Vor sechs Jahren erblickten der Lombax Ratchet und sein Robotergehilfe Clank erstmals das Licht der Welt. Das Spiel konnte dank gewitzten Dialogen, reichhaltigem Waffenarsenal und spaßiger Gadgets eine große Fan-Gemeinde um sich scharen, weshalb es sich Insomniac Games nicht nehmen ließ, fünf Nachfolger für PS2 und PSP zu entwickeln. Nun statten die zwei Weltenretter auch der PS3 einen Besuch ab: Ob „Tools of Destruction“ die Serie um neue Aspekte bereichert oder nur Altbekanntes in schönem Gewand auftischt, verraten wir euch in unserem Test.
Der Letzte seiner Art
Das Leben kann so unfair sein: Um nach den Strapazen von „Size Matters“ der Muße zu frönen und endlich mal richtig zu entspannen, lassen sich Ratchet und Clank in der riesigen Stadt Metropolis nieder. Doch gerade als sie genüsslich an ihrem Gleiter herumschrauben, werden sie just von einer Roboter-Armee überrascht, die im Auftrag von Imperator Tachyon über den Planeten herfällt und nur ein Ziel kennt, nämlich dem behaarten Lombax das Fell über die Ohren zu ziehen.
Doch wie kommt es dazu? Ratchet ist das letzte Überbleibsel der einst so stolzen und technikversierten Zivilisation der Lombaxe, die die zerstörerische Rasse von Imperator Tachyon – die Cragmiten – vom Antlitz der Galaxis bannte, um Frieden und Wohlstand zu erhalten. Das findet Tachyon gar nicht gut und schreit nach Vergeltung: Er will den letzten Lombax für die Taten seines Volkes büßen lassen. Folglich heißt es für Ratchet erstmal, die Füße in die Hand zu nehmen und von dem überrannten Planeten zu türmen. Im Verlauf der 20 abwechslungsreichen und kunterbunten Levels gilt es nun, dem Imperator Knüppel zwischen die Beine zu werfen, um ihn von seinen finsteren Machenschaften abzuhalten.
Waffen, jede Menge Waffen!
Egal, ob in einer modernen Metropole, in verfallenen Lombax-Ruinen, in Sümpfen oder Tachyons Kampfarena – stets beharkt Ihr eure Widersacher in bekannter „Ratchet & Clank“-Manier mit allerhand abgefahrenen Argumentationsverstärkern. Anfangs müsst Ihr euch noch mit eurem Schraubenschlüssel begnügen, dem es aber eindeutig an „Rumms“ fehlt. Schon besser ist da der Sturmwerfer, der einen Orkan vom Stapel lässt, der verheerende Schäden in den gegnerischen Reihen anrichtet. Keine Lust, selbst zu ballern? Kein Problem, lasst eure Gegner von einem aggressiven Bienenschwarm zerpflücken. Das 16 Ballermänner umfassende Waffenarsenal lässt kaum Wünsche offen, zumal Ihr die Waffen an Upgrade-Stationen oder durch häufigen Gebrauch auch noch verbessern und euren Wünschen anpassen könnt.
Wem das noch nicht genügt, dem stehen serientypisch noch zahlreiche Geräte und Apparaturen zur Verfügung, um sich den Weltenretter-Alltag zu erleichtern und die Feinde zu dezimieren. Beispiel gefällig? Wenn Ihr die Groovitron genannte Discokugel aktiviert, schwingen eure Gegner herrlich animiert das Tanzbein und vergessen bei ihrer Partylaune die von euch ausgehende Gefahr. Tierliebenden Zockern sei der Transmorpher ans Herz gelegt, der selbst die ekligsten Widersacher in schnucklige Pinguine verwandelt.
Fallschirmspringen ohne Fallschirm
Der Fokus des Spiels liegt ganz klar auf der Action. Zwar wurden hier und da einige Hüpfpassagen und Rätselelemente eingestreut, diese gehen aber über ein banales Niveau kaum hinaus und werden euer Können beziehungsweise eure grauen Zellen kaum überanstrengen. Damit es nicht zu eintönig wird, haben die Entwickler das Spielgeschehen mit diversen Minispielen aufgelockert. So klemmt Ihr euch im Weltraum hinter den Steuerknüppel eures Raumgleiters und liefert euch Schlachten, die frappierend an „Lylat Wars“ erinnern. Darüberhinaus gibt es Sequenzen, bei denen Ihr Ratchet wie einen Fallschirmspringer im freien Fall via bewegungssensitiver Steuerung um Raketen oder Autos herummanövrieren müsst, um ihn sicher auf dem Boden landen zu lassen.
Sollte eine Tür oder ein Durchgang mal zu eng sein für euren Lombax, schlüpft Ihr in die blecherne Haut eures Gehilfen Clank. In vorgegebenen Passagen kann der Miniatur-Roboter die Zori dirigieren, ein mysteriöses Volk, das Gegenstände reparieren, die Zeit verlangsamen oder Clank schweben lassen kann – „Overlord“ lässt grüßen. Im Gegensatz zum Rest des Spiels fehlt es den Solo-Abschnitten von Clank aber an Dynamik und Pepp. So gut gemeint diese Auflockerungen auch sind: Sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass für Serienkenner wenig Neues geboten wird; das Spielgefühl unterscheidet sich kaum von dem der Vorgänger.
Überirdische Aufmachung
Zwar wird Insomniac Games keinen Innovationspreis gewinnen – was dem Gameplay aber an frischen Ideen fehlt, macht das Spiel mit einer bombastischen Präsentation wett: Atemberaubende Weitsicht, schön animierte Charaktere und ein Effektfeuerwerk sondergleichen zeigen, was die PS3 zu leisten im Stande ist. Die herrlichen Dialoge während der schönen Zwischensequenzen bieten allein schon genug Anreiz, um sich von Level zu Level zu hangeln. Soundtechnisch leistet man sich ebenfalls keine Schnitzer: Die Musikuntermalung ist top und die deutsche Synchro geht auch in Ordnung.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
