Gewalt in Videospielen ist ja keine Seltenheit. Doch die Art und Weise, wie sie uns vom Entwicklerteam Artificial Mind and Movement präsentiert, sucht schon ihresgleichen. Ähnlich wie in der TV-Serie Happy Tree Friends werden liebevolle Comicfiguren zu wahren Gewaltmaschinen und reißen sich auf brutalste Weise gegenseitig die Köpfe ab. Ob Naughty Bear somit zur reinen Gewaltorgie verkommt, erfahrt ihr in unserem Test zum Spiel.
Doch nicht alles perfekt?
Der Schauplatz von
Naughty Bear ist die scheinbar perfekte Inselwelt Perfect Island, bewohnt von bunten überglücklichen Teddybären. Doch der namensgebende Hauptdarsteller Naughty Bear (englisch für böser/ungezogener/unanständiger Bär), ein optisch in die Jahre gekommener brauner Teddy mit angeknabbertem Ohr, zerzaustem Fell und unzähligen Narben am Körper, passt dabei so gar nicht ins harmonische Bild. Er wird den ganzen Tag von den anderen Bewohnern der idyllisch wirkenden Insel aufs Schlimmste tyrannisiert und ausgeschlossen. Eines Tages steht eine riesige Geburtstagsparty an, bei der alle Bären eingeladen sind, außer einer – genau Naughty Bear. Daraufhin eskaliert die Situation und der Teddybär schmiedet fiese Rachepläne und wird wortwörtlich zum Killer.
Die Spielmechanik von
Naughty Bear erweist sich dabei als sehr simpel und auf Dauer eintönig: Eure Hauptaufgabe besteht darin, möglichst viel Angst, Morde und Zerstörung in dem jeweiligen Szenario anzurichten, wofür ihr wiederum Punkte erhaltet, mit denen ihr beispielsweise neue Kostüme freischaltet, die sich durch spezielle Fähigkeiten auszeichnen. Um möglichst viele Punkte auf euer Konto zu bekommen, solltet ihr den Multiplikator mit richtig fiesen Aktionen oder in Form von Kombos auf die maximale Höhe von 100 ansteigen lassen.
Je nach gesammelter Punkteanzahl erntet ihr am Ende eines Levels einen Bronze-, Silber- oder Gold-Pokal, der benötigt werden, um weitere Abschnitte für euch zugänglich zu machen. Wer kurzerhand einen Goldpokal erringen konnte, bekommt als Anreiz - mit bestehender Onlineverbindung - die Ergebnisse anderer Spieler angezeigt. Insgesamt gilt es in
Naughty Bear sieben Kapitel zu bewältigen, die sich wiederum in mehrere Abschnitte unterteilen, Pro Kapitel steht ein einzelner Bär im Mittelpunkt eures Racheplans.
Alles nur für das eine
In Perfect Island stehen euch neben unzähligen Schlag- und Schusswaffen, wie etwa Baseballschläger, Axt oder eine Pistole, auch Bärenfallen oder Minen zur Verfügung, um Angst und Schrecken unter den Bären zu stiften. Neben der konventionellen Art und Weise, die Bären mit Waffen zur Strecke zu bringen, besteht zudem die Möglichkeit, in der Umgebung platzierte Objekte wie Telefone, Maschinen oder Fenster zu manipulieren bzw. zu zerstören. Der Vorteil des mutwilligen Demolierens liegt darin, dass reperaturwillige Bären diese Objekte wieder in Stand setzen und euch so die Gelegenheit gegeben wird, dem Bären hinterhältig sein Leben zu stehlen. Auch hierfür erhaltet ihr in
Naughty Bear Extra-Punkte.
Sobald ihr einen Bären ausgiebig bearbeitet habt und nur noch ein Schlag fehlt, bis er das Zeitliche segnet, könnt ihr ihn mit einem Finish-Move ins Land der Träume schicken. Diese werden relativ blutig inszeniert. So werden unvermittelt Äxte im Körper versenkt, mit Baseballschlägern Köpfe zertrümmert oder Kopfschüsse verteilt. Aber nicht immer müsst ihr unmittelbar am Tod der Teddys beteiligt sein: Sind die Bären erst einmal richtig eingeschüchtert und rennen orientierungslos in der Umgebung umher, fehlt nicht mehr viel und sie gehen selbst aufeinander los.
Während dem Verlauf der Geschichte bekommt ihr nicht nur die quietschbunten Plüschtiere zu Gesicht, nein es warten noch Bären in Zombie-, Soldaten- oder Polizeioutfit auf euch, um dem stupiden Spielfluss ein wenig Abwechslung einzuhauchen.
Kaum eine Freude
Heutzutage scheint es fast schon Standard zu sein, dass Videospiele auch mit einem Multiplayer-Modus versehen werden – so auch in
Naughty Bear. Doch nicht immer ist dieses Feature eine wirkliche Zugabe. Insgesamt erwarten euch vier verschiedene Modi, die Variationen von Deathmatch oder Capture the Flag darstellen und auf längere Zeit kaum motivierend sind. Das wohl größte Problem beim Onlinezocken besteht nämlich darin, überhaupt ein Spiel zustande zukommen lassen. Während der gesamten Testphase war es kaum möglich, ein Spiel zu erstellen geschweige denn, einem beizutreten.
Technische Probleme
Über die technische Seite von
Naughty Bear gibt es leider auch nicht viel Positives zu berichten. Das Entwicklerteam hat zwar sehr gute Arbeit bei der liebevollen Gestaltung der Umgebung geleistet, trotzdem wirken Texturen und Effekte sehr verwaschen. Bei der PS3-Version kommt es zudem des Öfteren zu erheblichen Rucklern, bis zum kurzweiligen Stillstand des Bildes. Da macht die musikalische Untermalung schon einen deutlich besseren Eindruck. Der Sprecher heizt mit seinen sarkastischen Äußerungen die Stimmung an, Schmerzensschreie der Bären ertönen bei einem Mordanschlag, Klänge und Soundeffekte passen zur Grundstimmung des "gewaltigen" Action-Titels.