Die Lego-Welle bricht nicht ab: Nur einen Monat nach »Lego Star Wars III: The Clone Wars erschien zeitgleich mit dem Kinostart des vierten Pirates Of The Caribbean Films das Game, welches alle vier Streifen in der Bauklotz-Variante spielbar macht. Leiert sich die Reihe langsam gänzlich aus oder lohnt sich ein Ausflug in die Lego-Welt noch immer?
Yo ho, yo ho, a pirate's life for me!
Die Jahre ziehen schnell ins Land. Acht sind es an der Zahl, die seit dem Film
Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (zu deutsch schlicht:
Fluch der Karibik) vergangen sind. Im Mai 2011 startete der vierte Film mit dem Untertitel „
Fremde Gezeiten“, und das erste Mal seit dem ersten
Lego Star Wars Spiels erfolgte der Launch des Lego-Games nur minimal früher als besagter Filmstart. Bei diesem Gedanken dämmert natürlich in manchem Gamer die Angst, dass es sich um eine übereilte Filmumsetzung handeln könnte. Doch wir können euch beruhigen, wie alle Spiele um die Bauklötze richtet sich auch
Lego Pirates of the Caribbean: Das Videospiel nach der bewährten Formel der Vorgänger, geht (fast) keine Kompromisse ein und ist die beste Filmversoftung, die um die Piraten zu haben ist.
Inzwischen dürfte jedem Videospiel-affinen Menschen klar sein, wie sich die Lego Games spielen: In spaßigen, nicht zu schwierigen Levels haut ihr alles kurz und klein, sammelt Legosteine, passiert Orte, an die ihr noch nicht gelangen könnt, die später aber im freien Spiel mit anderen Charakteren und ihren Fähigkeiten erreichbar sind. Auch das Zusammenspiel der Figuren ist diesmal wieder von großer Bedeutung, weshalb wie immer der Co-Op Modus am meisten Freude bereitet.
Arrr!
Die Story von
Lego Fluch der Karibik: Das Videospiel folgt bekanntermaßen den Filmvorlagen. Im ersten Teil geht ihr also gegen Barbossa und seine verfluche Crew an. Teil zwei und drei bieten eine zusammenhängende Geschichte, in der es keine Seltenheit ist, wenn Tote mal eben wieder auferstehen und Tentakelgesicht Davy Jones der Widersacher ist. Teil vier folgt einer in sich geschlossenen Story, obwohl es sich hierbei um den ersten Teil einer neuen Trilogie handelt, mit Blackbeard als Antagonist bei der Suche nach der Quelle der Jugend. Wer die Filme nicht gesehen hat, wird der pantomimischen Darstellung der Geschichte – trotz toll gemachter Holzschnitt-Erklärungen in manchen Videosequenzen – kaum folgen können, da Text-Infos über die Ereignisse im Gegensatz zu
Lego Star Wars am Anfang der Level wegfallen.
Auch, wenn man nicht das Entwickler-Interview zu diesem Thema gesehen hat, wird einem beim Spielen einer neuen Marke im alteingesessenen Lego-Franchise einigermaßen klar, wie Traveller's Tales hier vorgeht: Es geht schlicht darum, die Essenz des jeweiligen Universums einzufangen – wie Weltraumschlachten bei Star Wars. Auch diesmal ist diese Mission erfolgreich gelungen, weshalb ihr nun auf und in vielen Piratenschiffen unterwegs seid, mit Jacks Kompass während der Level nach Schätzen sucht, schwimmt, taucht oder gar den Meeresgrund besucht.
Weitere neue Fähigkeiten sind die Möglichkeit, an speziellen Wänden oder auch Leitern hinaufzuklettern, euch von diesen an behangene Decken weiter zu hangeln, an Lianen zu schwingen oder diese hinaufzurobben. Dass ihr an Stäben, die aus der Wand hervorragen, elegant entlang schwingen könnt und auch auf Latten balanciert, weckt des Öfteren Erinnerungen an einen gewissen persischen Prinzen. Es ist jedoch auf jeden Fall wünschenswert, dass all diese neuen Fertigkeiten auch in den nächsten Lego-Games Einzug finden. Übrigens sind spezielle Fähigkeiten diesmal nicht ausschließlich mit den zugeordneten Charakteren möglich – findet ihr entsprechende Items wie einen Hammer, verfluchte Goldmünzen oder beispielsweise Schaufeln, kann auch ein Schwertkämpfer reparieren, als Skelett am Meeresgrund wandern oder nach Schätzen buddeln.
Der größte Vorzug der Lego-Games, die wunderbar eingefangene Atmosphäre der Vorlage, offenbart sich auch wieder in
Lego Pirates of the Caribbean: Das Videospiel. Euch erwartet eine zeitgemäße, hübsch anzusehende Grafik mit Seemanns- und Urlaubsfeeling sowie akkurater Darstellung der Charaktereigenschaften von Figuren wie Jack Sparrow mit seiner verrückten, etwas tuckigen Art sich zu bewegen.
Piraten vs. Sternenkrieger
Beim Betrachten des Spiels offenbart sich ein Phämomen, welches so schon bei
Lego Star Wars: Die Komplette Saga beobachtet werden konnte: Viele Fans können nicht viel mit der neuen Star Wars Trilogie anfangen, lieben aber die alte – dass sich beide in der Lego-Version zu einem stimmigen, homogenen Bild zusammenfügten, wird aber kaum einer abstreiten können. Die in den Augen des Testers misslungenen Teile zwei und drei von Pirates of the Caribbean werden im Spiel also wie der gelungene erste und vierte Teil der Reihe zu einem sehr unterhaltsamen Unterfangen. Selbst das nicht ganz so spektakuläre Finale von Fremde Gezeiten wirkt in
Lego Pirates of the Caribbean: Das Videospiel imposanter, indem es einen abrundenen Bosskampf daraus bastelt.
Im direkten Vergleich mit dem letzten Monat veröffentlichten
Lego Star Wars III: The Clone Wars oder besagter
kompletter Saga, fallen noch andere Unterschiede auf. Innerhalb der Story-Level werden euch im Piratenabenteuer mehr außergewöhnliche Ideen begegnen, wie ein immer stärker hin und her schaukelndes Schiff, auf dem ihr euch befindet, ein Level in dem ihr in aus Knochen gebauten, runden Käfigen umher kugelt oder einen Kampf auf einem durch den Wald rollenden Wasserrad ausfechtet.
Stechen diese Elemente mehr hervor als bei manch anderen Lego-Games, machen sich andere Beschäftigungen im Piratenspiel rar: Es gibt kein Equivalent zu den Bodenschlachten aus
Clone Wars oder Minikit-Missionen aus
The Complete Saga. Ihr könnt lediglich mit den Minikit-Booten in der Hub-Welt, „der Hafen“ – eine Zusammenfassung verschiedener Locations wie Port Royal oder der Voodo-Sümpfe – im Wasser herumtuckern und Kanonenkugeln damit abfeuern. Dabei hätte sich bei einem Piratensetting ein Schiffschlacht- oder Fahrtmodus ideal angeboten – hier zeigt sich dann doch etwas, dass das Game rechtzeitig zum Filmstart fertig werden musste, für solche Extras also keine Zeit mehr blieb. Mehr Bugs als bei anderen Lego-Games wie ab und an unverständlich lange Ladezeiten – die manchmal an derselben Stelle dann plötzlich nicht vorhanden sind, lassen ebenfalls einen übereilten Eindruck zurück. Löblicherweise kann man im Free-Play sowie auch im Hub bei Gedrückthalten der Charakter-Wechseln-Taste aus der gesamten Palette aller Figuren auswählen. Solche Neuerungen kündigt das Spiel leider nicht an, weshalb dies im Test eine Zufallsentdeckung war.
Ob die Anzahl der Level beim Termindruck auch eine Rolle spielte, darüber kann nur spekuliert werden. Zwar hat ein Film bei
Lego Pirates of the Caribbean: Das Videospiel nur fünf anstatt sechs Level wie es bei Star Wars der Fall war. Jedoch bekommt man nicht das Gefühl, irgendeine Situation zu verpassen, weshalb es sich eher so anfühlt, als ob die Filme nicht mehr hergaben. Für die 20 Level könnt ihr zwischen acht und zehn Stunden einplanen, für das Einsammeln der Extras aber natürlich wieder einiges mehr. Wie im letzten Monat veröffentlichten Lego Game wurden auch bei
Pirates of the Caribbean Abstriche gemacht, z.B. beim Charakter-Editor, der nur wenige Bauteile zu bieten hat oder neuerdings das Wegfallen einer Anzeige der bisherigen Spielzeit im Hub.
Für die ganze Familie, Tendenz steigend
Was dem Spielspass zuträgt, ist dass man beim Aktivieren von Mechanismen oder Bauen nicht mehr attackiert werden kann wie schon bei
Lego Star Wars III. Abgesehen von solchen Erleichterungen sind die Rätsel diesmal etwas komplexer geraten als bei früheren Lego-Spielen. Zwar keine wirklich großen Kopfnüsse, aber eine Steigerung.
In der Darstellung jedoch wird der Fokus mehr auf Tauglichkeit für jüngere Spieler gelegt. So werden zu Erhängende nur zur Schau gestellt und mit Gemüse beworfen, Erschossene werden „nur“ von Hand zerlegt, Rum wird zu Tee und selbst tragische Heldentode humorvoll dargestellt, was einen Gegensatz zu den zwar auch etwas überspitzt dargestellten, aber kaltblütigen Morden oder Sterbeszenen in den ersten Lego Games darstellt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
