Der König der Fun-Racer war bisher immer ganz klar Nintendos »Mario Kart. Mit kleinen Fahrzeugen über waghalsige Strecken zu rasen und sich mit Schildkrötenpanzern und Bananenschalen gegenseitig beharken: Das macht bereits seit dem SNES-Teil enorm viel Spaß. Doch nun bekommt der japanische Kultentwickler Konkurrenz. Zum einen von Bizarre Creations, den Machern der Project Gotham Racing-Reihe und deren neuestem Spiel »Blur, zum anderen von Sony und ModNation Racers, welches wir uns näher angeschaut haben. Der Clou bei diesem Titel: Hier wird nicht nur auf Rennstrecken gefahren, sondern es werden auch eben solche gebaut. Denn hier waren die Macher von »LittleBigPlanet am Werk. Kann die Raserei also dem Genre-König gefährlich werden?
Fahren
ModNation Racers ist, wie
Mario Kart auch, in erster Linie ein Multiplayer-Spiel. Seinen Fokus legt die Raserei dabei ganz klar auf die Online-Features - einen Splitscreen-Modus für bis zu vier Spieler bietet der Titel aber auch. Außerdem wartet eine Singleplayer-Kampagne auf euch, wobei man das Wort "Kampagne" hier nicht ganz so ernst nehmen sollte. Im Grunde fahrt ihr nur einzelne Rennen, in denen es bestimmte Herausforderungen zu erfüllen gilt, um neue Inhalte für die Editoren freizuschalten. Immerhin wird jedes Rennen mit einer netten Cutscene eingeleitet. Eine Story solltet ihr dabei jedoch nicht erwarten.
Aber wie gesagt ist
ModNation Racers ein Multiplayer-Spiel. Und dafür ist es auch perfekt geeignet, denn der Titel klaut gekonnt von
Mario Kart, bringt aber auch eigene Elemente mit sich. So sind wie beim Vorbild Items auf der Strecke verteilt, die euch von großem Vorteil sein können. Die Auswahl ist dabei zwar deutlich kleiner, als bei Nintendos Fun-Racer, dafür könnt ihr die einzelnen Items aufwerten. Sammelt ihr also beispielsweise die Rakete ein und nutzt diese nicht direkt, sondern fahrt noch durch zwei weitere Itemboxen, könnt ihr nun mehrere Raketen auf einmal abfeuern. Dadurch kommt eine kleine taktische Komponente ins Spiel, die das ganze typische Fun-Racer-Gameplay sinnvoll erweitert. Ansonsten spielt sich
ModNation Racers aber eher typisch, was jedoch nicht schlecht ist. Die Steuerung funktioniert sehr gut, selbst das Driften, was sehr wichtig ist, um den Turbo aufzuladen, geht wunderbar von der Hand.
Das Zentrum von
ModNation Racers ist der sogenannte ModSpot. Von diesem aus erreicht ihr alle "Abteilungen" des Spiels mit eurem Kart, alternativ könnt ihr aber auch über ein Ringmenü auswählen, was ihr als nächstes tun wollt. Ihr seid jedoch nicht allein auf dem kleinen Platz unterwegs, sondern könnt dort mit anderen Spielern in Kontakt treten. Außerdem lässt sich hier ablesen, wer der derzeit beste Spieler ist und was die angesagtesten Strecken, Fahrzeuge und Charaktere sind.
Bauen
Das besondere an
ModNation Racers ist die Möglichkeit, eigene Inhalte zu entwerfen. Wie in
LittleBig Planet erschafft ihr nicht nur eigene Charaktere, die sogennanten "Mods", sondern auch Levels, in diesem Fall also Strecken und Karts. Während das Kreieren von "Mods" und Fahrzeugen zwar durchaus nett, aber auch nichts Besonderes ist, ist der Streckeneditor eine wahre Wucht. So könnt ihr zum einen, wenn es schnell gehen soll, einfach die Strecke legen, in dem ihr mit einer Art "Betonmischerdampfwalze" durch die Gegend fahrt, und diese dann automatisch mit Itemboxen, Sprungschanzen, Fallen und dekorativen Objekten versehen lasst. Zum anderen könnt ihr aber auch alle Details selber bestimmen und jeden Baum, jedes Haus und jedes Streckenobjekt selber platzieren. Natürlich lässt sich auch das Gelände vorher bearbeiten und ihr könnt die Sonne selbst positionieren oder den Wolkenbestand am Himmel einstellen. Eurer Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt, dank einer schier riesigen Anzal an unterschiedlichen Objekten, alle aufgeteilt in vier Themengebiete: Berge, Wüste, Dschungel und Küste. Wer also kreativ veranlagt ist, wird seine helle Freude an den Möglichten haben, die
ModNation Racers bietet - ganz wie bei
LittleBigPlanet.
Genau wie beim Jump 'n Run gibt es auch hier die Möglichkeit, seine eigenen Kreationen direkt online zu veröffentlichen und mit Freunden und Spielern auf der ganzen Welt zu teilen. Für ordentlich Nachschub an Strecken sollte also gesorgt sein, sofern sich
ModNation Racers gut verkauft.
Laden
Es gibt jedoch einen großen Kritikpunkt, der sich auch durchaus auf die Verkaufszahlen auswirken dürfte: die technische Umsetzung. So ist die Grafik nicht gerade ein Highlight, die Charaktere sehen dank Comic-Look aber doch ganz nett aus. In Sachen Texturen und Effekten bleibt
ModNation Racers aber im Vergleich mit anderen Spielen auf der Strecke. Das wäre eigentlich gar nicht mal so schlimm, wären da nicht zwei Dinge: Zum einen kommt es, besonders in den Rennen, aber auch im ModSpot öfters zu Rucklern, was bei der Optik nicht ganz nachvollziehbar ist. Das gleiche gilt jedoch noch viel mehr für die ewig, höllisch, quälend, ja um nicht zu sagen besch***** langen Ladezeiten. Für ein Rennen, das meistens nur wenige Minuten dauert, lädt das Spiel gut und gerne mal über eine Minute lang. Die Frage ist: Warum? Ein
»Uncharted 2 bietet feinste High-End-Grafik und hat kaum spürbare Ladezeiten.
ModNation Racers sieht bei weitem nicht so toll aus. Deshalb können wir es uns nur so erklären, dass die Entwickler bei der Programmierung irgendwas falsch gemacht haben. Daher sollte hier dringend ein Patch nachbessern.
Noch ein paar Worte zum Sound: Die Musik ist nicht sonderlich berrauschend, aber immerhin sind die Sprecher in den Zwischensequenzen ganz brauchbar, wenn auch nicht überragend. Das gleiche gilt für die Soundeffekte.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
