Die Ereignisse nach »Saints Row 2 haben die Gang träge werden lassen - Zeit, dass sie jemand aufweckt! Und genau das geschieht in Saints Row: The Third. Allerdings spielt die Handlung diesmal in einer komplett neuen Stadt, an der nahezu maßlos überzogenen Action hat sich jedoch nichts geändert. Im Gegenteil, denn hier geht es richtig abgedreht zur Sache!
Dead Gangsters
Mit den Masken toter Präsidenten Banken überfallen kann jeder - die Third Street Saints sind da ein wenig selbstverliebter und greifen auf überdimensionale Masken von Johnny Gat zurück. Und so beginnt
Saints Row: The Third direkt mal mit einem chaotischen, aberwitzigen Bankraub, wie ihn nur Johnny Gat, Shaundi und der erneut namenlose Hauptcharakter begehen können! Dabei haben die Gangster das nichtmal mehr nötig, sind sie doch mit ihrer eigenen Marke dick im Geschäft: Klamotten, Energy-Drinks und allerlei anderer Krams geht mit Saints-Logo über die Tresen und macht die Gang zu einer Berühmtheit, Autogramme für die Fans inklusive. Der Überfall ändert das schnell: Die Bank gehört niemand geringerem als Syndikats-Boss Phillipe Loren. Und der will einen Anteil am Erfolg der Saints. Dieses Angebot unterbreitet er dem Trio in seinem Privatjet, nachdem der Überfall am Sicherheitsdienst der Syndikats-Bank gescheitert ist. Klar, dass die Saints da nicht mitspielen und es zu einer wilden Auseinandersetzung im Flieger - und auch ausserhalb dessen - kommt. So stellt das neue
Saints Row schon in den ersten Minuten klar: Realistisch geht es hier nicht zu, stattdessen wird auf völligst überzogene Action und allerlei Zoten gesetzt.
Da der Charakter erneut nicht festgelegt ist, könnt ihr ihn ganz nach euren Wünschen gestalten: Ihr legt im Editor Geschlecht, Hautfarbe und allerlei andere Merkmale fest. Dabei seid ihr kein bisschen auf Realismus festgelegt: Ihr könnt
Saints Row: The Third als fieser Gangster, vollbusige Schönheit oder auch als grüner Hulk-Verschnitt spielen. Oder eine grüne, vollbusige Gangsterbraut? Oder... naja, ihr versteht schon, es gibt eine Menge irrwitziger Möglichkeiten. Wie auch im Vorgänger seid ihr nicht auf eure Anfangswahl festgelegt: Im Spiel könnt ihr jederzeit zum Schönheitschirurgen gehen und euren Charakter komplett ummodeln, auch eine Geschlechtsumwandlung ist dabei jederzeit drin.
Nach der Befreiung aus dem Flieger landet ihr zusammen mit Shaundi in Steelport, einer Stadt mit riesiger Stahlindustrie, welche von Loren kontrolliert wird. Zudem verfügt die auf mehrere Inseln angelegte Stadt noch über ein eigenes Atomkraftwerk, Wohngebiete und auch einiger Einkaufs- und Rotlichtmeilen.
Saints Row: The Third gibt sich also recht abwechslungsreich mit seinem neuen Schauplatz. Als erster Rückzugspunkt in der neuen Stadt dient die Bude eines Ex von Shaundi. Hier fällt die erste Neuerung auf: Statt in euren Verstecken an bestimmten Punkten etwa auf den Kleiderschrank oder eure Waffenkammer zuzugreifen, habt ihr jetzt alles über ein Menü im Griff. Das erweist sich gerade bei größeren Domizilen als enormer Vorteil, da ihr nicht mehr wissen müsst, wo im Gebäude nun das Arsenal-Icon ist. Darüber greift ihr dann auch auf die Garage oder, wenn das Gebäude über einen solchen verfügt, den Hubschrauberlandeplatz zu. Ebenfalls praktisch: Sobald ihr ein Vehikel ausgewählt habt, sitzt ihr direkt am Steuer. Eine echte Verbesserung. Schade ist nur, dass sich die Verstecke nicht mehr so sehr ausbauen lassen wie im Vorgänger. Einige können in zwei Stufen ausgebaut werden, an die Möglichkeiten von
Saints Row 2 kommt dies jedoch nicht ran. Zudem fehlt auch die Möglichkeit, bereits absolvierte Missionen erneut zu spielen - das Konzept wirkte im Vorgänger eindeutig durchdachter.
Hot in the city
Bevor wir uns in eine Mission stürzen, wollen wir erstmal die neue Stadt erkunden. Also treten wir vor die Tür und rennen direkt mal auf den ersten Wagen zu, den wir sehen. Wir stellen fest: Wenn wir rennen und dann die Einstiegstaste drücken, macht sich der Charakter garnicht erst die Mühe, die Wagentür zu öffnen. Stattdessen wird das Fahrzeug durch die Scheibe betreten - cool. Einen Schnelleinstieg gab es in
Saints Row 2 schließlich nur per Glitch, indem man auf dem Fahrzeug stand und dann eingestiegen ist. Sitzt noch jemand am Steuer, darf natürlich ein lässiger Spruch nicht fehlen - ein knappes "
Don't be a hero." stellt die veränderten Besitzrechte schnell klar und lässt uns direkt mal grinsen. Das Handling der Fahrzeuge geht sehr locker und "arcadig" von der Hand, von Trägheit keine Spur. Dafür aber von Ordnungshütern: Leider hat direkt mal ein Cop unsere kleine Aktion beobachtet und wir dürfen das Fahndungssystem aus erster Hand kennenlernen. Es gibt einmal den Fahndungslevel der Polizei und den anderer Gangs. Beide können bis zu fünf Stufen ansteigen und je höher diese ist, desto härter geht die jeweilige Partei gegen euch vor. Im Fall der Ordnungshüter geht das bei einfachen Streifenpolizisten los, über Helikopter mit Scharfschützen weiter und endet beim Einsatz des Militärs, die direkt mal mit Panzern anrücken. Euer Fahndungslevel senkt sich mit der Zeit selber, wenn ihr nicht warten wollt, sucht ihr einfach ein Geschäft oder Domizil auf, dass sich in eurem Besitz befindet.
Nach der Erkundungstour durch die Stadt widmen wir uns dann den ersten Missionen. Das geht, ganz modern, per Handy, das per Tastendruck schnell erreicht ist. Die Storymissionen sind herrlich abgedreht und sorgen dafür, dass die Situation in Steelport mehr und mehr außer Kontrolle gerät. Habt ihr es zunächst nur mit dem Syndikat und deren untergeordneten Gangs zu tun, kommt später eine Militär-Initiative namens STAG ins Spiel, die einige futuristische Vehikel und Waffen mitbringt. Spätestens mit ihnen eskaliert die Lage in der Stadt dann auch völlig! Allerdings waren die Auseinandersetzungen mit den Gangs in
Saints Row 2 noch um einiges persönlicher und boten richtig fiese Aktionen, was hier nicht mehr der Fall ist. Stattdessen wird voll auf die überzogene Action gesetzt sowie den pubertären Humor der Serie (Nacktheit, Gummipuppen, Dildos). So folgt nach dem "Besuch" eines BDSM-Clubs eine Verfolgungsjagd auf Kutschen, die von menschlichen "Pferden" gezogen werden. Auch die Zahl der reinen Railshooter-Missionen wurde erhöht, also den Missionen, in denen ihr einfach am Geschütz etwa eines Helikopters sitzt. Details wollen wir euch nicht spoilern, aber welches Spiel schafft es schon, einen Panzerfight im freien Fall, Zombies, Burt Reynolds, einen Ausflug in den Cyberspace im
Tron-Look, Wrestling, ein Kettensägen-Massaker, futuristische Waffen und Hover-Vehikel in einer einzigen Storyline zu vereinen?
Überall in der Stadt verteilt gibt es unterschiedliche Aktivitäten, die ihr starten könnt. Die meisten sind bereits aus dem Vorgänger bekannt, etwa Vandalismus oder Abgreifen. Zudem gibt es jetzt auch Panzer-Vandalismus und
Professor Genki's Super Ethical Reality Climax. Letzteres ist eine Spielshow, bei der ihr in einer Arena gegen Gegner antreten und auf der Hut vor Fallen sein müsst. Für erfüllte Aktivitäten gibt es dann Geld und Respekt. Durch die Handlung, gerade gegen Ende, verändert sich das Stadtbild ein wenig. Einige Herausforderungen und Aktivitäten sind nach dem Abschluss der Kampagne unnötig erschwert. So etwa der Autodiebstahl, wo in unserem Test immer mal wieder das Zielfahrzeug direkt zerstört wurde und nur mehrmaliges Neuladen des Spielstandes Abhilfe schaffen konnte. Auch ein anderes Fahrzeug könnt ihr später nur noch schwerlich auftreiben.
Augmentierte Gangster
Das Handy hat in
Saints Row: The Third noch einige weitere Funktionen, es fungiert unter anderem als Zugriff auf die Karte, bietet euch Nebenmissionen, Zugriff auf Einnahmen aus den Geschäften in eurem Besitz und Verbesserungen für euren Charakter und eure Bande. So könnt ihr mit entsprechendem Respekt-Rang und genügend Barschaft eure Gesundheit erhöhen, Munitionskapazitäten erhöhen (bis zu unendlicher Munition) und dergleichen. Ausserdem erreicht ihr über das Handy Saintsbook, ein soziales Netzwerk für Gangster. Dies dient als Anlaufstelle für die Attentats- und Fahrzeugklau-Missionen. Ausserdem geben verschiedene Charaktere noch spezielle Herausforderungen heraus, etwa eine bestimmte Anzahl Gegner per Kopf- oder Eierschuß zu töten und vieles mehr. Durch die Erledigung erlangt ihr auch wieder Respekt und Geld.
Mit der Zeit füllt sich eure Waffenkammer mit immer mehr netten Spielzeugen. Konventionellere Naturen greifen zu herkömmlichen Knarren, Maschinenpistolen und Gewehren, während Rambos vielleicht eher den Raketenwerfer bevorzugen oder einen Luftschlag. Wer es abgedrehter mag, greift zu dem Molluskenwerfer: Dieser verschießt einen Oktopus, der einen getroffenen Gegner dazu bringt, seine Kameraden zu attackieren. Als Zusatzfunktion könnt ihr den armen Oktopus dann auch noch in die Luft jagen und so einige zusätzliche Zerstörung anrichten. Später kommen noch Waffen aus dem Cyberspace hinzu, zudem gibt es den Penetrator - eine Mischung aus Dildo und Baseballschläger. Einige der Waffen lassen sich im Waffenshop
Friendly Fire in mehrere Stufen aufrüsten, damit sie mehr Schaden anrichten, schneller feuern oder mehr Munition im Magazin haben können. Viele der neuen Waffen - so etwa der RC Possessor, mit dem ihr Fahrzeuge fernsteuern könnt - kommen auch in den Missionen zum Einsatz, abseits dessen sind sie dagegen nur wenig zu gebrauchen.
Bei den Fahrzeugen gibt sich
Saints Row: The Third serientypisch... zumindest zu Beginn. Ihr stoßt auf die bekannten Fahrzeugtypen, die es auch im Vorgänger schon gab. Egal, ob Auto, Motorrad, Boot, Jetski, Flugzeug oder Helikopter - könnt ihr euch hinter's Steuer klemmen, könnt ihr es auch nutzen. Aber auch "Fun-Vehikel" gibt es auf den Straßen zu entdecken, so etwa einen Van mit einem großen Johnny Gat-Vorbau, der sogar über einen Flammenwerfer verfügt. Wem das nicht reicht, der sollte die Story soweit spielen, dass STAG in Erscheinung tritt - diese bringen nämlich nochmal neue Fahrzeuge mit, die äusserst futuristisch daherkommen. Wie auch im Vorgänger könnt ihr auf in eurer Garage geparkte Fahrzeuge an jedem Domizil zugreifen, ebenso wie beim Tuning-Händler
Rim Jobs. Und ebenso könnt ihr ein Fahrzeug der Garage entnehmen, es im Fluss versenken und das Vehikel ganz gemütlich wieder aus der Garage zurückholen. Sowohl Garage, Bootsdock, Hubschrauberlandeplatz und Flugzeughangar basieren auf diesem äusserst praktischen Prinzip.
Angerostete Technik
Angesichts aktueller Glanzstücke wie
»Uncharted 3 oder
»RAGE gewinnt die Grafik von
Saints Row: The Third kaum einen Blumentopf. Selbst bei den Spielen mit offener Spielwelt hat man schon schickeres gesehen,
»Just Cause 2 und natürlich
»Grand Theft Auto IV fahren technisch gänzlich andere Kaliber auf. Und doch schafft die Engine einige nette, atmosphärische Momente und bringt die Action ganz gut auf den Bildschirm. Auch die Animationen sind alles andere als die aktuelle Referenz, sie funktionieren aber ganz gut und verschaffen mit dem Grafikstil zusammen dem Spiel einen gewissen Comic-Charakter. Ungefähr so verhalten sich Begleiter und auch die Gegner dann: Die KI ist mitunter einfach nur strunzdumm und leistet sich manche beknackte Aktion. Zum Glück sorgt das allerdings selten für Frust. Das tut auch der Sound nicht. Zwar ist die Abmischung nicht wirklich Spitzenklasse und auch der ein oder andere Sound-Bug tritt noch auf, dafür stimmt aber die Auswahl. Sowohl bei den Sprechern (unter anderem Ex-Pornostar Sasha Grey, Ex-Wrestler Hulk Hogan und Burt "Bandit" Reynolds) als auch beim Soundtrack, der erneut variantenreich ausgefallen ist. So gibt es im Radio 80er-Jahre-Sound, Hip-Hop, Metal oder auch klassische Werke. Zudem lässt sich wieder aus den ganzen Songs ein eigenes Mixtape erstellen, so dass nur eure Lieblingsmusik zu hören ist.
Im direkten Vergleich mit
Saints Row 2 fällt negativ auf, dass einige Features entfernt wurden. So gab es im Vorgänger die Möglichkeit, Missionen zu wiederholen - gestrichen. Man konnte Automaten-Poker und -Blackjack spielen - gestrichen. Das ist insofern schade, da über zig Häusern Leuchtreklamen darauf hinweisen, dass es diese Aktivitäten im Inneren gäbe... nur sind die Gebäude nicht betretbar. Und wenn sie es mal, wie etwa der Stripclub
Technically Legal, sind, bedeutet es meist, dass es dort nichts zu tun gibt - kein privater Lapdance, kein Rumhuren, nichts dergleichen. Nichtmal 'nen Drink könnt ihr kippen. Sicher waren auch im Vorgänger nicht alle Gebäude betretbar und voller kleiner Aktivitäten, aber doch mehr als in
Saints Row: The Third. Es gibt in der Stadt abseits der Story einfach weit weniger zu entdecken. Viele Aktivitäten wurden gestrichen, unter anderem Septischer Rächer, Prügeleien, Security oder auch Destruction Derby und Autorennen. Das weckt natürlich auch die Befürchtung, dass THQ da per (kostenpflichtigem) DLC noch nachlegt. Das alles lässt den Eindruck eines abgespeckten
Saints Row 2 aufkommen, eine Art Basis-Paket. Hier wäre eher der Ausbau der Möglichkeiten, statt deren Einschränkung, wünschenswert gewesen.
Deutschland und die Community
Wer sich an die Schnitte in der deutschen Fassung von
Saints Row 2 erinnert, wirdbesorgt auf den Deutschland-Release von
Saints Row: The Third blicken. Allerdings zu Unrecht: Die BRD-Fassung musste für das 18er-Rating nur geringfügige Änderungen über sich ergehen lassen. So können Passanten nicht mehr als menschliches Schutzschild herhalten, zudem wird die Polizei schneller auf den Plan gerufen, wenn ihr Zivilisten attackiert. Weiterhin wurde der Whore-Mode entfernt, eine Art Horde-Modus, in dem ihr euch Wellen an Gegnern stellen müsst. Vorsicht: Im Koop ist die deutsche Fassung nicht mit der internationalen Version kompatibel! Wollt ihr also mit Freunden losziehen, solltet ihr das in eure Kaufentscheidung einbeziehen!
Über die offizielle Webseite soll
Saints Row: The Third noch einige Community-Features bieten: Mit einem Account dort könnt ihr euren Charakter aus dem Spiel dort hochladen und anderen Spielern zum Download zur Verfügung stellen. Und natürlich euch am Pool der von anderen Spielern zur Verfügung gestellten Charaktere bedienen. Weitere Features sollen folgen, etwa umfangreiche Statistiken und Einblicke, was eure Freunde gerade in Steelport so treiben. Auch können über die Kamera des Handys im Spiel Screenshots erstellt werden - der Upload funktioniert auch bereits, ihr könnt allerdings noch nicht über die Seite auf die Screens zugreifen. Wann diese (und auch die weiteren angekündigten) Features zur Verfügung stehen werden, ist bislang nicht bekannt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
