Die populäre Lego-Reihe geht in die nächste Runde. Diesmal feiern Batman und Robin ihren nächsten großen Auftritt und müssen Gotham City vor allen nur erdenklichen Übeltätern beschützen, die das DC-Universum in den letzten Jahrzehnten hervorgebracht hat. Lego Batman 2: DC Super Heroes kann mit zahlreichen tollen Rätselpassagen begeistern, bringt ganz im Gegensatz zum Equipment des dunklen Rächers aber auch das ein oder andere technische Problem mit sich.
Chaos in Gotham City
Der Joker hat sich mal wieder verzockt. Nachdem der fiese Clown Bruce Waynes Auszeichnung zum "Mann des Jahres" an sich gerissen hat, macht Batman kurzen Prozess und bringt den Verbrecher wieder hinter Gittern. Unerwartet bekommt der Schurke aber die Unterstützung eines anderen kriminellen Super-Genies: Lex Luthor. Gemeinsam befreien die Gesetzesbrecher die restlichen Insassen Arkham Asylums und stellen die ganze Stadt auf den Kopf. Kaum gönnt sich das schwarz-rote Team also eine Verschnaufpause, ruft auch schon wieder die Pflicht.
Diesmal müsst ihr als Spieler selbst in einer frei begehbaren Stadt für Recht und Ordnung sorgen. Via Batmobil, Batbike oder anderen freischaltbaren Vehikeln rast ihr von Ort zu Ort, um der Story zu folgen, die zahlreich verstreuten Secrets zu entdecken oder optionalen Bossen auf die Mütze zu hauen. Sollte euch mal ein Weg zu weit sein, könnt ihr eines der vielen Terminals benutzen, um euch direkt zu einem anderen Ort auf der Karte zu teleportieren.
Aus dem Weg!
Die Highlights in
Lego Batman 2: DC Super Heros sind, wie beim Vorgänger auch, die Hauptmissionen. Hier müsst ihr euren Grips einsetzen um kleinere Rätsel zu lösen und so von einem Levelabschnitt zum nächsten voranzuschreiten. Interessant wird das durch Spezialanzüge, die Batman und Robin bestimmte Fähigkeiten verleihen, und die es clever einzusetzen gilt. Mit dem Tarn-Anzug kann sich die Fledermaus zum Beispiel unsichtbar machen und durch bestimmte Wände sehen, während andere Outfits ihren Träger mit Superstärke oder einem Schutz vor Elektrizität ausstatten. Batmans Helfer hat selbstverständlich ebenfalls einiges auf dem Kasten und kann beispielsweise Wasser zum Gefrieren bringen oder mit seinem Stab an beinahe unerreichbare Orte gelangen.
Wie für die Lego-Reihe üblich, sind diese Missionen mit einem zweiten Spieler im Hinterkopf gebastelt worden. Allerdings müsst ihr für das spaßige Mehrspielerabenteuer einen Freund nach euch zu Hause einladen, denn auch 2012 ist TT Games scheinbar nicht auf die Idee gekommen, einen Online-Modus in das Spiel einzubauen. Natürlich kann
Lego Batman 2 auch alleine genossen werden, indem ihr mittels einem von ganzen fünf verschiedenen Buttons zwischen den Charakteren wechselt. Wer sich mit einem KI-Spieler abfinden muss, spart jedoch nicht gerade an Zeit und wird sich das ein oder andere mal die Hand aus Fremdscham vors Gesicht halten müssen. Computergesteuerte Figuren nehmen sich nämlich eine Ewigkeit Zeit, um euch zu folgen, stehen euch auf engem Raume ständig im Weg und lassen sich von Gegnern nach allen Regeln der Kunst vermöbeln.
Theorie, hui! Praxis, Pfui!
Wäre die KI das einzige Problem des Spiels, wäre
Lego Batman 2 noch immer ein absoluter Top-Titel. Die Realität sieht aber leider ein wenig anders aus. Euer Abenteuer in Gotham City überzeugt zunächst durch kreativ gestaltete Denkpassagen und aberwitzige Zwischensequenzen, in denen Robin stets auf dem Hintern landet und Batman aus Neid vor Supermans Fähigkeiten beinahe in Rage gerät. Nach und nach offenbaren euch aber immer mehr Probleme, die ein auf dem Papier tolles Gesamtpaket über weite Strecken ruiniert.
Den Anfang macht die Vertonung der Figuren, die im Englischen genau den richtigen Ton trifft. Im Deutschen ist die Synchronisierung aber stellenweise zu comichaft. Gerade dem Joker will man am liebsten ein Kissen in den Hals stecken, um sich vor seinem schrillend hohen Gejaule zu schützen. An anderen Stellen wiederum versteckt sich der Sinn des Gesagten geradezu hinter einer schlichtweg falschen Betonung. Glücklicherweise bleibt der Witz und Charme der Zwischensequenzen trotz der suboptimalen deutschen Stimmen bestehen. Doch nicht alle Mäkel in
Lego Batman 2 sind kosmetischer Natur.
Was? Wo? Wie?
Sobald euch die Freiheit der Großstadt anlächelt, startet das große Rätseln. Das Spiel macht sich nämlich nicht die Mühe, euch genau zu erklären, wie ihr von Ort zu Ort kommt oder wo ihr überhaupt hin sollt. Die Bedeutung der meisten Zeichen auf der Karte müsst ihr erraten, und selbst wenn ihr versteht, was das Spiel euch sagen will, bleibt das Fragezeichen bestehen. Die Navigation durch Gotham City gleicht einer blinden Reise durch ein Labyrinth. Eine Minimap steht euch leider nicht zur Verfügung. Lediglich ein Kompass, der euch die Himmselsrichtung verschiedener unbekannter Symbole anzeigt, befindet sich zur Orientierung am oberen Bildschirmrand. Selbstverständlich könnt ihr euren genauen Aufenthaltsort auf der großen Karte im Menü ablesen, doch auch hier wird euch nicht verraten, in welche Richtung ihr eigentlich blickt.
Schafft ihr es wie durch Wunder dann doch zur nächsten Mission, dürft ihr euch wieder auf gepflegte Rätselkost freuen. Im Einzelspielermodus unterhalten euch die Abschnitte aber nicht lange. Da euch in jedem Gebiet immer nur eine kleine Anzahl an Kraftanzügen zur Verfügung steht, ist des Rätsels Lösung meist offensichtlich. Es ist das Gefühl der Teamarbeit, das das Erlebnis so besonders macht. Mit einem KI-Kollegen dürft ihr euch, wie bereits geschildert, aber schon fast auf das Gegenteil einstellen. Die oft ungeschickte Kameraplatzierung macht das Spiel auch nicht spaßiger, und die stellenweise schlampig gestalteten Level, in denen ihr an bestimmten Stellen festhängen könnt, setzt dem ganzen dann die Krone auf.
Fehler ohne Konsequenzen
Hin und wieder werdet ihr beim Schalterdrücken und Wassergefrieren von einigen Handlangern überfallen, die ihr durch das Vermöbeln der Viereck- bzw. X-Taste in dutzende kleine Lego-Teile zerhaut. Interessanter oder anspruchsvoller werden die Kämpfe im Verlauf des Spiels nicht. Mit Sicherheit zielt
Lego Batman 2 unter anderem auf ein etwas jüngeres Publikum ab, das mit komplexeren Eingabemechanismen vielleicht überfordert wäre. Auf der anderen Seite ist es aber nicht so, dass falsche Eingaben großartig bestraft werden. Sollte das letzte Herz eurer Lebensenergie zerplatzen, erscheint euer Charakter einfach mit minimal weniger Lego-Steinchen erneut. Eine Strafe für schwache Performance gibt es nicht. Wieso also nicht einen Schritt weiter beim "Kampfsystem" gehen?
Während den Rätselpassagen unterstützt die sanfte und verzeihende Natur des Titels zwar den Spielfluss, die gelegentlich auftretenden Rail-Shooter-Einlagen werden dadurch aber jeglichem Sinn beraubt. Wo liegt der Spaß im Zielen auf euch beschießende Gegner, wenn ihr selbst nicht sterben oder verlieren könnt? Nicht einmal auf eine ablaufende Uhr müsst ihr in diesen Spielabschnitten achten. Die Schießbuden-Parts bestehen also lediglich darin, eure Ziele so lange im Fadenkreuz zu halten, bis die ünnötig lange Sequenz zuende ist.
Habt ihr
Lego Batman 2 erst einmal richtig verstanden, gibt es viel zu entdecken und freizuschalten. Auf dem Weg dahin verderben euch all die technischen und spielerischen Probleme aber nach und nach die Lust. Die Interaktion zwischen den Figuren ist trotz fragwürdiger Vertonung aberwitzig, rettet das Spiel aber nicht vor der Mittelmäßigkeit. Lediglich zu zweit könnt ihr über die meisten Mäkel des Titels hinwegschauen und das exzellente Herzstück des Spiels genießen.