Hat ein Titel ein Genre salonfähig gemacht, dann gibt es schnell viele Nachahmer, die auch etwas von dem Kuchen abhaben wollen. So geschehen bei World of Warcraft, Grand Theft Auto oder auch Resident Evil. 2005 versuchte »Obscure sich am Survival-Horror-Genre zu beteiligen, indem es bereits damals das Co-Op Gameplay mit einem frischen Setting einer amerikanischen Schule verband. Jetzt wird auch der Nachfolger Obscure: The Aftermath für die PSP umgesetzt und könnte dort mangels Konkurrenz zur Konsolen-Referenz werden. Ob das gelingt und ob man sogar aus dem Schatten des großen Vorbilds treten kann, verraten wir euch jetzt.
Angriff der Killer-Spiele
Leider blieb auch die
Obscure-Serie nicht von der populistischen Killerspiel-Debatte verschont. Schließlich dreht sich hier alles um Gewaltanwendungen an einer Schule. Aber weil Filme wie
The Faculty oder eben Spiele wie
Obscure nicht allgemein bekannt sind, blieben diese Titel nicht mehr als eine Randbemerkung eines Journalisten-Kollegen, der wohl per Google-Suche „Schule Killer Videospiel“ auch andere Titel neben dem vielzitierten
Counterstrike anführen wollte.
Die Realität ist der bessere Horror
Sei’s drum. Denn obwohl ich
»Dead Space,
»Cursed Mountain und
»Resident Evil gespielt habe, beginne ich genauso entspannt meinen Tag wie jeder andere Mensch. Allerdings wirken sich diese Referenzerfahrungen negativ auf das Spielerlebnis von
Obscure: The Aftermath für die PSP aus. Denn in Bus und Bahn trifft man vielleicht viele furchterregende Gestalten (Fahrgäste), aber eine richtige, transportable Horror-Atmosphäre kann der Titel dort nicht verbreiten. Das liegt aber nicht am Spiel selbst, das sich jede Mühe deswegen macht, sondern vielmehr an den Leuten, die den MP3 Player voll aufdrehen oder lautstark den ganzen Zug mit ihrem Handy-Telefonat unterhalten müssen. Dazu kommt noch, dass Sonys kleine Handheld-Konsole niemals mit dem Erlebnis vor der großen Glotze mithalten kann.
Rollladen runter!
Also nach Hause und auf den Einbruch der Nacht gewartet, um
Obscure: The Aftermath die volle Entfaltungsmöglichkeit zu geben. Was sich dann auf der PSP abspielt, ist die klassische Horror-Geschichte, wie wir sie bereits aus dem Vorgänger kennen. Auf dem Campus kommt es zu unerklärlichen paranormalen Erscheinungen, die darin gipfeln, dass Monster durch das Schulungsgelände streifen. Wir übernehmen altbekannt eine Gruppe von Studenten, die der ganzen Sache aus der Not heraus auf den Grund gehen will. Dabei haben die insgesamt sechs Charaktere verschiedene Talente und eignen sich z.B. besonders zum Verschieben von schweren Gegenständen. Ganz klar, dass hier wieder das vom Vorgänger in das Genre eingebrachte Co-Op-Feature voll zur Geltung kommt. Besonders begeistert hat mich auch, dass die PSP-Adaption im Vergleich zum PS2-Version trotz der etwas geringeren Hardware-Voraussetzungen fast genauso gut aussieht wie auf der Heimkonsole. Hier wurde also von den Entwicklern ganz sauber programmiert. Auch wenn man sich mit einer weiteren PSP per Co-Op am Spiel beteiligt, kam es zu nur wenigen Slowdowns im Test. Achtet nur darauf, dass ihr eure PSP korrekt im Ad-Hoc-Modus eingestellt habt und ihr dabei nicht weiter als eine Raumlänge voneinander entfernt seid. Dann steht dem gemeinsamen Grusel nichts mehr im Wege.
Horror-Komödie
Doch leider wird diese Atmosphäre unfreiwillig durch komische Momente unterbrochen, wenn plötzlich von der UMD nachgeladen werden muss. Das ist so, wie wenn bei
Resident Evil der erste Hunter die Bildfläche betritt und plötzlich die Konsole stockt, der Lüfter des Geräts anläuft und man das CD-Symbol für das Nachladen sehen würde.
Aber das passt trotzdem zum Eindruck, den
Obscure: The Aftermath generell vermittelt. Weil hier wechseln sich in der Geschichte lustige Momente mit Schock-Effekten ab. Soll heißen, dass man streckenweise das Gefühl bekommt, dass man einen Teenie-Film sieht, bis das Spiel dann plötzlich wieder ernster wird und es die bekannten Survival-Horror-Rätsel zu lösen gibt. Also Komik trifft auf Grusel. Und während die Grafik überwiegend auf PS2-Niveau bleibt, treffen diese beiden Welten auch beim Sound aufeinander. Denn die Synchro der Charaktere ist grauenhaft, während die Musikuntermalung grauenerregend ist. Damit meine ich, dass die miesen Stimmen so schlecht wirken wie beim ersten deutschen
Metal Gear Solid auf der Playstation, hingegen die eigentlichen Musikstücke richtig stimmungsvoll gelungen sind.