Vor etwas über einem halben Jahr erschien Star Ocean: The Last Hope für die Xbox 360 (»unser Testbericht). Nun ist der vierte Teil der Japano-Rollenspiel-Reihe auch für die PlayStation 3 erhältlich. Ob die Umsetzung dem in Kürze erscheinenden Final Fantasy XIII Konkurrenz machen kann oder nicht, erfahrt ihr in unserem Test.
Typisch japanisch
Star Ocean: The Last Hope ist ein typisches Japano-Rollenspiel. Das merkt man nicht nur an der Optik, sondern leider auch am Charakterdesign. Denn dieses ist schon viel zu typisch, sprich generisch. Ihr verkörpert den jungen Helden Edge, der mit seinen blonden Haaren, seinen Sprüchen und seinem Schwert so austauschbar wirkt, dass es einem schon nach kurzer Zeit zum Halse raushängt. Bei den anderen Charakteren verhält sich das leider nicht anders. Da gibt es das nervige, etwas verrückte, rosahaarige Mädchen, den etwas stilleren, zurückhaltenderen und höflichen Eldarianer (eine Alien-Rasse, die sehr stark an Elfen erinnert) oder auch den stets miesgelaunten und fiesen Vorgesetzten. Ihr seht also schon: Wer auf ausgefeilte Figuren alá
Final Fantasy VII viel Wert legt, dürfte mit
Star Ocean 4 nicht allzu viel Freude haben. Zudem kommt das Spiel auch in Sachen Story längst nicht an die große Konkurrenz aus dem eigenen Publisher-Hause an, obwohl diese eigentlich viel Potential gehabt hätte: Nach dem 3. Weltkrieg ist die Erde nicht mehr bewohnbar, weshalb die Menschen sich auf die Suche nach einer neuen Heimat im Weltall machen. Federführend ist dabei die "Universal Space and Technology Administration", kurz USTA, welcher ihr in der Rolle von Edge angehört. Zu Beginn seid ihr noch ein einfaches Crewmitglied auf einem Raumschiff, aber schon nach kurzer Spielzeit werdet ihr selbst zum Captain ernannt und sollt selbstständig nach einem neuen Lebensraum suchen. Leider haben es die Entwickler vermasselt, jegliche Spannung aufkommen zu lassen. Denn es gibt zwar viele Zwischensequenzen und Dialoge, die auch nicht gerade schlecht aussehen, aber sobald die Figuren den Mund aufmachen, denkt man sich als Spieler: "Verdammt, warum muss das denn jetzt sein?" Denn die Gespräche sind leider eher langweilig geraten und stellen keinen Vergleich zu einem
Final Fantasy oder westlichen Spielen wie
»Mass Effect 2 oder
»Dragon Age: Origins dar. Zudem passiert selten irgendwas wirklich Aufregendes und die oben genannte, fehlende Charaktertiefe wird auch hier nicht erzeugt. Gerade in einem Rollenspiel ist das natürlich ein großes Manko. Aber erstmal genug der Meckerei, denn es gibt auch jede Menge positives über
Star Ocean: The Last Hope zu vermelden.
Coole Kämpfe
Das absolute Highlight von
Star Ocean: The Last Hope ist das Kampfsystem, welches serientypisch in Echtzeit abläuft. Ihr steuert einen von drei im Kampf nutzbaren Charakteren und lenkt diesen über das "Schlachtfeld". Gegner werden automatisch anvisiert, ihr könnt euer Ziel aber auch manuell ändern. Mit einem einfachen Tastendruck attackiert ihr den Feind, mit L2 und R2 könnt ihr Spezialattacken wirken. Eine Besonderheit sind die sogenannten Blindside-Angriffe. Per Bildschirmeinblendung wird angezeigt, wann ihr einen solchen ausführen könnt. Haltet dann die Taste zum Springen gedrückt und bewegt den linken Analogstick in eine beliebige Richtung, schon bewegt sich euer Kämpfer schnell hinter den Gegner, welcher dadurch irritiert ist, und durch einen weiteren Tastendruck verpasst ihr diesem einen ordentlichen Schlag in den Rücken. Natürlich lassen sich auch Items nutzen und ihr könnt jederzeit einen der anderen beiden Charaktere übernehmen, welche andernfalls von der KI gesteuert werden, die leider nur bedingt intelligent agiert.
Noch eine Besonderheit der Kämpfe in
Star Ocean: The Last Hope ist die Bonustafel. Für bestimmte Aktionen erhaltet ihr dort verschieden farbige Kristalle, die euch nach dem Kampf Boni einräumen, zum Beispiel 10 Prozent mehr Erfahrung. Auch gibt es eine Wut-Anzeige, die sich durch erhaltenen und ausgeteilten Schaden auflädt. Habt ihr das Maximum erreicht, könnt ihr den Zorn-Modus aktivieren und agiert somit für ein paar Sekunden schneller und fügt mehr Schaden zu.
Insgesamt machen die Kämpfe enorm viel Spaß, spielen sich sehr flott und sind teilweise auch durchaus herausfordernd. Besonders die Bosskämpfe stechen natürlich heraus.
Lernen, lernen, lernen
Auch sehr gut gelungen ist das Charaktersystem. So steigen eure Charaktere zum einen im Level auf, wodurch sich deren Attribute erhöhen. Außerdem erhaltet ihr KP, die ihr in eure "Kenntnisse" investieren könnt. Dazu gehören Spezialattacken, aber auch Craftin-Fertigkeiten, wie zum Beispiel Kochen oder Schmieden - auf das Crafting-System gehen wir weiter unten näher ein. Zudem steigen die Figuren nicht nur im Level, sondern auch in ihren Kampfstil. Davon gibt es insgesamt drei, die ihr frei wählen könnt. Stil S ist sehr offensiv ausgerichtet und erhöht dementsprechend euren Schaden oder die Chance auf kritische Treffer. Stil B hingegen ist eher defensiv orientiert und sorgt zum Beispiel für ein schnelleres Aufladen der Zorn-Leiste. Stil N hingegen bietet ein gutes Mittelmaß. Ihr seht also: Das Aufleveln und Verbessern der Charaktere ist durchaus gut gemacht und motiviert zum Weiterspielen.
Waffen im Eigenbau
Das Crafting-System in
Star Ocean 4 ist ebenfalls ein wahres Highlight. So müssen erstmal Rezepte entwickelt werden, um überhaupt irgendetwas herstellen zu können. Dazu lasst ihr eure Gruppenmitglieder zusammentreffen und quasi im "Brainstorming-Verfahren" zum Beispiel neue Bauanleitungen für Waffen oder Rüstungen kreieren. Dabei solltet ihr darauf achten, eure Charaktere möglichst klug in Entwicklungsgruppen einzuteilen. Soll heißen: Wenn ihr zum Beispiel neue Erkenntnisse im Bereich der Alchemie haben wollt, solltet ihr niemanden in die entsprechende Gruppe packen, der von diesem Gebiet keine Ahnung hat. Habt ihr ein Rezept entworfen und wollt dieses nun in die Tat umsetzen, müsst ihr natürlich erstmal die benötigten Rohstoffe sammeln, die sich überall in den Levels finden lassen. Und es gibt viel zu sammeln, denn die Itemvielfalt ist enorm groß. Das betrifft aber nicht nur Rohstoffe, sondern generell alle Arten von Gegenständen. So ist zum Beispiel die Anzahl der Waffen im Spiel deutlich höher, als in einem
Final Fantasy.
"Das Wandern ist des Spielers Leid"
Wo wir gerade beim Thema Levels sind: Die Umgebungen in
Star Ocean 4 sind meist relativ weitläufig. Allerdings heißt das nicht, dass ihr eine unglaublich große Bewegungsfreiheit habt, es ist letztlich dann doch alles sehr schlauchartig gestaltet. Dennoch gibt es auch immer wieder etwas zu entdecken, sodass es sich wirklich lohnt, jede Abbiegung mindestens einmal einzuschlagen. Allerdings ist die Laufarbeit dabei enorm groß. Eine Schnellreise-Funktion gibt es nicht. Dazu kommen natürlich auch noch die Kämpfe, die die Zeit, bis man das gewünschte Ziel erreicht hat, in die Länge ziehen. Allerdings bleibt ihr von Zufallskämpfen verschont, die Gegner bewegen sich sichtbar durch die Levels und ihr könnt diesen auch aus dem Weg gehen, was jedoch auch nicht immer klappt. Ihr solltet also auch viel Geduld und Zeit mitbringen, wenn ihr
Star Ocean: The Last Hope spielen wollt. Für zwischendurch ist der Titel nicht gerade geeignet, zumal es japano-typisch kein freies Speichersystem gibt. Ihr könnt euren Spielstand nur an festen Speicherpunkten absichern. Im Jahr 2010 ist das jedoch nicht mehr angemessen. Gäbe es wenigstens eine Autosave-Funktion, wäre das gar nicht mal so schlimm, aber auch solch eine fehlt gänzlich. Das kann mitunter auch für Frust sorgen, wenn ihr gerade in einem kleinen Kampf seid, nur noch wenig Lebensenergie und alle Heilgegenstände verbraucht habt. Sowas gehört sich heutzutage einfach nicht mehr.
Mittelprächtige Optik
Man muss bei der Grafik natürlich beachten, dass
Star Ocean: The Last Hope ja eigentlich schon im Sommer letzten Jahres für die Xbox 360 auf den Markt kam. Allerdings war auch da schon grafisch wesentlich mehr möglich. So sieht das Spiel leider nur mittelprächtig aus. Die Charaktermodelle sind zwar halbwegs detailliert, die Umgebungstexturen wirken jedoch meistens sehr unscharf, wirkliche Details fehlen. Zudem wirken die Animationen teilweise etwas steif. Immerhin gibt es den ein oder anderen netten Effekt, aber auf der heutigen Konsolengeneration wäre doch deutlich mehr möglich gewesen. Hässlich ist
Star Ocean 4 aber trotzdem nicht.
Die Musik ist durchaus gut gelungen, aber auch nichts besonderes. Die englischen Synchronsprecher - eine deutsche Vertonung gibt es nicht - gehören auch nicht zu den Besten, liefern aber dennoch eine solide Arbeit ab.
Insgesamt lässt sich also sagen, dass
Star Ocean: The Last Hope ein durchaus gutes, solides Rollenspiel ist, vom großen Hit jedoch durch seine Mängel weit entfernt ist.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
