Während man bei Prügelspielen japanischer Prägung das Gefühl hat, dass ein Krieger im Mittelpunkt steht, hat sich die chinesische Machart im Medium Film und Videospiel auf Massenprügeleien spezialisiert. So kämpft Ihr in Capcoms »Street Fighter IV an Seite von Ryu, Ken & Co., nur um in der Dynasty Warriors-Reihe das Kontrastprogramm zu erleben. Dort spielt sich das Geschehen selten unter einer Gegner-Anzahl von 1000 Kontrahenten ab und entspricht damit mehr dem, was man unter einem modernen Sidescroller in 3D verstehen kann. Ob die aktuelle Neuauflage einen Kauf rechtfertigt oder ob man getrost zu den Vorgängern greifen kann, wisst Ihr nach der Lektüre dieses Testberichts.
Chinesische Massenware mit Kultcharakter
Schon viele kleine Neuerungen hat man in die
Dynasty Warriors-Reihe eingepflegt. Und dabei war sich Entwickler Omega Force nie zu schade, uns schon bei der leisesten Innovation einen Nachfolger zu präsentieren. Man kann im alten China jetzt Provinzen auf einer Übersichtskarte erobern? Dann nichts wie raus mit dem nächsten Teil.
Nichts desto trotz haben mich die Teile für Xbox 360, sei es nun als Japan-Import für meine Nippon-Konsole oder der ganz regulär in Deutschland bekannte Nachfolger, bis zum Ende ans Pad gefesselt. Das mag schon einiges bedeuten, wenn man sich die Masse an guten Titeln einmal anschaut, die Schlag auf Schlag kommen. Da weiß man gar nicht, wann man die Zeit für
»Dragon Age samt DLC noch hernehmen soll, weil mittlerweile schon
»Mass Effect 2 bespielt werden soll. Als Berufstätiger sowieso.
Die
Dynasty Warriors–Serie ist also nicht unbedingt die Innovativste, kann man aber mit der Spielmechanik etwas anfangen, hat sie durchaus ihre Reize. Und eins wissen Fans sowieso – der Nachfolger ist garantiert. Ob sich allerdings auch das gewohnte Spielgefühl auf der PS3 mit dem neuesten Teil
Strikeforce einstellt?
Final Fight in 3D
Wer noch keinen Teil gespielt hat, dem sei verraten, dass ihr in die Fussstapfen verschiedener Helden schlüpft und euch durch endlose Gegner-Horden kämpfen müsst, bis auf der Level-Karte ein böser Obermotz - z.B. in Form eines Generals - auf euch wartet. Dabei zielt die Motivation nicht auf gelungene Kombos oder Bombast-Schauplätze wie aus
»God of War, sondern vielmehr auf das gemeine Grinsen, wenn euch gerade Herrscharen an Gegner eingekreist haben und ihr diese per gelungenen Special-Move wieder in alle Himmelsrichtungen verstreut. Hatte man aber im Vorgänger mehr das Gefühl, chinesische Schlachten aus dem Geschichtsbuch frei nachzustellen, hat man diesen historischen Charakter über Bord geworfen, indem man jetzt auch mit einem Phönix oder übergroßen Tiger in den Ring steigen muss. Da hätten wir also schon die angesprochene Neuerung des
Strikeforce-Ablegers.
Ansonsten ist in
Dynasty Warriors: Strikeforce natürlich vieles beim Alten geblieben. Anfangs kann man sich für drei verschiedene Seiten entscheiden, die alle das alte China für sich beanspruchen wollen. Dahinter verstecken sich aber nur die insgesamt 41 spielbaren Charaktere, die nach und nach im Spielverlauf freischaltbar sind. Dabei agieren die Gegnerhorden genauso angenehm dumm wie sie es immer tun. Angenehm deswegen, weil bei intelligenterer KI der Schnetzel-Effekt schnell auf der Strecke bleiben würde. Aber auch die Unmengen an selbst spielbaren Helden sind im Grunde austauschbar und so bleibt man bei einem Charakter, dessen Waffe und Charakter-Portrait einem sympathisch ist.
Damit der Charakter allerdings nicht so dermaßen austauschbar daher kommt, hat man auf der Übersichtskarte ein Auswahlmenü beibehalten. Ihr sprecht hier also mit Kriegern, widmet euch dem Spielstil des liebgewonnen Kämpfers und eurer Verkörperung in der virtuellen Massenschlacht sowie munitioniert euch beim Schmied auf. Im Ganzen wirkt
Dynasty Warriors: Strikeforce wie
Vandal Hearts auf der Playstation, wo sich zwischen den Strategie-Gefechten auch mal die eine oder andere Auflockerung ergeben musste, damit der Entwickler die Geschichte voran treiben konnte.
Alles beim Alten?
Grafisch kommt
Dynasty Warriors: Strikeforce ganz ordentlich daher. Doch man hat stellenweise den Eindruck, dass es sich hier mehr um eine aufpolierte Version der PSP-Fassung handelt. Sonst geht ein Titel ja den umgekehrten Weg. Die Bosskämpfe mit den großen Tierchen kommen trotzdem in HD im heimischen Wohnzimmer viel besser rüber als auf dem kleinen PSP-Schirm mit Sonneneinstrahlung auf der Parkbank. Nichts desto trotz wird das kommende dritte
»God of War den Entwicklern ihre Bequemlichkeit aufzeigen und verdeutlichen, was im Hack’n’Slay-Genre auf der aktuellen Sony-Generation alles möglich ist. Denn eine Entschuldigung für die manchmal doch öden Hintergründe, die Clipping-Fehler und die sich ähnelnden Gegner-Horden wird dem Entwickler dann schwer fallen.
Beim Sound hat sich die über Jahre eine andauernde Verbesserung von Episode zu Episode eingestellt. Zwar ist die Vertonung bei den Synchro-Sprechern wie auch die Hintergrund-Beschallung ganz ordentlich und etwas besser als bei den Vorgängern ausgefallen, aber um einen nennenswerten Vorteil zu finden, muss man wahrscheinlich schon auf etliche Titel zurückblicken.
Die Überraschung gibt’s zum Schluss!
Eindeutiger Vorteil gegenüber Kratos ist aber der Co-Op-Modus, der es euch erlaubt, entweder online oder mit KI-Charakteren an eurer Seite zu viert durch die kompakter gewordenen Karten zu streifen.
Damit fühlt man sich stellenweise an die spaßigen Bosskämpfe in
»World of Warcraft erinnert, wenn der Phönix dank kollektiver Einwirkung endlich ins Gras beißt. Und vor allem, weil Multiplayer-Aspekte gepaart mit der Story eines Single Player-Modus immer noch selten sind, erringt
Dynasty Warriors: Strikeforce damit einen Platz in meiner Videospiel-Bibliothek für das gemeinschaftliche Schnetzeln außerhalb von
»Guild Wars oder
WoW. Denn bei Kratos oder
Heavenly Sword müssen sich andere Spieler immer auf das Zuschauen beschränken. Der Vollständigkeit halber sei auch noch ein gesonderter Versus-Mode genannt, in dem die Spielelemente eines Tekken Tag Tournaments auf die auf Massenkeilerei ausgelegte Gameplay-Methode trifft. In allem also ein netter Modus, um seine Gedanken in der Gruppe mal schweifen zu lassen, aber keine echte Alternative.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
