Mit Mass Effect 2 erscheint das einst Xbox- sowie PC-Spielern vorbehaltene Action-Rollenspiel von BioWare mit einem Jahr Verzögerung auch auf der Sony-Konsole. Entweder in digitaler Form als speicherfressender Download aus dem PlayStation Store (satte 24 GB Festplattenspeicher nötig!) oder auf einer handelsüblichen Blu-ray, dürfen von nun an auch PlayStation 3-Besitzer in das Universum um Commander Shepard und seinen Gefolgsleuten eintauchen. Wie sich die Umsetzung im Test schlagen konnte, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Review zu Mass Effect 2.
Ein Held wird wiedergeboren
Der Begriff „Mass Effect“ und zugleich Titel der Videospiel-Trilogie findet seinen Ursprung im Jahr 2148 mit der Entdeckung eines Monuments der außerirdischen Rasse der „Protheaner“. Nachdem es findigen Wissenschaftler gelungen ist, die kryptische Sprache zu entschlüsseln, erhielt die Menschheit Zugriff auf die fortschrittliche Technologie – den sogenannten „Mass Effect“. Damit ist es möglich, die Masse von Objekten beliebig zu manipulieren, sodass außergewöhnliche Geschwindigkeiten erreicht werden können – und somit auch die technischen Voraussetzungen, um das Weltall bin in den letzten Winkel zu erkunden. Mit den neuen Erkenntnissen wurde den Menschen jedoch bewusst, dass sie nicht allein in diesem Universum existieren. Gemeinsam mit den Bewohnern des Weltraums wurde eine große Vereinigung gegründet – die Allianz war geboren.
Nachdem die Ausbreitung der Menschheit im Universum in vollem Gange war, fand sich auf der Erdkolonie „Eden Prime“ im Jahre 2183 erneut ein unbekanntes Artefakt der „Protheaner“. Um den wertvollen Schatz zu bergen, beauftragte die Allianz ihre stärkste Fregatte die „SSV Normandy SR1“. Während der Bergung kam es jedoch zu unvorhergesehenen Komplikationen als ein Teammitglied dem Artefakt zu nahe kommt. In letzter Sekunde warf sich Commander Shepard in die Schussbahn und wurde mit mysteriösen Visionen gezeichnet. Wieder beim Rat der Allianz angekommen, muss er Rede und Antwort stehen, was während des Einsatzes geschehen war. Die Ereignisse des ersten Ablegers der
Mass Effect-Trilogie nehmen ihren Lauf.
Mit
Mass Effect 2 (
»Testbericht der PC-Version) verliert das Franchise den Exklusivstatus und erscheint von nun an auch auf der PlayStation 3. Da der Erstling des Action-Rollenspiels ausschließlich für Xbox 360 und PC veröffentlicht wurde, mussten die Entwickler eine Möglichkeit finden, um auch Neulinge der Serie den Start in die umfassende und tiefgründige Geschichte zu vereinfachen. Das Ergebnis ist ein circa 15-minütiger interaktiver Comic, der euch die wichtigsten Momente aus Teil 1 in einer sehenswerten Präsentation näher bringt und euch nebenbei in entscheidenden Schlüsselszenen die Qual der Wahl lässt. So könnt ihr beispielsweise festlegen, ob ihr den Rat retten oder einen Fiesling am Leben lassen wollt. Die hier getroffenen Entscheidungen nehmen dann im Anschluss maßgeblichen Einfluss auf den geschichtlichen Verlauf der Handlungen von
Mass Effect 2.
Mit den Erkenntnissen aus dem ersten Ableger beschließt der Rat der Citadel, die „SSV Normandy SR1“ unter dem Kommando von Shepard einzusetzen, um gegen die Bedrohung durch die Saren und Geth vorzugehen. Jedoch geriet das Schiff durch eine unbekannte Einheit unter Beschuss und wurde letztlich komplett zerstört. Kurz davor konnte Commander Shepard ungeachtet den Großteil seiner Crew vor dem drohenden Tod retten, er jedoch schaffte es nicht und verschwand in den Weiten des Weltraums. Zwei Jahre nach diesen Ereignissen erwacht er plötzlich auf einer medizinischen Station der aus privater Hand finanzierten Organisation des Ceberus-Netzwerks. Er erfährt, dass er im Rahmen des „Lazarus-Projekts“ mit Hilfe eines medizinischen Verfahrens wieder zum Leben erweckt worden war und laut dem Oberhaupt von Ceberus – dem Unbekannten – die womöglich letzte Rettung der Menschheit darstellt. Die Aufgabe von Commander Shepard besteht nun darin, ein Team aus den besten Kämpfern des
Mass Effect-Universums zusammenzustellen um sich auf die Suche nach den Kollektoren zu machen.
Werde zum Kommandant
Aus den letzten Überresten wieder zusammengeflickt, dürft ihr zu Spielbeginn ganz rollenspieltypisch euren Charakter von Kopf bis Fuß kreieren und einkleiden – oder ihr überlässt es ganz entspannt der Automatikfunktion. Neben dem Aussehen müsst ihr euch noch für eine der sechs zur Auswahl stehenden Klassen – Soldat, Infiltrator, Frontkämpfer, Wächter, Experte, Techniker – entscheiden, die jeweils mit Spezialeigenschaften daherkommen und euch im Kampf so den einen oder anderen Vorteil bescheren können. Mit dem erfolgreichen Abschließen von Haupt- sowie Nebenmissionen erhalten ihr als Belohnung Erfahrungspunkte, mit denen ihr die zur Verfügung stehenden Fähigkeiten weiter verbessern könnt.
Aber nicht nur ihr erhaltet Erfahrungspunkte auf euer Konto gutgeschrieben. Wie schon im ersten Ableger dürft ihr vor jeder Mission jeweils zwei von den im späteren Spielverlauf neun wählbaren Teammitglieder mit auf eure Reisen nehmen. Die Begleiter stehen euch dann zusätzlich während der Aufträge zur Seite. Dabei ist die künstliche Intelligenz der Nebenfiguren insgesamt zufriedenstellend umgesetzt worden. Auch ohne aktives Eingreifen glänzen die Kollegen durchweg mit einer hohen Scharfsinnigkeit und Eigeninitiative.
Um euch gegen den wild gewordenen Gegnerhorden zur Wehr zu setzen, stehen neben den bereits erwähnten Spezialfähigkeiten insgesamt 19 unterschiedliche Waffen zur Auswahl. Sobald ihr zu einer dieser greift, schaltet die Kamera automatisch in eine Third-Person-Perspektive und das Fadenkreuz am Bildschirm erscheint. Ähnlich wie eure Fähigkeiten könnt ihr auch die vorhandenen Schusseisen mit den verschiedensten Upgrades aufrüsten, um beispielsweise eine höhere Durchschlagskraft oder Munitionskapazität zu erhalten.
Ich düse, düse im Sauseschritt
Die Spielwelt von
Mass Effect 2 umfasst ein riesiges Universum, in dem ihr euch frei bewegen und mit der „SSV Normandy SR2“ umherreisen könnt. Dabei ist die Fregatte Dreh- und Angelpunkt eurer Handlungen. Von hier aus erhaltet ihr neue Missionen, erfahrt mit Hilfe des Boardcomputers unzählige Hintergrundinformationen über das
Mass Effect-Weltall, führt Upgrades durch oder plant die nächste Mission anhand der übersichtlich gestalteten Karte.
Den Großteil eines Rollenspiels machen die Gespräche aus, auch in
Mass Effect. Dabei entpuppen sich die Dialoge nicht nur als langweiliges und stumpfsinniges Frage-Antwortspiel, viel mehr beeinflussen die getroffenen Entscheidungen während einer Konversation größtenteils den Verlauf der Geschichte sowie das Ansehen eures Teams. Zusätzlich könnt ihr in bestimmten Situationen durch erfolgreiches Drücken der angezeigten Tastenkombination dem Gespräch eine überraschende Wendung verpassen und so nützliche Informationen erhalten.
Das entscheidende Extra
In
Mass Effect 2 erhielt erstmals das „Cerberus Network“ Einzug in ein Action-Rollenspiel des Entwicklers BioWare - ein interaktiver Dienst, welcher euch neben fiktiven Nachrichten aus dem
Mass Effect-Universum auch mit kostenpflichtigen und -losen Zusatzinhalten versorgt. Wie man jedoch kürzlich bekannt gab, werden ab dem 24. Januar diesen Jahres keine aktuellen Neuigkeiten mehr veröffentlicht. Die Vorteile der PlayStation 3-Version: Ihr erhaltet das „Firewalker Pack“ – mit fünf neuen Missionen sowie das schwere Sturmfahrzeug „Hammerhead“ – und den zusätzlichen Charakter „Zaeed Messani“ obendrauf.
Außerhalb des integrierten „Cerberus Network“-Dienstes stehen euch noch weitere herunterladbare Inhalte zur Verfügung, wobei ebenfalls bereits einige auf der Blu-ray zu finden sind. Neben „Kasumi – Gestohlene Erinnerungen“ oder „Overlord“, ist auch das von uns im Vorfeld für die Xbox 360 getestete „
»Versteck des Shadow Broker“-Paket enthalten. Die DLC Inhalte verlängern das Weltraumabenteuer nach dem Durchspielen um sechs zusätzliche Stunden.
Die nächste Generation
Das euch mit der PlayStation 3-Version von
Mass Effect 2 nicht nur eine lieblose Portierung erwartet, wird vor allem dabei deutlich, dass das Team von BioWare die für
Mass Effect 3 optimierte Unreal Engine 3 bereits jetzt einsetzt. Der Ableger für Xbox 360 und PC konnte mit einer durchweg zufriedenstellenden Grafik punkten. Hier legt die PS3-Version stellenweise noch eine Schippe nach, auch wenn die Unterschiede fast schon mit der Lupe gesucht werden müssen.
Mit Jack Wall konnte Publisher Electronic Arts ein weiteres Mal den berühmten Komponisten für die musikalische Untermalung von
Mass Effect 2 engagieren, der zusammen mit den eher unbekannten Synchronsprechern einen wahren Genuss für die Sinne abliefert. Da der Publisher jedoch ein anderes Tonstudio mit den Arbeiten beauftrage, sind einige Rollen aus dem Vorgänger neu besetzt worden.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
