Im Jahre 2001 lieferte das Entwicklerteam Bohemia Interactive mit Operation Flashpoint einen Meilenstein im Taktik-Shooter Genre ab, der bis heute noch seines gleichen sucht. Auch mit den inoffiziellen Nachfolgern Armed Assault 1 + 2 konnte man nicht an diesen Erfolg anknüpfen. Inoffiziell deswegen, weil die Operation Flashpoint-Marke nach dem Publisherwechsel von Bohemia Interactive geistiges Eigentum von Codemasters blieb und der Publisher selbst ein Entwicklerteam mit der Fortsetzung betraute. Ob es der neuen Mannschaft gelungen ist, einen gebührenden offiziellen Nachfolger zu schaffen, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test zu Operation Flashpoint: Dragon Rising.
Der Kampf um die Insel Skira
Die Geschichte von
Operation Flashpoint: Dragon Rising führt euch auf eine kleine fiktive Insel im Pazifischen Ozean namens Skira, welche unter der Herrschaft Russlands steht. Nachdem die weltweit größte Wirtschaftskrise ausgebrochen ist und sich die Ölvorräte Chinas dem Ende neigen, scheint das kapitalistische Land unter dem Druck fast zu zerbrechen.
Als man dann auf die immens großen Ölvorkommen auf Skira stößt, erhofft sich China durch eine Aneignung der Insel einen Ausweg aus der Misere. Russlands Streitmächte erwarten einen unerbittlichen und langwierigen Kampf der chinesischen Volksbefreiungsarmee (VBA) und suchen daraufhin nach internationalen Verbündeten. Eine Anfrage an die US-Amerikaner erbrachte eine positive Nachricht und man darf nun mit deren Unterstützung in der schweren Zeit rechnen.
Um die von der VBA besetze Insel wieder aus den Fängen der Gegner zu befreien, plant die Koalition aus Russland und Amerika einen Überraschungsangriff. Dies lässt euch als U.S. Marine Squad-Leader in
Operation Flashpoint: Dragon Rising auf den Plan treten.
Elf spannende Missionen
Nachdem euch das Intro mit der Problematik der Geschichte vertraut gemacht hat, startet schon die erste von insgesamt elf Mission in der Uniform eines U.S. Marines. Wobei man das erste und zweite Level eher als Tutorial sehen sollte, in dem sehr kurz die notwendigsten Tastenbelegungen und Interaktionsmöglichkeiten mit den Teammitgliedern zur Sprache kommen. Was dabei schon nach kurzer Zeit auffällt, sind die riesigen Einsatzgebiete, in denen ihr agiert, fast unendlich wirkende Landschaften mit einer Gesamtgröße von insgesamt 220 Quadratkilometern. Ein Designer erwähnte kürzlich in einem Interview, dass man zu Fuß für die komplette Erkundung der Insel circa zehn Stunden veranschlagen müsste.
In
Operation Flashpoint: Dragon Rising kommandiert ihr ein Drei-Mann Team, mit jeweils einem Schützen, einem Sanitäter und einem Pionier. Nachdem die Mission ausgewählt ist, erhaltet ihr eine kurze Übersicht über die Haupt- und Sekundärenziele sowie einen Aufklärungsbericht über feindliche und befreundete Truppen im betreffenden Gebiet. Wer weitere detaillierte Informationen zu der kommenden Mission und dem damit zusammenhängenden Einsatzbefehl wünscht, kann sich über die Viereck-Taste zusätzliche Infos zu Gemüte führen.
Wer noch vorher wissen möchte, mit welcher Ausrüstung dein Team für die kommende Mission bewaffnet ist, kann dies im Truppenüberblick einsehen. Anzumerken ist, das man in so gut wie jeder Mission einen anderen Charakter sowie Trupp steuert, wodurch eine persönliche Bindung zu den Akteuren kaum zustande kommen kann.
Taktik ist das A und O
Wer in
Operation Flashpoint: Dragon Rising mit der Spielweise von
Call of Duty oder
Killzone bestreiten und einfach nur nach vorne preschen will, setzt sich wahllos dem Sperrfeuer chinesischer Truppen aus und segnet schon nach wenigen Spielminuten das Zeitliche. Vielmehr müsst ihr euch Schutz im hohen Gras, unter Bäumen oder hinter Sträuchern suchen und sehr behutsam vorgehen. Wer den Kampagnen-Modus auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ oder „Erfahren“ spielt, erhält strategisch günstige Punkte auf der Karte angezeigt, um möglichst unbeschadet das Missionsziel zu erreichen. Dies sind nur Empfehlungen der Oberbefehlshaber und müssen nicht von euch befolgt werden. Ihr könnt euch auch einen komplett anderen Weg durch die Landschaft bahnen, um das Missionsziel zu erreichen. Im Schwierigkeitsgrad „Hardcore“ müsst ihr dagegen gänzlich auf Hilfen verzichten und somit nur auf euer Bauchgefühl vertrauen.
Da ihr in
Operation Flashpoint: Dragon Rising der Herr eines Teams seid, dürft ihr auch über die Mitstreiter verfügen und sie nach Belieben herumkommandieren. Dazu dient zum einen die R1-Taste für die Befehligung der Teammitglieder und die Dreieck-Taste um Luft- sowie Bodenangriffe in Auftrag zu geben. Sobald ihr eine der entsprechenden Taste gedrückt habt, öffnet sich ein kreisförmiges Menü mit den jeweiligen Befehlen der Kategorie. Entscheidet ihr euch für einen Punkt, teilt sich dieser in noch präzisere Angaben, womit ihr euch perfekt für einen anstehenden Angriff vorbereiten könnt. Die Auswahl an unterschiedlichen Befehlen scheint immens und bedarf in der Anwendung auch etwas Übung, bis man alle Interaktionsmöglichkeiten selbstverständlich nutzen kann. Wem das zu kompliziert ist, der kann alternativ noch über die Select-Taste eine Karte öffnen und so seine Truppen zum Ziel zu führen.
Multiplayer für Taktiker
Wer über eine Onlineanbindung verfügt, kann zum einen die komplette Kampagne von
Operation Flashpoint: Dragon Rising mit allen Geschehnissen mit bis zu drei weiteren Freunden noch einmal erleben oder sein Können im Deathmatch bzw. Infiltration-Modus unter Beweis stellen. Im letzteren Modus wird ein Angreiferteam sowie ein Team ausgewählt, das verschiedene Objekte schützen muss. Sollten sich hier nicht genug Spieler für ein Team finden, so werden noch freie Plätze mit computergesteuerten Protagonisten besetzt.
Wie ich finde, ein feiner aber unerklärlicher Unterschied zur PC-Version: Auf den Konsolen dürfen nur maximal acht Mitstreiter teilnehmen, wogegen auf dem PC zweiunddreißig gleichzeitig in die Schlacht ziehen dürfen.
Rennspiel-Engine?
Die Technik hinter
Operation Flashpoint: Dragon Rising hört auf den Namen EGO-Engine und wurde schon grandiosen Titeln wie
»Colin McRae: DiRT 2 oder
»Race Driver: Grid zum Einsatz. Das Grafikgerüst leistet hier jedoch nur eine akzeptable Leistung ab. Die Inszenierung der Insel Skira mit zahllosen Bäumen, Sträuchern, Bergen oder Flüssen fällt optisch sehr gut aus. Einzig die Texturen unter euren Stiefeln oder an Gebäuden wirken bei näherer Betrachtung teilweise etwas unscharf und matschig.
Was man dem Titel des Weiteren negativ ankreiden muss, sind die fehlenden Animationen bei Inbetriebnahme beispielsweise eines Fahrzeugs oder Geschützes. Wobei die restlichen Bewegungen aufgrund des verwendeten Motion-Capturing-Verfahrens durchweg einen positiven und detailverliebten Eindruck machen.
Auch soundtechnisch haben sich die Jungs von Codemasters sehr viel Mühe gegeben: Effekte im Spiel wie Explosionen, Schüsse sowie die Sprachausgabe der Polygonfiguren wirken auf ganzer Linie sehr stimmig. Auch die klassisch-chinesisch angehauchten Klänge im Hauptmenü von
Operation Flashpoint: Dragon Rising sind sehr passend.