Pixars neuer Animationsstreifen Cars 2 steht in den Startlöchern. Wie es sich für einen Film aus dem Hause Disney gehört, wartet zeitgleich natürlich auch das Videospiel in den Regalen der Händler. Betrachtet man die Geschichte der Filmversoftungen, mag der geneigte Videospieler vielleicht schon jetzt mit den Augen rollen. Die Liste an Softwaregurken mit Filmlizenz ist nahezu endlos. Kein gutes Vorzeichen für Cars 2? Wir haben dem Disneyspiel eine faire Chance gegeben und den Titel auf Herz und Nieren geprüft.
Was stellt ein Entwicklungsstudio mit einer Disney-Filmlizenz an? Während sich die meisten Filmumsetzungen im Jump & Run Bereich ansiedeln, dürfte bei
Cars 2 der Fall wohl recht schnell klar gewesen sein. Ein Fun-Racer muss es sein. Schließlich bieten sich die niedlichen Autos um Lightning McQueen geradezu für eine Hetzjagd mit allerlei Gimmicks an. Mit über 30 spielbaren Autos macht Disney auch regen Gebrauch von der Charaktervielfalt des Films.
Wieviel Film steckt im Spiel?
Mit der Geschichte des Films hat das Videospiel zu
Cars 2 nur sehr bedingt etwas zu tun. Zumindest spielt die Agentenvereinigung CHROME eine bedeutende Rolle im Spiel. Für diese absolviert ihr diverse Einsätze in unterschiedlichen Spielmodi. In der Karriere werden die Spielmodi bunt gemischt, um der Eintönigkeit vorzubeugen.
So gibt es neben den einfachen Rennen, die mit und ohne Items gespielt werden, auch einige Spezialrennen. In der Arena ist es eure Aufgabe, möglichst viele Gegner mit Extras aus dem Rennen zu pusten. Im Überleben-Modus wird der Spies umgedreht. Dort müsst ihr euren Schutzschild möglichst lange aufrecht erhalten, indem ihr die Batterien auf der Strecke aufsammelt und den feindlichen Projektilen ausweicht. Ein dritter sehr interessanter Modus ist „Angriff“. In diesem spielt ihr gegen die Zeit. Für jeden vernichteten Gegner erhaltet ihr aber einige Bonussekunden.
Disney lässt es krachen
Wie sich anhand der Spielmodi schon erahnen lässt, kommt der Actionanteil bei
Cars 2 nicht zu kurz. Die verfügbaren Waffen wie Raketen, MGs oder auch der Einsatz einer Ölspur sorgen immer wieder für Belebung auf der Rennstrecke. Auch die sonstige Steuerung hat einiges zu bieten. So müssen die Spieler neben dem Einsatz der Items auch das Driften und den Einsatz von Stunts auf dem Schirm behalten. Beides ist für das erfolgreiche Absolvieren der Karriere auch unumgänglich. Denn durch spektakuläre Umdrehungen oder Überschläge in der Luft erhöht sich euer Turbo-Balken, der leicht schnell Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Zu den Stunts, die einen Hinzugewinn des Turbobalkens bedeuten, zählen auch das Einlegen des Rückwärtsgangs oder das Fahren auf zwei Rädern. Ganz schön komplex für einen Fun-Racer. Ohne Turbo ziehen die gegnerischen Fahrzeuge jedenfalls rasch an euch vorbei und ihr habt das Nachsehen. Ein wenig Zeit solltet ihr also schon für die Einarbeitung in die Feinheiten von
Cars 2 investieren.
Auch die Strecken selbst sorgen für viel Abwechslung. Ganz wie beim hauseigenen
»Split/Second verändern sich die Strecken von Zeit zu Zeit. So sorgen die riesigen Baukräne hin und wieder für ein paar Hindernisse auf der Strecke.
Hardcoregame im Casualgewand?
Obwohl die Steuerung in der Tat recht komplex ist, kann man
Cars 2 nicht als ein klassisches Spiel für die Hardcoregemeinde einstufen. Die Geschwindigkeit des Spiels ist im Vergleich zu den Konkurrenztiteln geringer, so dass auch Einsteigern der Anfang leicht fällt. Das umfangreiche Tutorial macht den Spieler zudem ausreichend mit den Möglichkeiten des Spiels vertraut. Ob Kinder – die mutmaßliche Zielgruppe des Spiels – mit diesem Titel aber auf Dauer glücklich werden, darf zumindest bezweifelt werden.
Cars 2 beinhaltet doch ziemlich viele Möglichkeiten, die für den Fortschritt im Spiel auch benötigt werden. Hier könnte sich bei jungen Spielern schnell Frust einstellen.
Spaß zu viert
Kern eines jeden Fun-Racers ist und bleibt natürlich der Mehrspielermodus, über den natürlich auch
Cars 2 verfügt. Ein Einstieg ins Spiel ist jederzeit möglich, auch in der Karriere. Gemeinsam lassen sich die Agentenpunkte, die man zu Freischalten von neuen Gimmicks benötigt, auch viel schneller sammeln. Den Verantwortlichen bei Disney ist wohl klar, dass es sich bei Spielen dieser Art am besten gemeinsam vor einer Konsole spielt. Folgerichtig hat Disney auch einen Splitscreenmodus für bis zu vier Spieler integriert. Dass man dafür einen Online-Modus komplett ignoriert, ist dennoch absolut unverständlich. Schließlich hat Nintendo mit
»Mario Kart Wii schon vor geraumer Zeit bewiesen, dass Fun-Racer auch online immer mal wieder eine schnelle Runde wert sind.
Ein weiterer Fauxpas ist das Fehlen einer Minimap. Diese hätte für mehr Orientierung auf der Rennstrecke gesorgt. So weiß der Spieler zwar auf welcher Position er sich befindet, aber nicht wie weit die Abstände zu Vorder- und Hintermann sind. Es ist schon eigenartig, dass Disney diesen Genrestandard einfach so ignoriert hat.
Der Film im Spiel
Wie schon erwähnt, lehnt sich
Cars 2 höchstens in Grundzügen an die Story des Films an. Dennoch hat es sich Disney logischerweise nicht nehmen lassen, einen Großteil der Charaktere ins Spiel zu übertragen. Grafisch bekommt der Spieler hier keine Spitzenkost geboten, aber immerhin solides Mittelmaß. Dafür dürfen wir uns über die Implementierung der Originalstimmen freuen. Jedes Vehikel kommt mit frechen Kommentaren des Synchronsprechers aus dem Film daher. Besonders viel Zeit für Tonaufnahmen scheinen die Sprecher allerdings nicht gehabt zu haben. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass sich die Kommentare der Figuren ständig wiederholen und dem Spieler schon nach kurzer Zeit auf den Keks gehen.