Indiana Jones ist ein alter Hase im Videospielgeschäft: Seit 1982 wurden dem charismatische Peitschenschwinger satte 15 Spiele spendiert, wobei sich allerdings nur die bahnbrechenden LucasArts-Adventures aus den frühen 90er Jahren langfristig einen Platz in den Herzen der Fans sichern konnten. Den vierten Indy-Kinofilm haben die Entwickler von Traveller’s Tales nun zum Anlass genommen, ein weiteres Spiel rund um den Archäologen auf die Beine zu stellen. Wir haben einmal mehr die Peitsche geschwungen und verraten euch, ob „Lego Indiana Jones“ so viel Spaß macht wie seine ruhmreichen Vorgänger.
Mit Lederhut und Plastikpeitsche
Ähnlich wie in „Lego Star Wars“ kämpft und rätselt ihr euch auch bei Indys „legendären Abenteuern“ durch 18 mit Plastikklötzen vollgestopfte Levels, die den Originalschauplätzen der Filme sehr detailgetreu nachempfunden wurden. Da die Entwickler von Traveller’s Tales das Spiel zeitnah zum vierten Kinoauftritt von Dr. Jones in die Händlerregale stellen wollten, blieb ihnen jedoch nichts anderes übrig, als nur die drei Ur-Filme in der Spielumsetzung zu verwursten. Angesichts der durchwachsenen Qualität der jüngsten Indy-Episode sollte man darüber jedoch nicht allzu erzürnt sein: Der Anblick eines greisen Harrison Fords bleibt einem so wenigsten erspart.
Wer schon mal mit den Legorecken in den Sternenkrieg gezogen ist, wird sich bei „Lego Indiana Jones“ schnell zurechtfinden: Indy und seine Komparsen steuern sich beinahe identisch wie Luke Skywalker und Co. Statt mit Lichtschwertern müsst ihr allerding einen Großteil der Kämpfe mit euren blanken Fäusten und eurer Peitsche bestreiten, weshalb ihr ein ums andere Mal im Kugelhagel der Nazis das Zeitliche segnen werdet. Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, die Waffen von toten Feinden aufzusammeln. Der Munitionsvorrat der Schießprügel ist meist aber derart begrenzt, dass ihr selten über längere Zeit um euch ballern könnt.
Mehr Rätsel, mehr Spaß?
Damit „Lego Indiana Jones“ den Filmvorlagen auch gerecht wird, wurde der Rätselanteil im Spiel deutlich nach oben geschraubt. Egal, ob im südamerikanischen Dschungel, in den Hochgebirgen Indiens oder im naziverseuchten Deutschland: Überall müsst ihr verschiedene, einfach gestrickte Denkaufgaben meistern, die allesamt Gebrauch vom Charakterwechsel-Feature machen. Auf Knopfdruck springt ihr zwischen Indiana und seinen Begleitern hin und her, die wie schon in „Lego Star Wars“ mit unterschiedlichen Fähigkeiten ausgestattet sind. Während Indy mit seiner Peitsche elegant über klaffende Spalten schwingt und Shorty sich durch die engsten Tunnel quetscht, kann Willy mit ihrer melodiösen Gesangsstimme selbst das dickste Glas zum Bersten bringen. Da manche Charaktere überdies mit spezifischen Phobien wie beispielsweise der Angst vor Schlangen zu kämpfen haben, ergibt sich eine Vielzahl von unterschiedlichen und dynamischen Rätseln.
Solltet ihr einmal verzweifelt an einer Stelle festhängen und nicht weiterkommen, empfiehlt es sich, eure Umgebung einfach in ihre Einzelteile zu zerlegen: Aus den Trümmern lassen sich häufig nützliche Gegenstände wie Leitern, Kippschalter oder Plattformen bauen.
Klötzchen mit Humor
Aufgelockert wird das Spielgeschehen mit zahlreichen Fahr- und Hüpfpassagen. So brettert ihr mit einer Lore durch eine alte Mine, klemmt euch hinter den Steuerknüppel eines Bombers oder heizt mit dem Motorrad durch Hitler-Deutschland. Allerdings kranken besonders die Jump’n’Run-Sequenzen an einigen unfairen Stellen, da es mitunter recht schwer fällt, den richtigen Absprungpunkt auszumachen.
In technische Hinsicht befindet sich „Lego Indiana Jones“ auf gleichem Niveau mit der „Star Wars“-Reihe, die auch schon mit öden Texturen und teils heftigem Tearing zu kämpfen hatte. Dass man die Zeilenverschiebung auf Kosten der Framerate im Optionsmenü abstellen kann, ist dabei nur ein mäßiger Trost – solche Schlampereien sollten auf einer Next-Gen-Konsole einfach nicht mehr vorkommen. Die Zwischensequenzen sind wieder einmal sehr humorvoll in Szene gesetzt und strotzen nur so vor bissigen Anspielungen auf die Indy-Filme. Seid ihr in Sachen Story nicht sattelfest, werden euch die kurzen Videos allerdings keine große Hilfe sein, da erneut auf eine Sprachausgabe verzichtet wurde.