Nach zwei sehr erfolgreichen Ablegern auf der Playstation 2 und »Chains of Olympus auf der PSP feiert der antike Metzelknabe Kratos nun auch auf der Playstation 3 sein Debüt, wobei God of War 3 auch zeitgleich das Finale der Serie darstellen soll. Wie gut sich der erste HD-Ableger schlägt, erfahrt ihr in unserem Test.
"Stirb, Zeus, stirb!"
God of War 3 macht genau da weiter, wo Teil 2 aufgehört hat: Zusammen mit den Titanen stürmt Kratos den Olymp, um Zeus vom Thron zu stürzen und zu vernichten. Dass das natürlich nicht auf Anhieb gelingt, dürfte selbstverständlich sein, denn sonst wäre das Spiel ja schon nach dem ersten Level vorbei. Kratos stürzt hinab in die Hölle und versucht vorerst, von dort zu entkommen und anschließend eine Möglichkeit finden, um Zeus endgültig zu besiegen. Ihr seht also:
God of War 3 bietet eine Geschichte, die dem Finale der Reihe auf jeden Fall würdig ist. Allerdings sollte man die beiden Vorgänger gespielt haben, um wirklich alle Story-Zusammenhänge zu verstehen, da das Spiel auf eine Einleitung und somit einen Rückblick komplett verzichtet. Neueinsteiger können also nur erahnen, was bisher passiert ist.
Obwohl Teil 1 und 2 sowieso Pflichtkäufe waren und es immer noch sind, wäre ein kurzes Intro-Filmchen, in dem die Ereignissen der beiden Titel kurz zusammengefasst werden, dennoch nett gewesen. Denn wer zum Beispiel mit der Playstation 3 neu in das Sony-Universum eingestiegen ist und keines der abwärtskompatiblen Modelle der Konsole besitzt, hat bisher zwar die Möglichkeit,
God of War 1 und
2 als Compilation für die PS3 zu kaufen, allerdings ist diese bisher nur in der amerikanischen Version erhältlich. Einen offiziellen deutschen Release gibt es bisher immer noch nicht. Auf der anderen Seite muss man auch kein Englischprofessor sein, um die Story zu verstehen, da es sich bei allen
God of War-Ablegern immer noch um reinrassige Actionspiele handelt und nicht um große, epische und detailliert ausgearbeitete RPG-Universen.
"Stirb, Klein- und Großvieh, stirb!"
Das Hauptaugenmerk von
God of War 3 liegt natürlich auf den zahlreichen Kämpfen gegen mal kleine, mal größere Gegner. Hier zeigt sich, dass die Entwickler es nach wie vor verstehen, wie man den Spieler auf die unterhaltsamste Weise schnetzeln lässt. An sich funktionieren die Gefechte sehr einfach: Mit der "Viereck"-Taste führt ihr einen leichten Schlag aus, mit "Dreieck" einen harten. Mit der "Kreis"-Taste packt ihr einen Feind, mit "R2" lasssen sich Zauber nutzen und mit "L2" verschiedene Items, die ihr im Laufe des Spiels erhaltet. Darunter der Bogen des Apollon, die Schuhe des Hermes oder auch der Kopf des Helios - und ja, wir meinen wirklich den echten, richtigen Kopf. Selbstverständlich könnt ihr aber auch wieder zahlreiche Kombos ausführen, um mehr Schaden auszuteilen. Und neben den bekannten Chaosklingen stehen Kratos auch noch andere Waffen im Verlauf der Handlung zur Verfügung, wie zum Beispiel die Klingen des Hades. Diese lassen sich - serientypisch - aufwerten, indem ihr rote Orbs findet und diese in die Upgrades investiert, um so mehr Schaden zu machen oder neue Kombo-Attacken freizuschalten. Zudem lassen sich in den Levels auch noch Gegenstände finden, wie zum Beispiel Phönixfedern, mit denen ihr eure maximale Lebensenergie oder euren Manavorrat dauerhaft erhöhen könnt.
Die Kämpfe sind auch erneut das absolute Highlight von
God of War 3. Sogar das Abschlachten der zahlreichen "normalen" Gegner macht enorm viel Spaß. Ein paar größere Brocken, die hin und wieder auftauchen, machen das Spiel noch spannender. Dazu gehören Medusen, Zentauren, Zyklopen oder Satyren - eben alles, was die griechische Sagenwelt hergibt. Diese Gegner lassen sich nicht nur mit normalen Angriffen besiegen, zumindest nicht auf den oberen beiden Schwierigkeitsgraden. Dazu solltet ihr das Kombo-System schon gut beherrschen. Die "Zwischengegner" lassen sich aber auch durch die berühmten und nicht selten enorm brutalen Quick-Time-Events zur Strecke bringen: Ist ein Gegner genug geschwächt, erscheint das "Kreis"-Symbol über dessen Kopf. Drückt ihr nun, mit Blick zu diesem, jene Taste auf eurem Controller, wird eine kleine Filmsequenz abgespielt, in der ihr zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Knopf drücken müsst. Dabei macht sich in
God of War 3 eine kleine, aber feine Neuerung bemerkbar: Die zu drückenden Tasten werden jetzt jeweils auf der Seite des Bildschirms angezeigt, wie sie auf dem Gamepad angeordnet sind. Dadurch muss man nicht einmal auf das Symbol achten, sondern weiß schon anhand der Seite, welche Taste man drücken muss.
Besonders spektakulär in Szene gesetzt sind die Quick-Time-Events bei den zahlreichen Bossgegnern im Spiel. Die Kämpfe gegen diese sind wohl die absoluten Höhepunkte von
God of War 3. Hier wird nicht mit Gigantismus gegeizt und auf den oberen zwei Schwierigkeitsgraden gestalten sich diese Gefechte zudem auch noch schön herausfordernd. Natürlich hat jeder Boss dabei seine Schwachstelle und sein festes Kampfverhalten. Dennoch sind die Bossfights enorm abwechslungsreich und die Finishing-Moves sind für Freunde gepflegter Splatter-Unterhaltung ein wahrer Genuss.
"Stirb, Langeweile, stirb!"
Überhaupt bietet
God of War 3 alles andere als einen eintönigen Spielverlauf, zumindest so weit das halt in einem Hack 'n Slay möglich ist. Denn natürlich seid ihr die meiste Zeit damit beschäftigt, Gegner niederzumetzeln, aber durch das große Repertoire an Feinden ist selbst das allein schon sehr unterhaltsam. Hinzu kommt noch das ein oder andere Rätsel, welches den Spielverlauf ein wenig auflockert und euch auch mal eine kleine Verschnaufpause gönnt. Das Rätseldesign ist dabei durchaus gelungen - für ein Actionspiel wohlgemerkt. Richtige Kopfnüsse solltet ihr also nicht erwarten. Aber das ist auch gut so, denn schließlich ist
God of War 3 kein Adventure.
Zusätzlich bietet das PS3-Debüt auch noch die ein oder andere Jump-'n-Run-Passage. So müsst ihr zum Beispiel in einem Level Hermes, den Götterboten, verfolgen, der euch dank seiner Schuhe natürlich in Sachen Geschwindigkeit weit überlegen ist. Auch dieses Element sorgt für Abwechslung und lockert das Spielgeschehen auf.
Überhaupt kann man den Entwicklern in spielerischer Hinsicht nicht viel vorwerfen. Die Kämpfe, die Rätsel, die Sprung-Passagen, alles funktioniert einwandfrei. Das liegt aber auch an der grandiosen Steuerung, die einfach sehr intuitiv funktioniert und sowohl Einsteiger, als auch Profis absolut zufrieden stellen dürfte. Kratos lässt sich einfach so geschmeidig durch die Levels lenken wie in kaum einem anderen Spiel. Auch sehr löblich: Man kann zwar nach wie vor nicht frei abspeichern, allerdings sind die Speicherpunkte zum einen sehr fair verteilt, zum anderen sichert das Spiel sehr häufig den Fortschritt automatisch. Im Grunde wird vor jeder riskanten Passage ein Autosave angelegt, was man so nicht häufig in Spielen findet. Da könnten sich andere Entwickler ruhig mal eine Scheibe von abschneiden. Einziges Manko: Die feste Kamera ist manchmal etwas unglücklich platziert, aber nie so schlimm, dass es wirklich stört. Daher reden wir hier von Kritik auf enorm hohem Niveau.
"Stirb, Last-Gen-Grafik, stirb!"
God of War 3 wurde exklusiv für die Playstation 3 entwickelt und das merkt man dem Spiel auch an. Waren die Vorgänger schon für PS2-Verhältnisse unglaublich hübsch - den PSP-Ableger
»Chains of Olympus nicht zu vergessen - so sieht Teil 3 nun einfach nur verdammt gut aus. Das Charaktermodell von Kratos ist enorm detailliert, Licht- und Schatteneffekte wirken äußerst stimmig, die Shader können vollauf überzeugen und die geschmeidigen Animationen sorgen für filmreife Kämpfe. So gute Bewegungsabläufe hat man bisher nur in wenigen Spielen -
»Assassins Creed,
»Heavy Rain und
»Prince of Persia - gesehen.
Auch soundtechnisch überzeugt
God of War 3 auf voller Länge. Die deutschen Synchronsprecher sind nicht bedeutend schlechter als die im Original. Besonders Kratos kommt mit seiner gewohnt "harten" Männerstimme unglaublich gut rüber. Das gleiche gilt für die fantastische Musik, die genau dieses "epische Etwas" verfügt, was so gut zum Spiel passt.
Insgesamt kann man dem Titel auch nichts in Sachen Inszenierung vorwerfen. Die Zwischensequenzen sind sehr gut gelungen, wobei es allerdings keine Renderszenen mehr gibt, sondern nun alles in Spielgrafik erstrahlt. Und da diese enorm gut aussieht, tut das auch keinen Abbruch. Einzig und allein so manche Rückblick-Sequenz, bei der Charaktere von Geschehnissen aus der Vergangenheit erzählen, kommt in einer Art Tusche-Stil daher, welcher trotzdem stimmig wirkt. Aber auch in den Levels geht ordentlich die Post ab: So kämpft ihr direkt im ersten Abschnitt auf Gaia, der Urmutter der Welt, selbst, im Hades fallen ständig die Toten vom Himmel und in der Stadt Olympia wütet der Titan des Feuers im Hintergrund. In Sachen "Cineasmus braucht sich
God of War 3 also kaum hinter einem
»Modern Warfare 2 zu verstecken.
Die griechische Mythologie wurde, wie in den Vorgängern schon, sehr gut dargestellt. Von den zahlreichen Sagenwesen bis hin zu den Göttergeschichten wurde alles mit einer wahnsinnigen Perfektion umgesetzt: Man vergisst im Grunde keine Figur dieses Szenarios, außer vielleicht die, die Kratos schon in Teil 1 und 2 zur Strecke gebracht hat. Und damit wären wir auch beim richtigen Stichwort, denn auch
God of War 3 ist wieder ganz klar ein Spiel für Erwachsene und sollte nicht in Kinderhände geraten. Der Splatter-Faktor ist enorm hoch, Blut spritzt in rauen Mengen. Dabei ist das ganze aber so überzogen dargestellt, dass es nicht wirklich Ekel hervorruft, gerade im Vergleich zu einem Horror-Folter-Film alá "Saw". Dennoch sollte man kein Problem mit extremer Gewaltdarstellung haben, denn sonst ist
God of War 3 nicht das richtige Spiel für euch.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


