So scharf habt ihr die kurvige Archäologin noch nie erlebt: Crystal Dynamics und Square Enix bringen euch dieser Tage drei der begehrtesten Tomb Raider-Titel auf einer Bluray Scheibe, und das in einer 720p Auflösung: Tomb Raider: Legend, Tomb Raider: Anniversary und den neuesten Teil Tomb Raider: Underworld. Lohnt sich eine Anschaffung der storytechnisch zusammenhängenden Trilogie und wie gut haben die beiden älteren Games den Sprung ins HD-Zeitalter überstanden? Erfahrt es in unserer Review!
Am Anfang war eine Legende...
Beim Einlegen der Disk wird so mancher Gamer positiv überrascht: Keines der Spiele benötigt eine Installation. Im Hauptmenü könnt ihr dann die
Tomb Raider-Titel auswählen oder euch Kommentare der Macher zu den jeweiligen Spielen in Bonus-Videos ansehen. Den Anfang der Sammlung macht
Tomb Raider: Legend, der älteste Teil der Sammlung – mal vom Fakt abgesehen, dass das später erschienene
Tomb Raider: Anniversary auf Teil 1 der Reihe beruht.
Legend werdet ihr mit Sicherheit am schnellsten beenden, doch wie man auch an der damals durchgehend positiven Resonanz auf das Spiel nach dem vergeigten
»Tomb Raider: Angel of Darkness sehen kann, liegt hier in der Kürze die Würze: In einer unterhaltsamen Story schickt euch
»Tomb Raider: Legend an die verschiedensten Locations, wie Innen- und Außenbereiche eines modernen Gebäudes in Japan, verschneite Landschaften in Kasachstan und Nepal, aber auch grüne Gefilde wie Bolivien und Westafrika, oder auch das trockene Peru. Die acht Level schließt ihr in unter zehn Stunden ab, die sich um einiges leichtfüßiger gestalten als die teilweise doch recht beklemmenden anderen beiden auf der Disc enthaltenen Games.
Anniversary und
Underworld setzen stark auf Isolation, die ist hier durch den ständigen Funkkontakt mit den beiden Kollegen Zip und Alister nicht gegeben.
Seit der Xbox 360-Version des Spiels hat sich nicht allzu viel getan, die Steuerung könnte immer noch präziser sein, um Frust vorzubeugen, und grafisch schwankt
Tomb Raider: Legend in der HD-Version zwischen ganz hübsch und recht hässlich – man merkt dem Game einfach an, dass es mit der Last-Gen im Hinterkopf entwickelt wurde. Licht- und Schatteneffekte können sich dennoch sehen lassen und in Anbetracht seines Alters ist
Tomb Raider: Legend ziemlich detailverliebt und bietet weiterhin viele freischaltbare Goodies wie Kostüme und Cheats. Eine Erkundungstour durch Laras Zuhause, einer ansehnlichen Villa, erfreut zudem auch immer wieder. Gerade hier lässt sich allerdings ein Makel in der Konvertierung des Games feststellen: Jedes Mal, wenn ihr die Villa betretet, müsst ihr euer Equipment neu einsammeln – früher musstet ihr das nur ein Mal am Anfang des Spiels tun und habt dann bei jedem Betreten des Hauses alles im Gepäck. Diese Aufhebung lässt sich in gewissem Maße auf allen drei auf dem Datenträger befindliche Spiele bemerken, und zwar in dem Kontext, dass beispielsweise die Untertitel oder auch Invertierung der X- und Y-Achse ständig wieder aufgehoben werden, obwohl jeweils extra ein Speicherslot für solche Einstellungen angelegt wird. Eingesammelte Schätze hingegen bleiben immerhin verschwunden und gelten dauerhaft als gefunden.
Ein weiterer Makel, den alle drei Spiele teilen, sind die langen Ladezeiten beim Betreten eines Levels und bei
Tomb Raider: Legend sogar beim Laden eines Checkpoints, der sich beispielsweise im selben Raum befindet, in dem ihr gerade den Bildschirmtod erlitten habt. Ruckelige Videosequenzen zeugen weiterhin von einer noch nicht vollends optimierten Umsetzung des fünf Jahre alten
Tomb Raider: Legend. Nichtsdestotrotz bleibt die Archäologin in diesem Serienteil Indys größte Konkurrentin und hängt, wie Micha damals im Test richtig feststellte, den persischen Prinz noch mit Leichtigkeit ab. Die Story von diesem
Tomb Raider-Teil gerät dazu diesmal sehr persönlich, da Lara hauptsächlich auf der Suche nach ihrer verschollenen und totgeglaubten Mutter ist.
Tomb Raider: Anniversary
Auch, wenn
Tomb Raider 1 damals sehr beliebt war, gibt es sicher einige Gamer, die noch nicht in den Genuss des ersten Teils der Serie gekommen sind. Schaut man sich Videos des Klassikers an, wirkt es allerdings auch ziemlich veraltet. In der aufgehübschten HD-Version des Remakes bekommen diese Spieler nun die Chance, die Anfänge der Heldin zu erleben – alte Fans dürfen jedoch auch zugreifen, da
»Tomb Raider: Anniversary den Aufbau und die Levelstruktur des Originals erweitert.
Wie schon im Abschnitt zu
Legend erwähnt, zielen die Entwickler bei
Anniversary auf die spürbare Isolation die sich breit macht, wenn man alleine durch die verlassenen Kerker streift ohne Beistand oder Begegnungen mit Menschen. Selbst menschliche Gegner trifft man bis auf in den neu eingestreuten Quick Time Events aus
Tomb Raider: Legend nicht. An klassischen Orten in Ägypten, Peru oder Griechenland seht ihr euch mit Rätsel über Rätsel und immer wieder wild gewordenen Tieren – ja sogar Dinosauriern – konfrontiert. Im Gegensatz zum Vorgänger macht sich bei den Geschicklichkeitseinlagen die bockige Kamera bemerkbar, die auch in
Underworld noch nicht ausgemerzt wurde und euch immer wieder blinde Sprünge ausführen lässt. Die Steuerung ist zudem weiterhin unpräzise, was manchmal dazu führt, dass man an der Klarheit der Rätselaufgabe zweifelt, weil diese nicht gelingen will.
Optisch ist
Tomb Raider: Anniversary natürlich ein Riesensprung seit der Erstveröffentlichung von
Tomb Raider im Jahre 1996. Das HD-Remake der Neuaflage bekleckert sich jedoch nicht gerade mit eben diesem Ruhm – zwar ist es höher aufgelöst, wirkt aber recht altbacken. Optisch ist es noch am ehesten verwandt mit
Tomb Raider: Legend, lässt aber die Licht- und Schatteneffekte von diesem missen. Dafür sieht Lara immerhin hübscher aus als in dem genannten Vorgänger und sieht diesmal ihrer Synchronsprecherin Keeley Hawes erschreckend ähnlich – da präsentiert sich ein Geheimtipp für die Besetzungsliste eines neuen
Tomb Raider-Films (wobei sich der nächste Teil sicher am Reboot orientieren wird). In Videosequenzen ist
Tomb Raider: Anniversary optisch besonders schwach, beispielsweise der steife Ozean gegen Ende, der an Playstation One-Tage erinnert - unverständlich angesichts des hübschen Wassers innerhalb der Level -, oder auch die vielen Ladezeiten zwischen kurzen Sequenzen und spielbaren Abschnitten.
Wie in den beiden anderen Titeln könnt ihr in
Tomb Raider: Anniversary nun Trophäen ergattern, die manchen Spieler neben einsammelbaren Schätzen und freischaltbaren Kostümen, Konzeptzeichnungen, Time Trials usw. bei der Stange halten sollten. Auch, wenn sich das Remake des Erstlings steuerungstechnisch stark an
Legend orientiert, gibt es Neuerungen zu erkennen, die sich ebenso in
Underworld wiederfinden: Der Greifhaken ist nun vielseitiger einsetzbar – mit ihm könnt ihr nicht nur über Abgründe schwingen oder Gegenstände zu euch herziehen, sondern euch auch an Wänden herauf- oder herabseilen (Batman lässt grüßen) und an diesen entlang rennen.
Wer erste Infos zum Neustart der Serie gelesen hat, weiß, dass in diesem die erste Tötung eines Menschen eine große Rolle spielt und einen bleibenden Eindruck bei Lara und dem Spieler hinterlassen wird.
Tomb Raider: Anniversary versucht dies auch, allerdings gerät dieser innere Konflikt eher lächerlich durch die geringe Emotionspalette von Laras Gesicht. Allgemein gewinnt die Story keinen Blumentopf, in der es um eine böse Auftraggeberin geht, die sich ein zweites Atlantis bauen möchte – immerhin wurde die Geschichte für die Neuauflage etwas ausgebaut und an die heutige Zeit angenähert. Insofern ist das Spiel ein guter Kompromiss aus Altertum der Videospielzeit und junger Moderne.
Tomb Raider: Underworld
Wenn ihr die Spiele in der Reihenfolge durchgespielt habt, wie sie auf der Disc sind, wird euch mit
»Tomb Raider: Underworld ein optischer Hammer treffen: Nie war
Tomb Raider schöner und auch nach drei Jahren spielt dieser Ableger der Serie optisch noch ganz oben mit. Der Titel klingt bereits düster, und so fühlt sich auch das Spiel an. Nach zwei Abschnitten in sonnigen, warmen Gefilden verschlägt es euch in dunkle, regnerische Dschungelgebiete, unterirdische Höhlen in Tempeln oder unter Laras Villa, kaltgraue Götterreiche mit metallisch knirschender Soundkulisse und endlosen Abgründen. Ebenso ging die Leichtigkeit aus
Legend, an welches
Underworld anknüpft, verloren. Mit eurem Team kommuniziert ihr nur noch in eingestreuten Videosequenzen, ansonsten kommt das Isolationsfeeling aus dem ersten Teil der Serie auf. Auch wenn ihr ab und an gegen Menschen in den Kampf zieht, begegnen euch in
Tomb Raider: Underworld ebenso hauptsächlich Tiere wie Riesenspinnen und Panther oder gar Monster aus der Unterwelt.
Neuerungen dürfen in einem optisch so grunderneuerten Serienteil natürlich nicht fehlen. Ihr könnt nun, wenn ihr an einer Stange schwingt, euch auf diese stellen und auf ihr balancieren. Die Welt fühlt sich zudem viel echter an, alleine natürlich schon durch die tolle Grafik, aber auch dadurch, dass nicht alles so klar getrennt ist. Beispielsweise könnt ihr nun beim Klettern Gegner beschießen, wenn ihr das Motorrad dabei habt, jederzeit auf- und absteigen (wie bei
Legend einzig im Japan-Abschnitt) und endlich per Knopfdruck schnell durch die Level spurten. Nette Spielereien wie grübelnde Gesichtsausdrücke einer verharrenden Lara oder auch der Fakt, dass sie stets Büsche und andere Hindernisse mit den Händen beiseite schiebt, verleihen
Tomb Raider: Underworld viel Tiefe. Durch die komplexer aussehende Welt ist es allerdings nicht mehr so klar ersichtlich wie in den direkten Vorgängern, wo es als nächstes hingeht – natürlich logisch, wenn die Welt realistischer aussieht, immerhin hat Lara im PDA-Menü stets nützliche Tipps parat.
Wieso in
Tomb Raider:Underworld das komplette Grundsystem der Menüführung von
Legend und
Anniversary über den Haufen geworfen wurde, gibt schon Rätsel auf: Im Gegensatz zu den Vorgängern könnt ihr Videos nicht nochmal anschauen und Level nicht wiederholen. Ihr solltet also genug Speicherstände anlegen, falls ihr ein Level nochmal besuchen wollt. Habt ihr das Spiel beendet, dürft ihr auch nur in genau der Reihenfolge der Level, wie sie auch in der Story aufkamen, in ihnen nach noch nicht eingesammelten Schätzen suchen. Weiterhin negativ fällt die etwas hakelige Steuerung auf, trotz neuerdings Motion Capturing seit diesem Teil etwas arg hektische Bewegungen der Protagonistin und oft gleich ablaufende Kämpfe gegen nordische Monster. Von diesen nicht unerheblichen Mängeln abgesehen schlägt der neueste Teil der Serie eine wirklich gute Richtung ein, modern, seriös, düster und sehr hübsch anzusehen. Die Rücksetzpunkte sind, wie man es ebenfalls von einem modernen Spiel erwartet, sehr gut platziert. Im Gegensatz zu Exkalibur in
Tomb Raider: Legend sucht Ms. Croft diesmal übrigens neben ihrer Mutter nach Thors Hammer.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
