Nach einem kurzen Ausflug auf den DS kehrt Rockstar Leeds nun mit der Grand Theft Auto-Serie wieder auf die PSP zurück. Diesmal handelt es sich jedoch um eine Portierung des DS-Ablegers. Ob die gelungen ist und ob die Entwickler die PSP-Features für sinnvolle Ergänzungen genutzt haben, zeigen wir euch in unserem ausführlichen Review.
Nochmal Chinatown
Wie der Titel es schon vermuten lässt, erwartet euch bei der PSP-Umsetzung die gleiche Story wie in der DS-Fassung von
Chinatown Wars (
»Test lesen). Ihr schlüpft also wieder in die Haut von Huang Lee und sollt bei eurem Onkel in Liberty City ein Schwert abliefern. Allerdings werdet ihr direkt nach der Ankunft überfallen, angeschossen und zum Sterben im Fluß versenkt. Nutzt alles nichts - ihr könnt euch aus dem sinkenden Auto befreien und müsst nun eurem Onkel die missliche Lage erklären. Und so beginnt das übliche Spielchen, das die
Grand Theft Auto-Reihe seit je her ausmacht: Ihr arbeitet euch von unten nach oben an die Spitze der Unterwelt. Die ersten Missionen dienen in primär dazu, euch mit der Steuerung und den grundsätzlichen Spielelementen vertraut zu machen. Später folgen dann immer schwieriger werdende Aufträge, die aber auch besser belohnt werden.
Ihr könnt die Stadt aus der Draufsicht frei erkunden - und euch wird einiges an Abwechslung geboten. Ihr könnt an Ständen Hotdogs kaufen zum Auffüllen der Lebensenergie, in Lotterie-Geschäften Rubbellose erstehen, Mülleimer nach Waffen und Geld durchsuchen (und dabei auf unappetitlichere Dinge stoßen), euch Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern und einiges mehr. Gerade der Handel mit Drogen machte auf dem DS schon jede Menge Laune - und das tut es auch hier wieder.
Da die DS-Features (Touchscreen) wegfallen, mussten sich die Jungs bei Rockstar etwas einfallen lassen. Die gesamten Minispielchen sind nach wie vor im Spiel enthalten, allerdings auf die Möglichkeiten der PSP umgeändert. Habt ihr auf Nintendos Handheld Mülleimer mit dem Stylus durchsucht, tut ihr dies nun mit Analogstick und Schultertasten. Das gilt auch für das Knacken von Autos. Allerdings wirkt es ohne einen Touchscreen recht aufgesetzt, wenn man anfängt, mit dem Analogstick im Kreis zu drehen, um damit Leute zu tätowieren. Tragisch ist das nicht, denn die Spielchen gehen sehr gut von der Hand. Das gilt übrigens auch für die Fahrzeugsteuerung: Mit dem Analogstick der PSP steuern sich die Fahrzeuge nun um einiges präziser, wenngleich die Draufsicht weiterhin alles andere als übersichtlich ist. Praktisch: Standardmäßig ist eine Option aktiviert, die euer Fahrzeug immer zur Straße passend ausrichtet. Warum die Option des Welt-GPS standardmäßig deaktiviert ist, erschliesst sich uns allerdings nicht. Ist es doch ungemein praktisch, den Weg zum nächsten Ziel in der Welt eingeblendet zu kriegen.
Mein PDA zeigt mir die Welt
Auch euer PDA hat eine Radikal-Veränderung erhalten. Dieser lässt sich nun ähnlich wie die Cross-Media-Bar (XMB) der PSP bedienen, zudem lassen sich verschiedene Skins dafür einstellen. Über diesen Taschen-Organizer habt ihr Zugriff auf eure eMails, welche euch neue Aufträge oder Handelstipps für eure Drogengeschäfte liefern. Auch euer GPS erreicht ihr darüber. Die praktische Karte zeigt euch nicht nur die Standorte von Auftraggebern, Dealern, Verstecken und wichtigen Läden kann, sondern lässt euch auch eigene Orte mit verschiedenfarbigen Markern als Favoriten abspeichern.
Habt ihr eine Waffe, könnt ihr mit der rechten Schultertaste ein Ziel anvisieren und dann feuern. Hier tritt leider das Problem vieler GTA-Teile auf: Oft erwischt die Zielmarkierung nicht das, was ihr treffen wollt. Zwar werden Polizei und Gangster vorrangig angepeilt, dennoch habt ihr schnell auch mal einen Zivilisten im Visier. Um nicht während der Auswahl einer geeigneten Waffe den Gesetzeshütern zum Opfer zu fallen, liegt die Waffenauswahl nun auf der SELECT-Taste. Drückt ihr diese, öffnet sich ein Menü, aus dem ihr eure bevorzugte Wumme wählen könnt, die Zeit im Spiel hält derweil an. Verbessert wurde auch das Werfen von Granaten oder Molotov-Cocktails: Ihr bestimmt nun mit dem Analogstick die Wurfrichtung und dann durch Gedrückthalten der Kreistaste die Wurfstärke. Mit ein wenig Übung geht das alles auch recht gut von der Hand, wenngleich die Tastenbelegung doch einen leicht überfrachteten Eindruck hinterlässt.
Liberty City in prächtig
Ansonsten hat sich, wie schon gesagt, spielerisch nicht viel am Spiel getan - es ist nach wie vor
GTA: Chinatown Wars, wie man es vom DS her kennt. Technisch jedoch macht das Spiel einen enormen Sprung nach vorne: Die PSP bietet weit mehr Raum für Details - und der wurde genutzt. Nicht nur die Umstellung auf 16:9 und die höhere Farbbrillianz des Sony-Bildschirms sorgt hier für Freude, besonders die verbesserten Beleuchtungseffekte schaffen Atmosphäre. Wenn das Blaulicht der euch verfolgenden Polizeiwagen die Nacht illuminiert, sieht das einfach prächtig aus!
Ebenfalls aufgemotzt wurde die Musikuntermalung. Musste die DS-Fassung von
Chinatown Wars noch mit recht kurzen Loops auf fünf Radiostationen auskommen, kommt nun mit elf Sendern und längeren Stücken weit mehr Abwechslung ins Spiel - allerdings sind alle Songs nach wie vor rein instrumental. Eine Sprachausgabe wurde dem Spiel leider ebenfalls verweigert.
Was ihr häufig erleben werdet, ist ein Nachladen der Daten von der UMD. Wenn ihr beispielsweise bei einem Drogendealer einkauft, erscheint kurz der entsprechende Ladekreis, um euch zu informieren, dass noch etwas geladen werden muss. Das ist an sich nicht weiter tragisch, ein anderes - für die GTA-Reihe allerdings nicht neues - Problem dagegen schon: Wenn ihr schneller unterwegs seid und dann die entsprechende Umgebung des Gebietes noch nicht geladen werden konnte, fahrt ihr kurzzeitig über grauen Untergrund... oder auch mal in ein Haus, was erst später geladen wird. Hier wäre eine Optimierung, beispielsweise durch eine optionale Installation von Daten auf den Memorystick, wünschenswert gewesen.