Im Jahr 1987 erschien auf dem Sega Master System der erfolgreiche erste Teil der "Phantasy-Star"-Reihe. In den Jahren darauf folgten bis 1993 insgesamt drei Sequels für das Sega Mega Drive. 2000 veröffentlichte Sega "Phantasy Star Online" für den Dreamcast und setzte somit den Grundstein für Online-Rollenspiele auf der Konsole. 2006 zog man mit "Phantasy Star Universe" für Playstation 2, Xbox 360 und PC nach. Nun geht die Serie mit "Phantasy Star Portable" auf der PSP weiter und folgt damit komplett dem Spielprinzip der Vorgänger, mit einer Außnahme: Das ganze funktioniert nur offline. Wie sehr das an der Wertung nagt und ob das Spiel trotz fehlender Online-Komponente überzeugen kann, lest ihr in unserem Test.
"Hört auf zu labern!"
Die Story von "Phantasy Star Portable" ist so belanglos wie es nur geht: Terroristen und ein gefährlicher Virus bedrohen das Universum und ihr müsst dem Ganzen als Teil der "Guardians", einer privaten Sicherheitsarmee, Einhalt gebieten. Damit wäre eigentlich auch schon alles gesagt. Wer auf der Suche nach einer spannenden Geschichte ist, sollte lieber zu "Final Fantasy VII: Crysis Core" greifen. Aber die neuen "Phantasy-Star"-Teile spielt mah ja eh nicht wegen ihrer Story, sondern aufgrund der Online-Features, doch dazu weiter unten mehr.
Das Problem am neuen PSP-Teil ist jedoch, dass die Geschichte nicht nur unspektakulär ist, sondern auch genau so präsentiert wird. Oder besser gesagt: Sie wird unglaublich nervig präsentiert. Es kommt ständig zu Dialogen zwischen den Charakteren. Gut, das ist normal bei Rollenspielen und macht auch einen gewissen Reiz aus, wenn die Texte denn gut geschrieben sind. Bei diesem Spiel ist das allerdings nicht der Fall. Im Gegenteil: Die Gespräche sind ziemlich belanglos und langweilig, was aber auch daran liegt, dass die Protagonisten nur als Standbilder zu sehen sind. Noch dazu kommt, dass die Dialoge unheimlich lang sind. Wenn ihr den Unterhaltungen ganz genau folgen wollt, sitzt ihr gerne schonmal zehn Minuten einfach nur da und lest oder hört, denn immerhin bietet der Titel eine ganz annehmbare Sprachausgabe. Leider nur in Englisch, wie auch die Untertitel. Mal wieder hat man bei einem PSP-Rollenspiel von einer Lokalisation abgesehen. Wer des Englischen also nicht mächtig ist, kann noch weniger mit den Dialogen anfangen, als der, der diese versteht und vor Langeweile anfängt zu gähnen. Die einzelnen Sätze lassen sich zwar zum Glück wegklicken, komplett überspringen kann man die Kommunikationen jedoch nicht. Hinzu kommt noch, dass euer Held zu keiner Zeit sichtbar ist und auch so gut wie kein Wort sagt.
"Endlich zocken!"
Abgesehen von den zahlreichen, langen und miesen Dialogen bietet "Phantasy Star Portable" natürlich auch noch ein wenig Gamgeplay. Zu Spielbeginn erstellt ihr euch erst einmal einen Charakter. Der Editor bietet dabei genügend Freiheiten bei der Optik. Zudem habt ihr hier natürlich auch die Wahl zwischen verschiedenen Klassen und Rasssen. Ob Nah- oder Fernkämpfer, Mensch oder Maschine: Die Entscheidung liegt bei euch. Außerdem könnt ihr euch eine so genannte "Partner Machinery" aussuchen, welche euch und eure Gruppe in den Kämpfen durch Kampf- oder Heilfähigkeiten unterstützt.
Anstatt frei begehbarer Städte bietet das Spiel nur Menüs, in denen ihr unter anderem Items einkaufen, mit NPC's sprechen und Missionen auswählen könnt. Es gibt sowohl Storymissionen, als auch Sidequests, jedoch unterscheiden sich diese spielerisch fast gar nicht voneinander. Das Prinzip ist im Grunde immer das Gleiche: Ihr kämpft euch von A nach B und müsst manchmal in Seitengängen Schlüsselcodes für ansonsten nicht zu öffnende Türen oder Laserschranken finden. Wem das nicht veraltet vorkommt, der hat wohl die letzten 10-20 Jahre Videospiele-Branche verschlafen. Abwechslung wird hier ganz klein geschrieben. Zwar gibt es auch mal den ein oder anderen Bosskampf - und die Kämpfe sind durchaus ganz lustig - aber Anspruch sucht man hier vergebens. Stures Draufgekloppe und hier und da mal einer Attacke ausweichen: Mehr ist nicht notwendig. Immerhin ist die Gegnervielfalt ganz in Ordnung, sodass man durchaus mal für eine halbe Stunde seinen Spaß haben kann. Blöd nur, dass aus einer halben Stunde dann aber auch gerne mal mehr wird, dank der Dialoge. Dafür funktioniert der Sammeltrieb ganz gut. Ihr seid immer auf der Suche nach besserer Ausrüstung, insbesondere nach effektiveren Waffen, sodass immerhin etwas Motivation zum weiterspielen aufkommt. Dafür ist die KI der Party-Mitglieder jedoch eher dämlich als intelligent. Zwar führt das nicht zum Scheitern in den Missionen, eine wirkliche Hilfe sind die Kollegen aber auch nicht.
"Ich darf nicht online spielen? Menno!"
Aber machen wir uns nichts vor: Im Singleplayer ist die "Phantasy Star"-Serie nunmal seit 2000 kein Hit mehr, dafür aber im Multiplayer. Doch eben genau der wurde beim PSP-Ableger einfach nicht mit eingebaut, zumindest zum Teil. Online-Features gibt es keine. Ein herber Schlag für Fans, die doch so gerne mit anderen Spielern gemeinsam zocken wollen. Zwar kann man das Spiel über Wi-Fi mit Freunden zusammen erleben, aber dazu muss man auch Kumpels haben, die eine PSP besitzen, das Spiel gekauft haben, in der Nähe wohnen und einen Charakter auf der ungefähr gleichen Stufe besitzen. Dass das nicht allzu häufig der Fall ist, dürfte klar sein. Wieso haben die Entwickler also den Online-Modus weg gelassen? Für uns ist das ein Rätsel. Denn der eigentliche Reiz des Spiels fällt somit flach.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Steuerung. Klar, die PSP verfügt nur über einen Analog-Stick, sodass die Möglichkeiten in Sachen Bedienung schonmal eingeschränkt sind. Aber es gibt doch auch Spiele, die es trotzdem schaffen, mit ihrer Steuerung niemanden verrückt zu machen. "Phantasy Star Portable" gelingt das nicht so ganz. Die Kamerakontrolle ist wahrlich misslungen und das Anvisieren von Gegnern ist ein wenig hakelig. Zwar gibt es ein Auto-Zielen, funktionieren tut das jedoch nicht. Fernkampf kann man somit eigentlich vergessen, da man den Gegner nur selten wirklich trifft. Auch die alternative Ego-Perspektive schafft keine Abhilfe, da es auc hier an einer sauberen Umsetzung mangelt.
Technisch ist "Phantasy Star Portable" durchaus solide, aber nicht bahnbrechend. Die Grafik ist nett, die Sprachausgabe ist, wie schon gesagt, gut, die Musik ist typisch japanisch und somit reine Geschmackssache. Hier gibt es weder Grund zu großem Jubel, noch zur Kritik.