Guitar Hero gibt es schon seit geraumer Zeit auf dem DS. Die Umsetzung ist dabei sogar wirklich gelungen (»Review zu Guitar Hero On Tour: Decades). Nun zieht Electronic Arts nach und veröffentlicht das erste mobile Rock Band. Der PSP-Ableger Rock Band: Unplugged muss dabei sogar ganz ohne Instrumente auskommen. Ob das funktionieren kann, erfahrt ihr in unserem Review.
One Man Show
Am Spielprinzip hat sich natürlich wenig verändert. In bester
Rock-Band-/
Guitar-Hero-/Jedes-Musikspiel-der-letzten-Jahre-abgesehen-von-
Wii-Music-Manier laufen farbige Notensymbole von oben nach unten über den Bildschirm. Erreichen sie eine Leiste am unteren Rand, müsst ihr den entsprechenden Knopf drücken. Die
Guitar Heroes und
Rock Bands für Konsolen haben dafür spezielle Instrumentcontroller, die sind allerdings alles andere als Handheldtauglich. Wer will schon ein Drumset in der U-Bahn aufbauen müssen, um kurz einen Song spielen zu wollen. In
Rock Band: Unplugged müsst ihr mit den Tasten der PSP auskommen.
Hat man sich mit dem Fehlen der Zusatzcontroller abgefunden, kommt gleich eine gute Nachricht: Die Steuerung kann frei angepasst werden. Aber wie man es sich auch zurechtlegt, stellt die Tastensteuerung einen Nachteil dar. Neben dem Spielgefühl, das deutlich darunter leidet, ist die Eingabe via Gitarrencontroller oder Drumset einfach intuitiver als mit vier Tasten (bei Standardbelegung: links, oben, Dreieck, Kreis). Besonders Akkorde fallen am Anfang etwas schwerer. Da freut man sich besonders über die vier Schwierigkeitsgrade, die euch sehr gut in das Spielkonzept einführen. Trotz anfangs verwirrender Steuerung sind Lieder auf "Leicht" auch für Unerfahrene Spieler zu bewältigen, während der höchste Schwierigkeitsgrad einiges an Können abverlangt.
Neben der Steuerung ist ein weiterer Unterschied zu den anderen Teilen der Serie, dass ihr zum allerersten Mal (wenn man Vorbilder wie
Amplitude vernachlässigt) die komplette Band übernehmt, was nicht so hektisch ist, wie es sich zunächst anhört. Ihr müsst so genannte "Phrasen" fehlerfrei absolvieren, dann spielt das jeweilige Instrument für eine gewisse Zeit alleine weiter. Wer sich keine Fehler erlaubt, kann relativ entspannt mit den Schultertasten zwischen den Instrumenten wechseln, ohne befürchten zu müssen, dass er irgendwelche Noten verpasst. Auch kleine Schnitzer lassen sich schnell kompensieren.
Wer jedoch öfter daneben haut, muss schon bald mehrere Instrumente in den Automatikmodus bringen, was manchmal durchaus zu einer Herausforderung wird. Wenn ihr bei einem Instrument zu viele Noten verfehlt oder es zu lange ignoriert, fällt es raus und lässt sich nur mit dem Overdrive retten. Für das Pendant zur Starpower von
Guitar Hero müsst ihr leuchtende Notenfolgen fehlerfrei treffen. Alternativ lässt sich durch Overdrive der Punktemultiplikator, der normalerweise bis fünf geht, auf bis zu elf erhöhen.
Eure Performance wird anschließend mit maximal fünf Sternen bewertet. Im Welttour-Modus, der eure selbst erstellbare Band von dunklen Bars in die Stadienliga begleitet, entscheidet diese Bewertung über Gage und Fans. Vom Geld könnt ihr euch neue Klamotten und Instrumente kaufen, die Fans sind wichtig, um neue Auftrittsorte freizuschalten. Wie genau eure Reise verläuft, bestimmt euer Heimatsort: Eine Band aus Amsterdam spielt erst relativ spät in Amerika, kommt ihr aus Chicago, startet ihr natürlich dort. Ab und zu könnt ihr vor einem Song Wetten abschließen, die euch für eine bestimmte Bewertung belohnen, euch jedoch Geld oder Fans kosten, wenn ihr an der Aufgabe scheitert.
Aftershow-Party
So gelungen der Welttourmodus auch ist, gibt es nach ihm leider nicht mehr viel zu entdecken. Der Multiplayermodus, der bei Musikspielen das Highlight darstellt, wurde komplett weggelassen. Weder lokal noch über das Playstation Network, weder als Band noch als konkurriende Musiker könnt ihr mit anderen Spielern zocken. Es gibt zwar einige Extramodi, z.B. einen Modus, in dem die Instrumente zu keinem Zeitpunkt automatisch gespielt werden, doch die können nicht so sehr motivieren wie die virtuelle Welttour.
Bleiben noch Downloadsongs. Diese kosten etwa 1,50€. Wer die Songs bereits für
Rock Band für Playstation 3 oder Xbox 360 besitzt, muss sie leider erneut herunterladen, sie sind nicht übertragbar. Schlimmer ist jedoch, dass einige Tracks verbuggt sind und in der Songliste andere Downloadsongs quasi unterdrücken. In meinem Fall verhindert "Afterlife", dass ich die anderen Songs spiele, die auch noch in der selben Datei gespeichert sind. So muss man alle Songs löschen und nur die Fehlerfreien wieder herunterladen, wenn man sie spielen möchte. Hier hoffe ich auf baldigen Austausch der fehlerhaften Dateien.
Techniker gesucht
Technisch macht
Rock Band: Unplugged nur wenig falsch. Die Charaktermodelle gehen total in Ordnung. Zwar fällt dem geneigten Musiker bald auf, dass ihre Aktionen wenig mit der gespielten Musik zu tun haben, doch meistens konzentriert man sich als Spieler auf die Noten, weshalb auch das zu verschmerzen ist.
Die 41 Songs (von denen nur "ABC" von den Jackson Five nicht wirklich ins Spiel passt) sind Originalversionen, die (besonders über Kopfhörer) - was die Soundqualität angeht - kaum Wünsche offen lassen. Beim Wechsel zwischen den Instrumenten wird eure Spur etwas verstärkt, so dass ihr das von euch Gespielte besser hört, ohne dass der Rest des Songs zu sehr in den Hintergrund gerät. Vernachlässigte Instrumente werden hingegen schnell leiser, bis sie verstummen. Etwas enttäuschender ist das Publikum, das mehr ein einheitliches Rauschen als eine jubelnde Menge ist.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
