Einen ganzen Monat vor dem deutschen Kinostart erscheint bei uns das Spiel zum neuen Superheldenfilm Captain America: The First Avenger unter dem Titel Captain America: Super Soldier. Bei uns erfahrt ihr, ob der Entwickler Next Level das Spiel auf eben jenes bringt oder uns doch nur eine dahingeschluderte Filmumsetzung liefert.
Wer bin ich und was mach ich hier?
Angesichts der Tatsache, dass der Film erst in einem Monat erscheint, befürchtet vielleicht mancher Spieler, dass ihm durch das offizielle Spiel zu viel verraten wird. Wir können euch aber beruhigen:
Captain America: Super Soldier schubst euch mitten in das Geschehen, ohne Wissen (sofern ihr euch nicht vorher woanders schlau gemacht habt), warum ihr Captain America seid oder auch, ob das ganze Geschehen nach dem Film, irgendwann währenddessen oder davor spielt.
Nach einer Tutorial-Mission in einem Schützengraben in Frankreich springt ihr als Captain America alias Steve Rogers über Bayern aus einem Flugzeug und bewegt euch das ganze Spiel über in einem frei begehbaren Schloss und dessen nähere Umgebung. Dem im Film von Matrix-Bösewicht Hugo Weaving dargestellten Red Skull begegnet ihr im Spiel zwar auch, euer Gegenspieler ist jedoch in erster Linie Dr. Arnim Zola, der in der Verfilmung ebenfalls auftritt. Euer Ziel ist es, euch durch das Schloss zu kämpfen, eure gefangenen Verbündeten zu befreien und der Nazi-Terrorgruppe „Hydra“ nicht in die Hände zu fallen, da diese aus Captain Americas Körper das ihm verabreichte Superserum gewinnen möchte. Nach dem Auswählen eines der drei Schwierigkeitsgrade (beim schwersten regeneriert sich eure Energie nicht mehr) startet ihr in das 40er Jahre Szenario und somit in das Abenteuer.
Ein gelungenes Kampfsystem
Der Fokus von
Captain America: Super Soldier liegt ganz klar auf den Kämpfen, welche außerordentlich gelungen sind. Das System erinnert sehr stark an
»Batman: Arkham Asylum mit seiner Dynamik und immer wieder einsetzenden Zeitlupen. Per X und dem linken Analogstick rollt ihr um Gegner herum oder springt über sie hinweg, um sie von hinten zu attackieren, Mit R2 werft ihr euer Schild. Drückt ihr zuvor L2, könnt ihr das Ziel des Schildes manuell in den Fokus nehmen. L1 lässt Steve seinen runden Schild schützend vor sich halten, für eine etwas offensivere Art des Schutzes führt er per Kreistaste Konter durch oder greift sich direkt Feinde mit der Dreieckstaste bzw. deren Schild oder Waffe. Greift Rogers danach nochmal nach dem Gegner, wirft er diesen Judo-mäßig über die Schulter. Mit der Viereckstaste teilt er ordentlich mit Händen und Fäusten aus. Hat er einen Gegner zu Fall gebracht, kann er ihn – sofern er nicht schon besiegt ist – ebenfalls wie in Batman mit einem Takedown am Boden ausknocken.
Der Captain hat noch so manchen anderen coolen Move drauf, von denen ihr ein paar noch freischalten müsst. Z.B., dass euer Schild von vier oder gar fünf Gegnern abprallt, bevor es zu euch zurückfliegt. Spaßig ist es auch, einen Feind – besonders bei großen Brocken – bei der Waffe zu packen und mit seinem Schießeisen, während ihr ihn vor euch haltet, unter seinen Kameraden aufzuräumen. Ebenso spaßig ist es, die Schüsse eurer Gegner auf sie zurück zu lenken. Auf dem Display eingeblendete Linien schieben sich langsam übereinander und wenn sie eine weiße Linie bilden bedeutet dies, euer Feind hat euch nun genau im Visier – drückt ihr in diesem Moment Blocken, schleudert ihr das Geschoss auf den Angreifer zurück.
Das Ausweichen, Kontern, abwehren und Besiegen von Gegnern füllt eure Fokusleiste, während wiederum das Benutzen von Fokusattacken eure Gesundheit wieder auflädt. Diese Angriffe machen auch Laune, wenn der Captain mit einem Schildschlag auf den Boden mehrere Gegner umhaut oder per nett benanntem „Crippling Strike“ mit seiner Faust oder auch den Füßen in Zeitlupe sowie Nahaufnahme dem Gesicht oder anderen Regionen eures Gegenübers Saures gibt. Neben den Distanzattacken per Schildwurf begegnen euch an bestimmten Stellen auch Geschütze, mit denen ihr eure Feinde mit explosiven Geschossen beharken könnt.
Außer Kämpfe fast nur Krämpfe
Gerne würden wir euch mitteilen, dass der Rest von
Captain America: Super Soldier ebenso gut ist wie das Kampfsystem, aber hier herrscht leider Fehlanzeige: Ihr rennt durch relativ steril aussehende Abschnitte, schwingt euch ab und an von Pfahl zu Pfahl über Abgründe – wobei nur euer Timing zählt, alles andere macht das Spiel für euch, ihr müsst also nur die Abläufe aktivieren – und sammelt Haufenweise Objekte ein. Hierbei handelt es sich um Filmrollen, die anschaubare Dokumentationen eures Feindes beinhalten, aber auch Keramikeier (…) sowie andere Objekte (Bierkrüge, etc.) und Dossiers, die ihr an logischen Stellen wie Liegen in Gefängniszellen findet und eigentlich an jeder Ecke auf dem Boden. Solche Tatsachen wie auch der zuschaltbare 3D-Effekt und bergeweise erspielbarer Trophies machen den Eindruck, dass das Game von seinem unfertigen Zustand als recht durchschnittliches Lizenzspiel ablenken will.
Ihr begegnet immer wieder gleichen Situationen, wenn ihr an einer Tür, einem Mechanismus oder einer Rakete ein Panel von der Wand nehmen und dahinter mit den beiden Analogsticks zwei Drähte zusammensetzen müsst (was besonders lächerlich ist, wenn ihr euch so aus einer Zelle befreien müsst) oder auch die allseits bekannten unknackbaren Enigma-Apparate, die als Türschlösser dienen, knacken sollt: Hierfür müsst ihr lediglich zwei Zahlenwirrwars, die sich links und rechts auf dem Bildschirm befinden, mit den zwei Analogsticks so zur Mitte bewegen, dass sich die gleichen Zahlen (oder Buchstaben) übereinander befinden. Und wie in den Akrobatikabschnitten folgt ihr beim Durchforsten des Schlosses schlicht den gelben Markierungen um zu sehen, wo ihr als nächstes hin müsst. Wisst ihr dann mal doch nicht weiter, aktiviert ihr per Steuerkreuz oben die „Cap-Vision“, damit nochmal alles wichtige zusätzlich deutlich gelb hervorgehoben wird. Weiterhin hilft euch die per Select einblendbare Karte bei der Orientierung.
Die Grafik von
Captain America: Super Soldier ist auch eher durchwachsen, wirklich schlecht sieht sie nicht aus, könnte teilweise aber doch der Last-Gen bzw. nicht einmal besonders beeindruckend aussehenden Spielen der letzten Generation entspringen. Hinzu kommt, dass das Game von Anfang bis Ende dauerruckelt. Immerhin machen die Charaktere optisch etwas her, von der Gestik wie auch der Mimik, besonders Captain America, der Chris Evans sehr ähnlich sieht. Übrigens leihen verschiedene Schauspieler der Vorlage im englischen Original ihrem Videospiel-Konterpart die Stimme, was natürlich besonders beim Hauptcharakter positiv hervorsticht. Recht belustigend sind die Nazis, die sich untereinander auf Englisch mit deutschem Akzent unterhalten und ab und an etwas unbeholfen deutsche Worte einfließen lassen. Habt ihr eure Konsole auf Deutsch gestellt, bekommt ihr eine deutsche Synchronisation zu hören. Diese ist zwar nicht wirklich schlecht, fällt aber weniger spektakulär aus und kommt ohne Originalsprecher aus. Im Deutschen wurden dann Begriffe wie „Hail Hydra“ durch „lang lebe Hydra“ verharmlost, um das naheliegende Zweiter-Weltkrieg-Szenario noch etwas mehr zu verfremden. Darüber hinaus werden Wortfetzen in der deutschen Synchro ab und an abgehackt.
Die Charaktere kommen in
Captain America: Super Soldier alle recht sympathisch daher, sei es nun der Captain oder sein Sidekick Bucky – der schon damals im ersten Comic so eine Art Robin an der Seite von Captain America darstellte – und auch andere Mitstreiter ihrer Einheit. Nur scheint es, diese werden im Film ausführlich vorgestellt und nun gehen die Entwickler davon aus, dass ihr sie schon kennt. Durch so eine fehlende Einführung ist es einem dann natürlich nicht so wichtig wie dem Protagonisten, einen bislang nur namentlich bekannten Charakter aus einem Kerker zu befreien.
Free Roaming, Challenges und andere Boni
Die Kapitel des Spiels wirken recht geradlinig, doch ihr könnt jederzeit vor und zurück gehen, weshalb es sich um ein Open World Setting handelt. Habt ihr das Spiel beendet, könnt ihr das Schloss und die Umgebung (welche während der Story zu verschiedenen Tageszeiten erstrahlen) des Nachts erkunden und restliche Collectibles einsammeln. Viel mehr gibt es dann nicht mehr zu sehen außer zerstörbare Statuen, explosive Containter (die in eure Statistik einfließen), die Missionen könnt ihr leider nicht nochmal angehen. Falls keine Gegner mehr herum rennen und euch aber noch Punkte fehlen für Extras wie freischaltbare Kostüme, solltet ihr euch den Challenges widmen: Bis auf zwei Sammelmissionen, wobei eine von diesen das Buschlabyrinth des Schlosses aus einer ungewöhnlichen Vogelperspektive zeigt, drehen sich die Challenges um das gelungene Kamfsystem, weshalb diese zusätzlichen Herausforderungen also die Langzeitmotivation etwas erhöhen. Habt ihr 25.000 Punkte erreicht, könnt ihr Steve Rogers gar das Originalkostüm aus dem Comic überstreifen.
Gerade in einer Challenge, in der ihr Artefakte einsammeln und gleichzeitig Gegner bekämpfen müsst, fällt dann auch wieder die Unfertigkeit des Lizensspiels auf: Wird die Kreistaste zum Aufheben des Objekts angezeigt, greift der Cap manchmal schlicht in die Luft anstatt das Objekt aufzuheben oder greift lieber mal nach einem Feind.