Mit Lost Planet 2 schickt sich Capcom an, die noch junge Marke um den Schneeplaneten mit einem neuen Teil zu bereichern. Im Test erwies sich das Spiel allerdings als Abkehr von vielem, was man aus dem Vorgänger kannte. Ob es gutgegangen ist, die Reihe bereits mit dem zweiten Teil neu zu erfinden? Wir wagten die Rückkehr nach E.D.N. III und verraten es euch.
Verloren und doch nicht allein
Etwas ungewohnt wirkten die ersten Screenshots von
Lost Planet 2: Zwar gab es auf einigen jede Menge Schnee, auf anderen aber auch satte Dschungel-Landschaften zu erspähen. Letzteres passte so gar nicht zu dem Bild, dass man von
»Lost Planet: Extreme Condition gewohnt war. Auch der zweite Teil beginnt im tiefen Schnee des Planeten E.D.N. III, wechselt jedoch schon nach der kurzen Einleitung in das Dschungel-Szenario. Der ganze Planet hat in den zehn Jahren seit dem Vorgänger eine Erwärmung erfahren, deren Ursache unbekannt ist, due jedoch zu diesen grünen Flächen inmitten der Schneemassen führte. Aber auch hier bekommt ihr es mit allerlei rumkreuchenden Viehzeugs zu tun, den sogenannten Akriden. Und da könnt ihr euch auf allerlei gigantische Monstrositäten gefasst machen. Aber auch die Schneepiraten haben sich der neuen Situation angepasst und lauern euch auf. Dazu mischen nun auch noch andere Faktionen mit und kämpfen um nicht weniger als die Ressourcen des verlorenen Planeten, dem keine friedvolle Zukunft vergönnt zu sein scheint.
Ungewohnt wie das Dschungel-Setting ist auch das Hauptmenü in
Lost Planet 2: Wählt ihr die etwa zehnstündige Kampagne aus dem Menü, könnt ihr nicht ein neues Spiel starten oder einen Spielstand laden, sondern habt wie in Multiplayer-Spielen Optionen wie "Schnelles Spiel" oder werdet nach der gewünschten Verbindungsart gefragt. Im falschen Menü gelandet? Von wegen:
Lost Planet 2 setzt voll auf Online-Kooperation, auch in der Kampagne! Denn ihr seid in einem Trupp von vier Leuten unterwegs - spielt ihr online, können Freunde oder Fremde diese Positionen einnehmen, ansonsten müsst ihr mit der KI losziehen. Und die erweist sich als fürchterlich. Während Sheva bei
»Resident Evil 5 nur die Munitionsvorräte geradezu inflationär anzapfte, helfen euch die drei Bots bei
Lost Planet 2 nur selten weiter! Dummerweise könnt ihr ihnen auch keinerlei Befehle geben, um sie so wenigstens etwas auf den richtigen Weg zu bringen.
Aber auch sonst orientiert sich
Lost Planet 2 voll am Online-Konzept. So erhalten eure KI-Kameraden fiktive Gamertags ("Death Summer", "Red x4", ...) und ihr Meldungen wie in einem Online-Shooter, sollte einer der Kameraden ins Gras beißen. Und nach eurem eigenen Ableben gibt es keinen "Game Over"-Bildschirm, sondern ihr werdet nach kurzer Wartepause an einem beliebigen Einstiegspunkt wiederbelebt. Voraussetzung dafür ist, dass noch mindestens einer eurer Buddies lebt und ihr über genug Kampfpunkte verfügt. Diese verdient ihr durch besondere Aktionen wie etwa das Aktivieren von Datenstationen, welche als Einstiegspunkte dienen. Doch auch die gesamte Spielstruktur hat sich gewaltig verändert. So besteht ein Kapitel aus drei relativ kurzen Abschnitten, die ihr absolvieren müsst. Hier zeigt sich dann auch, wie man ein Speichersystem am besten verhunzen kann: Gehen euch im dritten Abschnitt, oft ein größerer Kampf, die Kampfpunkte durch wiederholtes Sterben aus, dürft ihr wieder im ersten Abschnitt starten.
Wenig Neues, viel Altbewährtes verschlechtert
Ansonsten hat sich erstmal wenig verändert: Ihr kämpft euch in der Verfolgerperspektive über den Planeten - vom Schnee in den Dschungel, in Höhlen und Fabrikhallen. Die Steuerung des Vorgängers wurde großteils für
Lost Planet 2 wiederverwendet, ihr könnt aber aus verschiedenen Tastenbelegungen wählen, welche euch eher zusagt. Eine Neuerung gibt es bei der Thermal-Energie (T-ENG): Sammelt ihr von besiegten Feinden diese Energie ein, könnt ihr sie später per Druck auf die START-Taste nutzen, um eure Lebensenergie aufzufüllen. Das funktioniert allerdings nicht jederzeit nach Belieben, sondern nur dann, wenn eure Lebensenergie stark zur Neige gegangen ist. Unter Umständen dauert es aber zu lange, bis ihr gesundet seid - gerade dicke Akriden haben euch bis dahin schon mit einem heftigen Hieb den Rest gegeben. Cool: Selbst unter Wasser wird jetzt gekämpft. Und auch die
Vital Suits (V.S.) sind wieder dabei - und die Entwicklung hat in den 10 Jahren seit
Lost Planet nicht vor den Kampfrüstungen Halt gemacht. So gibt es jetzt auch fliegende V.S.-Einheiten, bei denen ihr euch hinter das Steuer klemmen dürft.
Als praktisches Utensil erweist sich der Enterhaken. Ähnlich wie in
»Bionic Commando kann sich euer namenloser Held über einen Haken auf höhergelegene Ebenen ziehen. Schwingen wie Tarzan geht allerdings nicht. Auch ist die Reichweite recht eingeschränkt und der gezielte Einsatz erfordert einiges an Übung.
Eine Hintergrundgeschichte war schon in
Lost Planet nur in Ansätzen vorhanden. Durch den Multiplayer-Aspekt fällt diese nun fast gänzlich flach: Eure Charaktere sind allesamt austauschbar, wirkliche Charakterbindung fehlt. Das macht das bisschen Geschichte dann auch zu einer reinen Nebensache. Aber nicht nur bei der Geschichte wurde gespart, auch bei der Einführung: Das Spiel versäumt es leider, euch mit der Mechanik und den Spielelementen nach und nach vertraut zu machen - stattdessen wird von Anfang an erwartet, dass ihr wisst, was zu tun ist. Nach einigen Gefechten mag das sicherlich der Fall sein, als Einstieg ist das allerdings arg dürftig.
Nur schlecht?
Bei soviel Kritik muss man sich fragen, ob
Lost Planet 2 überhaupt etwas richtig macht. Ja, das tut es! Habt ihr genug Freunde zusammen und könnt mit Headset am Ohr gemeinsam losziehen, kommt richtig Action-Feeling auf! Die grandiose Grafik trägt enorm zur Atmosphäre bei, bombastische Explosionen mit starken Verwischeffekten üben jede Menge Druck auf euch aus und die dicken Gegner erfordern von euch, an einem Strang zu ziehen. Und man merkt in jeder Sekunde, dass
Lost Planet 2 einzig auf dieses Gemeinschafts-Erlebnis zugeschnitten wurde, besonders bei den Missionen, die sich stark an typischen Multiplayer-Modi orientieren. Etwa, wenn ihr bestimmte Punkte auf der Karte einnehmen und vor dem Feind verteidigen müsst.
Neben der Kampagne gibt es für Multiplayer-Fans in
Lost Planet 2 noch typische Modi wie Deathmatch, die online gespielt werden können. Das ist zwar recht unspektakulär, wurde aber durch freischaltbare Belohnungen enorm motivierend aufgezogen. Zwar kann das Belohnungssystem nicht ansatzweise mit dem eines
»Modern Warfare 2 mithalten, dafür bekommt ihr jede Menge Extras, um eure Charaktere (ihr habt aus jeder der fünf Faktionen einen) zu individualisieren. Angefangen bei eigenen Waffenkombinationen über Kleidung bis hin zu verschiedenen Gesten des Jubels und der Verhöhnung ist alles dabei, um euch richtig in Szene zu setzen.