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WHITE KNIGHT CHRONICLES
 Test von Jens Bremicker (08.03.2010) Artikel-Feed (RSS) abonnieren
Genre:Rollenspiel Publisher:Sony
Termin:26. Februar 2010 Entwickler:Level 5

Bisher war das Spieleportfolio der Playstation 3 ja nicht mit sonderlich vielen Rollenspielen bestückt. Das scheint sich nun aber ein wenig zu ändern. Nachdem Square Enix bereits mit »Star Ocean: The Last Hope im Februar eine Portierung des einstigen Xbox 360-Exklusivtitels veröffentlicht hat, legt Sony nun mit White Knight Chronicles nach, welches nur für die PS3 erscheint - was würde man sonst auch anderes von Sony erwarten. In Japan ist der Titel schon seit Dezember 2008 erhältlich, wir Europäer und die Amerikaner mussten noch eine ganze Weile warten. Ob das Spiel dem guten, aber nicht hitverdächtigen Star Ocean 4 Konkurrenz machen und evtl. auch für das kommende Final Fantasy XIII gefährlich werden könnte, lest ihr in unserem Test.


"Junger Held sucht Prinzessin in Nöten"

Die Geschichte von White Knight Chronicles beginnt am 18. Geburtstag von Prinzessin Cissna, die seit dem Tod ihrer Mutter kein Wort mehr gesprochen hat. Die Feierlichkeiten werden jedoch durch den Angriff der sogenannten Magi, einer finsteren Organisation, gestört, welche vom schwarzen Ritter Dregias angeführt werden. Der König wird dabei getötet, Cissna jedoch voerst gerettet - von euch. Ihr spielt den jungen Winzer-Lehrling Leonard, der sich aufgrund seiner Neugierde auf das Fest geschlichen hatte. Zusammen mit der Prinzessin flieht er in die Katakomben des Schlosses, wo die beiden in die Schatzkammer gelangen. Dort entdecken sie eine weiße Ritterüstung, derer sich Leonard sogleich bemächtigt und sich somit in den weißen Ritter verwandelt. In dieser Gestalt könnt ihr zwar den Angriff zurückschlagen, Cissna wird dabei jedoch hinterrücks entführt. Das Ziel des Spiels dürfte damit jedem halbwegs erfahrenen Gamer klar sein: die Prinzessin retten und das Böse besiegen, womit wir auch schon beim ersten Kritikpunkt von White Knight Chronicles wären. Die Geschichte ist nämlich so neu und innovativ wie ein Stück Seife. Noch dazu wirkt die Liebesgeschichte zwischen Leonard und Cissna - natürlich muss es da auch eine solche geben - teilweise schon arg kitschig. Das ist äußerst schade, da die Entwickler zumindest wussten, wie man Geschichten erzählt. Denn die Zwischensequenzen sind wirklich nett gemacht, auch wenn sie natürlich nicht an die eines Final Fantasy heranreichen.

Bevor ihr jedoch mit eurem Abenteuer loslegen könnt, müsst ihr euch erst einmal einen Charakter erstellen. Jetzt werden sich einige von euch fragen: "Hä, wieso das denn? Ich denke, ich spiele Leonard." Das ist auch richtig, der Hauptcharakter von White Knight Chronicles ist eben jener junge Held, dessen Aussehen auch komplett vom Programm vorgegeben ist. Ihr kreiert in dem relativ umfangreichen Editor nämlich einen Charakter, der noch weniger Persönlichkeit hat als Gorden Freeman - und das will schon etwas heißen. So ist dieser nämlich in den Cutscenes komplett stumm und wird auch gar nicht groß in die Geschichte eingebunden. Er wirkt quasi wie ein Statist, der aber dann doch in der Heldentruppe mitkämpft. Das ist äußerst schade, stört letztendlich aber doch nicht so extrem, da euer Selbstbau-Charakter einen anderen wichtigen Zweck erfüllt, dazu aber am Ende des Artikels mehr.


Warten, schlagen, warten, schlagen

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt eines Rollenspiels, neben der Geschichte: den Kämpfen. White Knight Chronicles setzt dabei auf ein Echtzeitkampfsystem, welches allerdings längst nicht so actionreich ist, wie das von Star Ocean: The Last Hope. So habt ihr mehrere Aktionsbalken, die ihr frei mit Attacken und Zaubern bestücken könnt. Per Steuerkreuz wählt ihr die gewünschte Aktion aus und wartet dann darauf, dass sich der angezeigte Kreis auf dem Bildschirm aufgeladen hat, um dann den Gegner anzugreifen, einen Kameraden zu heilen oder einen Gegenstand einzusetzen. Viele der Attacken kosten jedoch Aktionschips, die sich während des Kampfes auffüllen. Sind diese aufgebraucht, habt ihr nur Zugriff auf eure Standardangriffe, mit denen ihr natürlich weniger Schaden anrichtet. Zaubersprüche benötigen zusätzlich auch noch Mana.

Insgesamt dürft ihr mit bis zu drei Helden ins Gefecht ziehen, ihr könnt die Charaktere aber jederzeit auswechseln. Auch könnt ihr über das Menü einen anderen Protagonisten auswählen, den ihr direkt kontrollieren dürft. Standardmäßig steuert ihr Leonard, die anderen werden dann im Kampf von der KI kontrolliert. Ihr könnt den Mitstreitern bestimme Kampfstile zuweisen und dem einen somit zum Beispiel sagen, dass er ordentlich draufknüppeln, dem anderen, dass er sich vorrangig auf die Heilung der Gruppe konzentrieren soll. Das funktioniert auch durchaus gut - man möchte fast schon sagen, zu gut. Denn leider gestalten sich die Kämpfe in White Knight Chronicles als viel zu einfach für erfahrene Rollenspieler. Meistens reicht es vollkommen aus, einfach wild auf den Gegner draufzuhauen, Taktik ist nicht vonnöten - selbst bei den Bossgegnern nicht. Das steigert sich dann natürlich nochmal, wenn ihr sieben oder mehr Aktionschips zur Verfügung habt und euch mit Leonard in den weißen Ritter verwandelt. Dann teilt ihr enorm viel aus und steckt auch mehr Treffer ein. Eure Attacken verbrauchen dann auch keine Aktionschips mehr, sondern nur noch Manapunkte. Sind diese aufgebraucht, verwandelt sich Leonard zurück.

Leider ist das Kampfsystem von White Knight Chronicles nicht nur enorm einfach zu beherrschen, sondern auch noch ziemlich langweilig, da ihr eigentlich immer nur zwischen euren Aktionen wechselt und dann bei aufgeladenem Aktionskreis angreift oder heilt. Und theoretisch reicht es sogar, immer die gleiche Attacke auszuführen. Dadurch spielen sich die Kämpfe unglaublich öde und eintönig, außerdem ist die Bedienung nicht die Optimalste. Anstatt mehrerer Aktionsbalken, die ihr auch noch alle selber bestücken müsst - das Spiel nimmt euch dabei keine Arbeit ab - hätte man das ganze besser so machen sollen, wie in Final Fantasy. Denn lieber gut geklaut, als schlecht selbst gemacht.

Ebenfalls unschön: Erbeutete Items werden nur in einer Art Kampflog am linken oberen Bildschirmrand erwähnt, was reichlich unübersichtlich ist, sodass man sich oft dabei erwischt, erstmal nach einigen Spielstunden das Inventar zu durchforsten, um zu sehen, was man eigentlich so alles erhalten hat. Dazu kommt noch, dass jeder Charakter über ein eigenes Inventar verfügt. Noch umständlicher hätte man es nicht machen können!



Wähle deine Waffe

Wo wir gerade bei den Charakteren sind: Das Levelsystem in White Knight Chronicles ist ein relativ einfaches. Für Levelaufstiege erhält jeder Held Fähigkeitspunkte, die er in neue Attacken, Zauber oder persistente Attributsteigerungen investieren kann. Das ganze ist in mehrere Kategorien eingeteilt. So hat jede Waffenklasse im Spiel ihre eigenen Talente, hinzu kommt noch ein Bereich für Schadens- und einer für Heilzauber. Somit könnt ihr jeden Charakter in eine Richtung hin spezialisieren, welche dann jedoch streng linear ist. Macht ihr also aus zwei Charakteren reine Magier, werden sich diese spielerisch nicht voneinander unterscheiden. Dadurch fehlt es dem Charaktersystem - wie schon den Kämpfen - an der nötigen taktischen Vielfalt und Komplexität, um Rollenspiel-Profis zu begeistern, Einsteigern kommt dies jedoch sehr entgegen.


Das ist Next-Gen?

Wenn wir nun über die Grafik von White Knight Chronicles sprechen, muss man bedenken, dass das Spiel in Japan bereits seit über einem Jahr erhältlich ist. Trotzdem muss man sagen, dass es deutlich besser hätte aussehen können und müssen. Denn die Playstation 3 ist nunmal eine NextGen-Konsole. Dass das Programm exklusiv für dieses System entwickelt wurde, merkt man der Grafik überhaupt nicht an: Unscharfe Texturen, polygonarme Charaktermodelle und allgemein enfach wenige Details hinterlassen den Eindruck, dass dieses Spiel auch fast auf der Nintendo Wii laufen würde. Hinzu kommt auch noch, dass es stellenweise sogar zu Rucklern kommt. Hat man da bei der Programmierung wohl ein klein wenig geschlampt? Jedenfalls gewinnt White Knight Chronicles in Sachen Optik keinen Blumentopf, denn auch 2008 gab es schon deutlich hübschere Spiele, man denke nur mal an »Uncharted, welches ja sogar schon 2007 auf den Markt kam.

Dafür überzeugt White Knight Chronicles akustisch aber voll und ganz. Die Musik ist durchaus schön und stimmig und die englische Sprachausgabe - eine deutsche gibt es nicht - ist sehr gut gelungen. Ein weiterer Pluspunkt des Spiels sind die sehr liebevoll gestalteten Landschaften. Man fühlt sich fast schon heimisch, wenn man durch die kleinen Dörfer läuft und die Hauptstadt ist durchaus imposant gebaut. Hier haben die Entwickler alles richtig gemacht.

Was auch sehr gut ist: White Knight Chronicles setzt zwar, wie man es ja von anderen Japan-Rollenspielen gewohnt ist, auf feste Speicherpunkte. Das ist zwar für heutige Verhältnisse nach wie vor nicht zeitgemäß, im Gegensatz zu Star Ocean: The Last Hope sind diese aber deutlich fairer verteilt. So gibt es zum Beispiel in einem Abschnitt der Spielwelt, der doch relativ groß ist, insgesamt vier Speicherpunkte, von denen aus man auch wieder zurück auf die Weltkarte gelangt, wodurch einem auch ein wenig Laufarbeit abgenommen wird.


Das Abenteuer geht weiter - online!

Wer den umfangreichen Solomodus durchgespielt hat oder einfach mal ein wenig Abwechslung sucht, der kann sich mit dem Onlinemodus von White Knight Chronicles befassen. In diesem könnt ihr eure eigene kleine Stadt bauen, die dann als Treffpunkt für bis zu 12 Spieler dient. Natürlich könnt ihr auch Quests mit anderen Leuten gemeinsam bewältigen, was wirklich gut funktioniert. Dabei kommt eurer selbsterstellter Charakter aus dem Singleplayer zum Einsatz, den ihr somit zum Beispiel auch aufleveln könntet, falls ihr in der Storykampagne meistens mit anderen Charakteren in die Kämpfe zieht und euer Avatar somit leveltechnisch auf der Strecke bleibt. Was auch sehr schön ist: Neben Chat- und Mail-Funktionen gibt es auch ein in das Spiel integriertes Forum, in dem ihr euch mit anderen Spielern austauschen könnt.

Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:






White Knight Chronicles ist ein Rollenspiel, welches sich an Einsteiger richtet. Zumindest hoffe ich das, denn sonst haben die Entwickler bei Kämpfen und Charaktersystem so richtig was falsch gemacht. Der Titel bietet eigentlich keine Herausforderung. Wenn wenigstens die Geschichte interessant wäre, aber nein: Hier setzt man lieber auf Recycling und Kitsch. Dafür ist die Spielwelt sehr stimmig und in Sachen Umfang kann man auch nicht meckern, zumal es nicht viele solcher Rollenspiele gibt, die einen Onlinemodus haben. Genreneulinge, die über die technischen Mängel hinwegsehen können, können zugreifen, Profis sollten lieber zu anderen Titeln greifen.
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Pro:
großer Umfang
stimmige Spielwelt
netter Onlinemodus
guter Sound

Contra:
anspruchslose Kämpfe
Charaktersystem zu rudimentär
einfallslose Geschichte
veraltete Grafik
Bedienung nicht optimal
selbsterstellter Held stumm


Offizielle Website:
 White Knight Chronicles

Weitere Links:
 Trailer



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