Manchmal lohnt sich das Warten. Im Falle des im Oktober 2010 erschienenen Fallout: New Vegas bedeutet das eine Ultimate Edition, die nicht nur sämtliche Patches des Hauptspieles enthält, sondern auch alle bislang erschienenen Bonusinhalte. Besser kann man kaum ins Mojave-Ödland einsteigen, oder?
Lesetipp vorab: Da wir hier unser Hauptaugenmerk auf die Zusammenstellung selbst legen wollen, solltet ihr für Informationen zum Hauptspiel unseren Test zu
»Fallout: New Vegas konsultieren. Dort erfahrt ihr alles nötige über das Gameplay, was wir hier nur anreißen können - Wiederholungen gibt es im TV schließlich schon genug.
Das volle Paket Fallout
Fallout: New Vegas Ultimate Edition ist unverändert ein Endzeit-Rollenspiel westlicher Prägung mit offener Spielwelt. Ihr schlüpft in die Rolle eines Kuriers, der bei einer Lieferung gefangen und hingerichtet wird. Dass da mehr dahintersteckt als nur "Pech gehabt", daran lassen eure Angreifer keinen Zweifel. Grund genug, dass ihr euch - nachdem ihr aufgelesen und wieder zusammengeflickt wurdet - zur Verfolgung der Schurken aufmacht. Die Reise führt quer durch das Mojave-Ödland zum Strip von New Vegas und letztlich zu einer Schlacht um den Hoover-Damm. Unterwegs bekommt ihr es mit unterschiedlichen Fraktionen zu tun, für die ihr Missionen erfüllen könnt oder die es zu bekämpfen gilt.
Sobald ihr die Einleitung und die Erstellung eures Charakters hinter euch gebracht habt und von Doc Mitchell in die Welt entlassen wurdet, werden sämtliche Bonusinhalte sofort verfügbar gemacht. Dieses umfasst die vier Erweiterungen
Dead Money,
Honest Hearts,
Old World Blues und
Lonesome Road sowie die Zusatzinhalte
Gun Runners Arsenal und
Courier’s Stash. Die letztgenannten beiden Pakete enthalten vornehmlich neue Waffen und Ausrüstungen - ersteres fügt das Arsenal der Waffenschieber hinzu, letzteres alle zuvor per Vorbestellung erhaltenen Extras. Einiges an Ausrüstung erhaltet ihr vom Start weg - Neulinge kann es durchaus irritieren, dieses gefüllte Inventar vorzufinden. Die Erweiterungen fügen neue Abschnitte hinzu, die ihr durch bestimmte Tore in der Spielwelt erreichen könnt. Das geht zwar von Anfang an, ihr solltet jedoch beachten, welches Mindestlevel der Hinweis vor Betreten dieser Bereiche empfiehlt. Jede der vier Erweiterungen erhöht eure maximale Levelbegrenzung (das Levelcap) um fünf Stufen, so könnt ihr euren Charakter nun bis Stufe 50 aufleveln.
Dead Money
Bei der Verfolgung eines Radio-Signals in einen verlassenen Bunker der Bruderschaft werdet ihr betäubt und erwacht an einem unbekannten Ort. Eure Ausrüstung ist weg und ein Hologramm erklärt euch, dass ihr für ihn in das sagenumwobene Sierra-Madre-Casino einsteigen sollt. Am Tag dessen Einweihung begann der nukleare Krieg, so dass es niemals eröffnet wurde und nun in der Zeit eingefroren ist. Verhandeln könnt ihr mit Vater Elijahs Hologramm nicht, denn ihr tragt ein Halsband, das mit Sprengstoff bestückt ist.
Das ganze Areal ist in roten Nebel gehüllt, der euch auch Schaden zufügen kann. Gerade im Hardcore-Modus erfordert das zügiges Voranschreiten. So macht ihr euch auf den Weg, ein Team zusammenzustellen, um aus dieser Welt zu entkommen. Die Entwickler haben einige nette Ideen in
Dead Money integriert, wie etwa die Explosionsgefahr des Halsbands durch Radioquellen in der Polizeistation. Ausserdem gibt es neue Waffen und Ausrüstungsgegenstände zu finden.
Honest Hearts
Über die Nordpassage gelangt ihr in
Honest Hearts mit der Happy-Trails-Karawane in den Zion-Nationalpark in Utah. Ihr solltet allerdings nicht zuviel Ausrüstung bei euch tragen, da die Reise einer Gewichtsbeschränkung unterliegt. Kaum vor Ort angekommen werdet ihr schon von einem wilden Stamm angegriffen, der das zerklüftete Felsmassiv geschickt zum Vorteil zu nutzen versteht.
Neben dem Stamm der Weißbeine machen euch hier vor allem wilde Tiere das Leben schwer. Die Wegfindung in diesem Areal ist alles andere als einfach, aber mit der Zeit kriegt ihr da auch ein Gespür für. Ihr werdet viel auf Botengänge geschickt und müsst helfen, die Menschen zu evakuieren, um selbst wieder in die Mojave-Wüste zurückkehren zu können.
Old World Blues
Im Mojave-Drive-In ist ein Satellit abgestürzt, der stets um Mitternacht auf Sendung geht. Aktiviert ihr diesen, wird euch die Geschichte von der Forschungsanlage Big Mountain erzählt, bevor ihr euch genau dort wiederfindet. So ganz unversehrt seid ihr jedoch nicht - ihr tragt einen Patientenkittel und habt gerade eine Lobotomie hinter euch. Euer Hirn ist ersetzt durch Teslaspulen und auch andere Körperteile fielen ähnlichen Ersetzungen zum Opfer. Wobei: So schlecht ist es nichtmal, macht euch die neue Ausstattung doch weit weniger empfindlich. Und auch eure Ausrüstung ist euch immerhin erhalten geblieben.
Bei der Erkundung macht ihr Bekanntschaft mit einigen Roboterhirnen, die euch auf die Mission schicken, ihren Feind - Möbius - auszuschalten... und dabei euer Gehirn wiederzubeschaffen. In
Old World Blues bekommt ihr es entsprechend mit Cyberhunden, durchgedrehten Lobotomisierten und anderem kruden Gegnervolk zu tun. Das macht diese Erweiterung zu einer interessante Abwechslung angesichts der sonst üblichen Zombie-Addons anderer Spiele, welche stellenweise über abartig-witzige Dialoge zwischen den Roboterhirnen verfügt. Da fühlt man sich (fast) schon an GLaDOS aus
»Portal erinnert.
Lonesome Road
Die vierte Erweiterung stellt quasi den Abschluss der Handlung dar. Hierbei trefft ihr auch auf den Kurier, der den Transport des Platinchips abgelehnt hatte, der die gesamten Ereignisse von
Fallout: New Vegas in Gang gesetzt hat. Um rauszufinden, was da genau hintersteckt, begebt ihr euch in die Kluft - ein Relikt der alten Welt. Es geht durch ein altes Raketensilo in eine Militärbasis bei Hopeville.
Ihr bekommt es auf eurem Weg nicht nur mit Wachrobotern und Geschütztürmen zu tun, sondern auch mit den Gezeichneten. Das sind Menschen, die von den radioaktiven Winden der Kluft förmlich die Haut vom Leib gerissen gekriegt haben. Begleiter dürft ihr auf die
Lonesome Road nicht mitnehmen, ihr trefft aber bereits im Silo eine neue ED-E. Ausserdem erinnert das Waffen-Arsenal stark an
»Dead Space - ihr greift etwa zu Schweißbogengeräten und Nagelpistolen, um euch der Gegner zu erwehren.
Lasst das Blut spritzen
Als
Fallout: New Vegas Ende Oktober 2010 hierzulande erschien, kam es nur mit einigen Schnitten in den Handel. So fehlten abgetrennte Körperteile, desintegrierende Körper und Blut generell in dem USK-18-Titel. Für die ultimative Zusammenstellung bekam der Publisher aber tatsächlich grünes Licht für eine ungeschnittene Fassung. Vermutlich hat Bethesda das Spiel mit viel Ehrgeiz durch die Prüfung gepeitscht, um mit dem "100% Uncut"-Slogan ein weiteres Verkaufsargument für Besitzer des Hauptspieles zu haben. Passend dazu ist sicherlich auch, dass die Verpackung über ein Wendecover verfügt, um den USK-Sticker wirkungsvoll zu verbannen.
Technisch habt ihr immer noch
Fallout: New Vegas vor euch, welches auf einer leicht aufgemotzten Version der Engine von
»Fallout 3 läuft; einem Spiel, das mittlerweile über drei Jahre auf dem Buckel hat. Das merkt man besonders der Grafik deutlich an. Dennoch ist die Atmosphäre nach wie vor stimmig und das Mojave-Ödland wird euch sicherlich in seinen Bann ziehen können. Der Engine kommt hier zu Gute, dass sie ein wüstes Ödland und nicht ein farbenfrohes Südsee-Setting auf den Bildschirm bringen muss. Unscharfe Texturen, viel verödetes Land ohne Leben - was sonst ein Kritikpunkt ist, ist hier auch Teil der Atmosphäre.
Nach Release strotzte das Endzeit-Rollenspiel nur so vor Bugs und Problemen, die mitunter auch zu zerstörten Spielständen führen konnten. Die gute Nachricht ist sicherlich, dass
Fallout: New Vegas Ultimate Edition bereits alle bisherigen Patches enthält und somit diese Probleme nicht mehr auftreten. Fehlerfrei ist das Spiel aber auch so noch nicht ganz, im Test kam es vereinzelt zu massiven Slowdowns, Abstürzen und Tonaussetzern.
Gerade die Tonaussetzer sind dabei besonders schade, denn klangtechnisch wird meisterliches geboten. Stimmige Musik im Stil der 60er Jahre und knackige Soundeffekte - leider fehlt es bei der Abmischung etwas an Druck und Positionierung im Raum. Das machen dann aber die Sprecher wett:
Fallout: New Vegas ist vollständig eingedeutscht. Das mag für Fans der englischsprachigen Synchro (bei der unter anderem Ron Perlman, Michael Dorn, Felicia Day und Will Wheaton dabei sind) bedauerlich sein, für viele andere ist es ein echter Glücksfall. Allerdings entspricht die Synchro nicht immer unbedingt dem Text der Einblendungen - manchmal ist die Synchro erweitert, mal der Text. Das lässt sich aber durchaus verschmerzen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
