die Story durchgespielt. Immerhin gibt es noch, wie in
Assassin's Creed 2, einige Dinge zum sammeln und es warten auch einige Achievements auf euch. Aber ein bisschen mehr Umfang hätte nicht geschadet.
Das Kamera-Problem
Ein wichtiger Bestandteil der
Assassin's Creed-Serie sind natürlich die Klettereinlagen. Diese spielen auch in
Bloodlines eine gewichtige Rolle und sind an sich auch gut auf der PSP umgesetzt worden, da sie genau so intuitiv zu bedienen sind, wie auf der Playstation 3 oder der Xbox 360. Allerdings offenbahrt sich hier ein deutliches Problem: Es fehlt nämlich einfach ein zweiter Analogstick, um die Kamera zu kontrollieren. Auf dem Handheld kann man dies tun, in dem man die "L"-Taste gedrückt hält und dann die vier Aktionsbuttons drückt. Ein gleichzeitiges Springen und Klettern ist somit aber fast unmöglich. Außerdem spielt sich der Titel somit auch längst nicht so flüssig, wie auf den großen Konsolen, da es schwierig ist, durchgehend die Häuserdächer in hohem Tempo zu überwinden.
Gute Technik
Die Grafik von
Assassin's Creed: Bloodlines kann sich für PSP-Verhältnisse wirklich sehen lassen. Besonders die geschmeidigen Animationen, bereits eine große Stärke der Heimkonsolen-Spiele, wissen zu gefallen. Und tatsächlich gehört der Titel auch eindeutig zu den schönsten Spielen auf Sonys Handheld, neben einem
»God of War: Chains of Olympus zum Beispiel. Zumal die Welt, wie in den beiden Heimkonsolen-Teilen, offen ist, wobei die beiden Städte Limassol und Kyrenia natürlich in einzelne, kleine Gebiete unterteilt sind. Eine zusammenhängende Spielwelt hätte die PSP bei dieser Grafik wohl nicht vernünftig darstellen können. Auch laufen natürlich längst nicht so viele Passanten auf den Straßen herum, wie auf den großen Konsolen. Aber das ist verschmerzbar.
Die deutsche Sprachausgabe und die Musik können überzeugen. Die Sprecher sind zwar nicht absolut brilliant, machen ihre Sache aber ganz gut. Allerdings wiederholen sich die Sprüche der Passanten sehr schnell. Ein nettes Detail ist die Möglichkeit,
Assassin's Creed: Bloodlines mit
Assassin's Creed 2 auf der Playstation 3 zu verbinden. Dann kann man unter anderem das auf der PSP gesammelte Geld auf die PS3 übertragen. Ein Muss ist das aber nicht.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
