Fast zwei Jahre nach dem PlayStation 3-Launchtitel „Resistance: Fall of Men“ erklärt Entwickler Insomniac den „Halo“-Machern erneut den Krieg und präsentiert den zweiten Teil der actiontriefenden Ego-Ballerei. Wer bisher neidisch zu den Xbox 360-Besitzern geschielt hat, kann seinen Adrenalin-Spiegel nun auch auf Sonys PS3 ins Unermessliche steigern.
Die Ereignisse von „Resistance 2“ schließen sich nahtlos an die des Vorgängers an: Nathan Hale wurde von den Aliens infiziert, die im ersten Teil Europa überrannt haben, kann der Krankheit aber noch widerstehen. Die Chimera sind indes kein bisschen friedlicher geworden und planen die Invasion der Vereinigten Staaten. Nach einem kurzen Abstecher nach Island, wo ihr mit der Steuerung vertraut gemacht werdet, kämpft ihr euch fortan durch ein Amerika im Stil der 1950er Jahre. Trotzdem haben es die Entwickler geschafft, euch in jedem Kapitel in gänzlich neue Areale zu verfrachten. So kämpft ihr in amerikanischen Vororten, seid dann plötzlich in einem dichten Wald unterwegs, wenige Minuten später wieder in den Häuserschluchten einer Großstadt oder im Bauch eines Raumschiffs. Hier kann „Halo 3“ in Puncto Abwechslungsreichtum nicht mithalten! Zwar warten in den mitunter großen Umgebungen auch mal unsichtbare Wände auf euch – „Resistance 2“ ist sehr linear, kann dies aber recht gut vertuschen – doch wirklich eingeschränkt fühlt man sich beim Spielen nur selten.
Überirdische Spielbarkeit
Bei der Story hingegen warten keine Überraschungen auf euch. Genreüblich bewegt sich die Geschichte rund um Nathan auf einem sehr flachen Niveau. Die Zwischensequenzen in Spielgrafik sind zwar schön anzuschauen, vom Gehalt jedoch nicht wirklich erwähnenswert. Doch nicht die Story hält euch über die knapp 10 Spielstunden bei der Stange, vielmehr werdet ihr durch das eingängige Gameplay immer wieder zum Weiterspielen motiviert. Wie in aktuellen Actionspielen üblich, gibt es auch in „Resistance 2“ keine Lebenspunkte. Wurdet ihr in einem Gefecht zu stark in Mitleidenschaft gezogen, so reicht eine kurze Verschnaufpause in einer ruhigen Ecke, um eure Energie wieder aufzufüllen. Die Tatsache, dass sich Nathan deutlich schneller um die eigene Achse drehen kann, als andere Ego-Shooter-Helden, sorgt selbst bei Überraschungsangriffen für den nötigen Überblick. Auch beim Waffen-System orientiert man sich an anderen Genrevertretern: Ihr dürft zu jeder Zeit nur zwei der insgesamt zwölf Knarren bei euch tragen. Die Entwickler waren jedoch so freundlich und haben geeignete Schießprügel immer dort positioniert, wo sie euch auch etwas nützen. So findet ihr in weitläufigen Arealen sehr wahrscheinlich ein Sniper-Gewehr, in engen Tunneln hingegen fast sicher eine Schrotflinte. Neben den alten Bekannten hat das Waffen-Repertoire auch einige coole Alien-Knarren zu bieten: Mit dem Splicer zerlegt ihr eure Gegner in handliche Stücke, die Auger markiert eure Widersacher auch durch Wände hindurch. Ebenfalls hilfreich sind die sekundären Feuermodi: Vom Energieschild über Granatwerfer bis zu explosiver Munition – die Alternativbelegungen der Waffen sorgen für die nötige Feuerkraft an Chimera-reichen Tagen. Für absolvierte Spielabschnitte und besondere Leistungen dürft ihr euch außerdem über Trophäen freuen, die ähnlich der Achievements von Xbox Live kurz auf dem Bildschirm erscheinen und später im Profil einsehbar sind.
Einer gegen viele
Ein Bereich in dem „Resistance 2“ ebenfalls glänzen kann, ist das Gegnerdesign. Zwar legt ihr euch häufig mit kleinen Fischen an, das große Highlight sind jedoch die ganz dicken Brocken. Auf einer schwimmenden Plattform stehend mit einem Riesenkraken rangeln oder mit der Silhouette einer Skyline im Hintergrund gegen ein gigantisches Steinmonster kämpfen? Derartige Momente bleiben auch nach dem Durchspielen noch in Erinnerung! Zudem ändert Insomniac durch Gegneraufkommen und Leveldesign immer im richtigen Moment die Stimmung. Nach einem ausufernden Gefecht mit Lufteinheiten und gepanzerten Robotern folgt plötzlich die Durchquerung einer dunklen und mit Zombies übersäten Hotel-Ruine. Die mit Endlos-Batterien ausgestattete Taschenlampe ist gerade in diesen Abschnitten Gold wert!
Rätsel solltet ihr hingegen nicht erwarten. Das Action-Spektakel bleibt bei seinen Stärken und gönnt euch keine Verschnaufpause. In vielen Abschnitten stehen euch aber Mitstreiter zur Seite, die es jedoch irgendwie verblüffend gut verstehen, ständig zu feuern aber dabei nur selten zu treffen.
Kunterbunter Wahnsinn
Bei der Grafik setzt Insomniac auf einen leicht überzogenen Stil, aufgrund des deutlich fieseren Gegner-Designs wirken die Kämpfe aber bei weitem nicht so belanglos wie bei „Halo“ und Co. Die Weitsicht und die Architektur der Spielwelt sind mitunter sehr beeindruckend, gerade in Innen-Levels wirkt die Einrichtung hingegen aber arg simpel. Trotzdem fügen sich alle Bereiche perfekt zusammen und obwohl das Wasser eher wie Quecksilber animiert wurde, passt auch dieser Effekt perfekt zum Grundton der nicht so bierernst zu nehmendem Gesamt-Ausrichtung. Besonders bei den gigantischen Endgegnern fällt die zu jeder Zeit ruckelfreie Grafikdarstellung ins Auge. Egal, wie viel Action auf dem Bildschirm tobt, das Geschehen kommt nicht ins Stocken. Daher kann sich "Resistance 2" gerade noch so einen Grafik-Award verdienen. Mit einer DTS-Soundabmischung kommen Besitzer eines 3D-Soundsystems akustisch ebenfalls voll auf ihre Kosten. Wenn ein Raketenwerfer sich pfeifend den Weg bahnt oder die Schrotflinte laut kracht, wirkt dies sehr befriedigend und selbstwirksam. Die deutsche Synchronisation ist brauchbar, wirkt aber gerade in den zahlreichen Kriegsszenen etwas bemüht. Wer keine schreienden Bürohengste hören will, sollte daher auf die englische Sprachausgabe zurückgreifen, die im Menü anwählbar ist.
Mehrspieler für mehr Spielspaß
Auch „Resistance 2“ verfügt über einen umfangreichen Multiplayer-Part. Neben konkurrierenden Spielmodi wie Team Deathmatch, Deathmatch, Core Control (CtF) und Skirmish für 16 Spieler dürft ihr euch auch in einem Koop-Modus messen. Acht Teilnehmer entscheiden sich darin für eine der drei Klassen (Medics, Soldiers, Special Ops) und treten gemeinsam in ausgewählten Levels an. Die komplette Kampagne lässt sich leider nicht mit Freunden bestreiten. Dafür wartet ein unterhaltsames Gameplay mit Gegnermassen und kleinen Aufgaben auf euch, das ein wenig an „Serious Sam“ erinnert. In beiden Spielmodi verdient ihr Punkte für erledigte Gegner, mit denen ihr euch neue Waffen, zeitweise Boni und neue Gegenstände für euren Kämpfer zulegen könnt. Das Auflevelsystem ist nicht ganz so komplex wie das von „Call of Duty 4“, dürfte Actionfans aber trotzdem spannende Spielstunden verschaffen. Zudem läuft das Spielgeschehen wie auch im Einzelspieler-Modus zu jeder Zeit flüssig, Lags treten nur sehr selten auf.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

