Nach einer fast zweijährigen Pause meldet sich die Offroad-Rennspielreihe MX vs. ATV aus dem Hause THQ zurück. Entwickler Rainbow Studios nutze die lange Entwicklungszeit, um der Serie zu neuen Höhen zu verhelfen und hat das Konzept fast komplett umgekrempelt. Ob sich das Vorhaben ausgezahlt hat, erfahrt ihr in unserem Testbericht.
Eine wahre Schlammschlacht
Mit
MX vs. ATV Reflex erwartet euch ein Offroad-Rennspiel im Stile von
»MotorStorm. Auf Schlamm-, Wüsten- und Winter-Strecken bzw. abgesteckten Parcours in Hallen schwingt ihr euch auf eine große Anzahl von unterschiedlichen Fahrzeugen. Angefangen bei unzähligen MX Motorrädern, über UTVs oder Sport Buggys, bis hin zu größeren Sport Trucks bietet jede der Fahrzeugklassen aufgrund ihrer Größe und Wendigkeit spezielle Vorzüge auf der Piste.
Neben einem undramatischen Arcade-Modus, wo bereits alle Fahrzeugklassen und Strecken freigeschaltet sind, steht noch ein Karriere-Modus zur Verfügung. Hier wartet eine Vielzahl von Events in den Disziplinen Freie Fahrt, Nationals, Supercross, Omnicross, Freistil, Meister-Strecke und Streckenpunkt auf euch. Um weitere Events freizuschalten, müsst ihr in einem Rennen mindestens den dritten Platz erreichen, dafür erhaltet ihr natürlichen neben dem Ruhm auch das dringend nötige Kleingeld, um eure Fahrzeuge mit moderneren und verbesserten Teilen aufzuwerten oder die Kohle gleich in ein neues Vehikel zu investieren.
Um die in einigen Fällen langen Ladezeiten bis zum Start des Rennens zu überbrücken, könnt ihr währenddessen die Zeit in einem kleinen Park mit ein paar abgefahrenen Tricks überbrücken. Gute Idee!
Innovative Steuerungsmöglichkeiten
Sobald das Intro von
MX vs. ATV Reflex über den Bildschirm geflackert ist und euch bereits ein wenig in Stimmung gebracht hat, geht es direkt los mit eurer Offroad-Karriere. Doch um euch nicht ins kalte Wasser zu stoßen, durchlauft ihr ein kurzes aber lehrreiches Tutorial, in dem ihr mit der neuen Steuerung vertraut gemacht werdet. Die wohl größte spürbare Neuerung ist nämlich das getrennte Handling eures fahrbaren Untersatzes und des Fahrers. Der rechte Analog-Stick dient nicht zum Bewegen der Kamera, sondern mit ihm habt ihr die volle Kontrolle über die Bewegungen eures virtuellen Charakters auf dem Fahrzeug und somit die Möglichkeit, noch präziser und schneller durch das Terrain zu rasen. Wobei sich die Steuerung bei der Motorrad-Klasse am nützlichsten erweist. Der linke Analog-Stick dient, wie bei jedem Rennspiel, zur Navigation eures Gefährtes. Die etwas außergewöhnliche Steuerung braucht allerdings ein wenig an Übung bis ihr sie vollends beherrscht.
Ein weiteres neues Feature von
MX vs. ATV Reflex liegt in der Landung: Solltet ihr nach einem Sprung nicht unbedingt ideal auf dem Boden aufkommen, fallt ihr nicht gleich vom Bike, sondern habt noch die Möglichkeit, den Sturz abzuwenden. Dazu erscheint auf dem Bildschirm für kurze Zeit ein grüner Pfeil, der die Richtung anzeigt, in die ihr mit dem rechten Analog-Stick zeigen müsst, um dem Unfall zu entgehen. Kommt es dann doch einmal zu einem Sturz, kommt der negativste Punkt des Spiels zum Vorschein.
MX vs. ATV Reflex setzt euch sehr weit hinten auf der Strecke zurück, wodurch nach einem Sprung mit folgendem Sturz der Neustart des derzeitigen Rennens in den meisten Fällen vorprogrammiert ist.
Wenig innovativ ist auch die Tricksteuerung. Sobald ihr eine Rampe gefunden habt und in der Luft seid, müsst ihr die L1-Taste gedrückt halten und dann den rechten Analog-Stick in eine bestimmte Richtungen bewegen, um einen der insgesamt 45 Tricks auszuführen. Ihr solltet aber bei der Umsetzung der Tricks behutsam mit den Analog-Sticks umgehen, ein zu langes Halten in eine Richtung führt meist zum Sturz.
Auch zu zweit spielbar
Wem der Arcade- oder Karriere-Modus auf Dauer zu langweilig ist, der kann Zuhause mit einem Freund via Splitscreen vor der Konsole spielen, ein lokales Netzwerkspiel erstellen oder sich Online ins Getümmel begeben. Hierfür stehen euch vielfältige Spielmodi zur Verfügung, wobei die insgesamt elf weiteren Kontrahenten nun aus menschlichen Gegnern bestehen.
Gebührender Nachfolger
Nachdem fast zwei Jahre vergangen sind, seitdem wir
MX vs. ATC Untamed spielen durften, hat sich technisch einiges am Franchise getan. Um dem Nachfolger zu einer konkurrenzfähigen Grafik zu verhelfen, wurde die verwendete Rhythm-Racing-Engine gehörig aufgebohrt. Die neue Technik hinter
MX vs. ATV Reflex leistet auch größtenteils akzeptable Arbeit, die Fahrbahnveränderungen und Deformationen der Strecke in Echtzeit sehen nicht nur super aus, sondern lassen auch jede Runde zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Die Umgebung wirkt nun auch deutlich lebendiger und sieht einladender aus. Trotzdem ist die Optik des Spiels nicht ganz auf dem Stand heutiger Konkurrenten. Nicht selten kommt es vor, dass Texturen erst viel zu spät richtig scharf dargestellt werden oder Objekte mit starker Treppchenbildung zu kämpfen haben.
Musikalisch hätte sich das Entwicklerstudio auch mehr Mühe geben können, der Soundtrack von
MX vs. ATV Reflex ist sehr Metal-lastig und bietet kaum bis keine Alternativen für Nicht-Anhänger des Musik-Stils. Zudem hören sich die Motorengeräusche auch eher mau an, zum einen schwankt die Qualität zwischen den Fahrzeugklassen sehr stark und zum klingen die Drehzahlbereiche im Grunde fast identisch. So entsteht das Gefühl, durchweg mit Vollgas zu fahren.