„»Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay“ gilt für viele Gamer – ungeachtet der sehr positiven Reviews – als eines der meistunterschätzten Spiele überhaupt. Hier fügte sich jedes einzelne Element nahezu perfekt in das Gesamt-Gameplay ein; ein brilliantes Voice-Acting samt seinerzeit herausragender Grafik sorgten für den finalen Schliff, der „Escape from Butcher Bay“ zu einem wahren Juwel machte. Die Handlung spielte vor der des Films „Pitch Black“ und drehte sich um das Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay und den meistgesuchten Mann des Universums: Richard B. Riddick. Das war 2004 auf der Xbox und dem PC. Nun, fünf Jahre später, erscheint die Fortsetzung „Assault on Dark Athena“. Doch auch die Flucht aus Butcher Bay wurde zur Abrundung des Paketes mit auf die Disc gepackt. Wir haben den Ausbruch erneut geschafft...
Einen Einblick in den Genre-Mix erhaltet ihr zudem in unserem
»kommentierten Test-Video der PC-Version von "Escape from Butcher Bay".
Flucht von Butcher Bay
Um dem Hochsicherheitsgefängnis Butcher Bay zu entkommen, muss sich der Glatzkopf einiges einfallen lassen. Den Weg einfach freiballern entfällt als Option – die Gewehre der Wachen sind allesamt DNA-kodiert und können nur von denen benutzt werden, deren genetischen Fingerabdruck das System kennt. Natürlich wird Riddick auch sehr bald dafür sorgen, dass das System ihn erkennt, jedoch hält das leider nicht für lange. So bleibt ihm die meiste Zeit nur der Nahkampf. Zunächst mit den Fäusten, später auch mit Messern, erwehrt er sich der Feinde. Und davon gibt es in Butcher Bay einige: Die Wärter sind korrupt und die Gefangenen zu allem bereit, um sich in der Hackordnung nach oben zu kämpfen. Über Gefälligkeiten für die Mithäftlinge beschafft ihr euch verschiedene Gegenstände und Infos, die ihr für eure Flucht benötigt. Im späteren Verlauf bekommt Riddick dann auch seine aus den Filmen bekannte „Spezialfähigkeit“: Durch eine Art Nachtsicht ist es ihm möglich, im Dunkeln zu sehen. Und das trifft sich sehr gut, immerhin bietet Butcher Bay einige dunkle Ecken.
So liegt der Fokus des Spieles auch ganz klar auf diesem Element; die Dunkelheit ist Riddicks wichtigster Verbündeter. Im Dunkel kann er von Feinden nicht entdeckt werden, wenn er sich auf Knopfdruck hinhockt – das Bild verfärbt sich dann leicht bläulich, und ahnungslose Wächter können euch nicht sehen. Das ermöglicht euch, sie aus dem Schatten heraus unauffällig, leise und schnell zu töten. Auf eure Waffen greift ihr über ein komfortables Ringmenü zu – auch habt ihr die Möglichkeit, zwei verschiedene Waffen auf das Digikreuz links bzw rechts zu legen. Doch auch Riddick ist natürlich nicht unsterblich, und so hat er nur eine begrenzte Gesundheit. Der aktuelle Stand wird oben links in Form eines kleinen Kästchens dargestellt – übrigens die einzige Anzeige auf dem Bildschirm. Wurdet ihr verletzt, müsst ihr euch an einer Nanomed-Station heilen. Diese können zwar nur bis zu vier Kästchen wiederherstellen, durch entsprechende Kapseln könnt ihr die Stationen jedoch wieder „nachladen“.
Spielerisch ist der Gefängnisausbruch eine interessante Mischung aus Stealth, Beat'em Up (Nahkampf) und Shooter – in dieser Reihenfolge. Dabei schafft es die Versoftung wie kaum eine andere, die Atmosphäre der Filme nachzustellen. Der Look von Butcher Bay fügt sich sehr stimmig in das Riddick-Universum ein. Durch das Einsammeln von Zigarettenpäckchen schaltet ihr noch einige Extras frei - hauptsächlich Artworks.
Von Butcher Bay zur Dark Athena
Das titelgebende „Assault on Dark Athena“ setzt genau dort an, wo der Vorgänger endete – kaum von Butcher Bay entkommen, wird der kleine Raumkreuzer, auf dem sich Riddick im Cryo-Schlaf befindet (sein Traum dient auch hier wieder als Tutorial), von einem riesigen Söldnerschiff gekapert. Er wacht jedoch rechtzeitig auf und kann sich an Bord verstecken – seine Begleitung (wir verraten den Namen nicht, auch wenn Fans sicher klar sein sollte, wer gemeint ist) hat nicht soviel Glück und wird gefangen genommen. Kapitän des Schiffes ist eine Frau namens Revas, mit der auch Riddick noch eine offene Rechnung hat. So muss er nun also einen Weg finden, von der Dark Athena zu fliehen. Die Ausgangssituation erinnert damit frappierend an die des Anime „Riddick: Krieger der Finsternis“.
Spielerisch unterscheidet sich der neue Teil kaum von seinem Vorgänger. Ihr führt Dialoge mit Gefangenen und erfüllt kleinere und größere Aufgaben um im Schiff voranzukommen. Da die Waffen hier nicht DNA-gebunden sind, kann Riddick jederzeit auf diese zurückgreifen. Die Folge: Es wird mehr geballert als im Vorgänger. Während sich der Glatzkopf in Butcher Bay zu Beginn mit bloßen Fäusten im Nahkampf beweisen musste, bekommt er hier direkt von Anfang an zwei gebogene Klingen spendiert – Ulaks. Am grundsätzlichen Prinzip des Nahkampfes ändert dies jedoch nichts, nur dass ihr jetzt eben statt Fäusten (oder Schlagringen) die Ulaks als Nahkampf-Waffe habt.
Euer Weg führt durch die Dark Athena und verschlägt euch zur zweiten Hälfte hin auf Aguerra. Hier ändern sich die Spielregeln wieder ein wenig – es gibt zwar einige dunkle Stellen zum Verstecken, aber der Planet ist im Vergleich zu Butcher Bay oder der Dark Athena doch recht hell. Da passt es nur gut ins Konzept, dass ihr auch hier sehr schnell wieder bewaffnet seid – mit einer ganz neuen Waffe, der SCAR-Gun. Diese verschiesst Pakete aus komprimierter Luft, die an Gegnern und Wänden hängenbleiben. Bis zu fünf Stück davon könnt ihr abfeuern, Schaden richten sie jedoch keinen an, bis ihr sie mit dem sekundären Feuermodus zur Explosion bringt. Ansonsten gibt es hier wenig Neues: Ihr schleicht ab und an, ballert euch durch und übernehmt auch mal die Kontrolle über eine Drohne oder Kampfroboter. Statt Zigarettenpäckchen sammelt ihr hier Kopfgeldkarten, um Extras freizuschalten.
Wer ist der bessere Killer?
Weitere Neuerung ist ein Mehrspieler-Modus. Bis auf wenige Ausnahmen wird hier jedoch Standardkost geboten, also „Deathmatch“ und weitere shootertypische Varianten; nichts, was Platzhirsche wie „
»Call of Duty 4“ und dergleichen aus den Multiplayer-Charts kicken könnte. Interessant ist aber der „Pitch Black“-Modus – hier übernimmt einer der Spieler die Rolle von Riddick, während die anderen als Soldaten im Dunkeln Jagd auf ihn machen. Riddick stehen seine Nachtsicht und Stealthmoves zur Verfügung, die Soldaten nutzen ihre Taschenlampen und Gewehre. Wem es gelingt, Riddick zu töten, wird daraufhin selber in die Rolle des Glatzkopfes versetzt.
Rundes Paket
Das Paket aus Butcher Bay und Dark Athena samt aufgesetztem Multiplayer wirkt arg bemüht. Der neue Teil erreicht nicht ansatzweise die Qualitäten des Vorgängers, da dieser zu einem fast reinrassigen Shooter ohne die in Butcher Bay üblichen Stealth-Einlagen mutiert ist; der Multiplayer bietet ausser dem „Pitch Black“-Modus lediglich Standardkost. Dennoch ist es ein Genuss, erneut aus Butcher Bay auszubrechen. Das Spiel funktioniert auch fünf Jahre nach seinem Release noch grandios. Die Grafik wurde leicht überarbeitet, kann aber mit der aktueller Titel nicht ansatzweise mithalten, dazu sind die Texturen einfach zu verwaschen. Das Spiel mit Licht und Schatten funktioniert aber nach wie vor grossartig und schafft jede Menge Atmosphäre. Die wurde auf der Dark Athena, welche optisch einen Tick besser ausgefallen ist, leider zugunsten der Shooter-Einlagen vernachlässigt. Bugs haben beide Spiele: So kam es beim Test schonmal vor, dass die Ragdoll-Modelle der getöteten Feinde durch die ganze Halle gefeuert wurden oder Riddick statt einen Gegner in die Mangel zu nehmen, die Luft bearbeitete. Das hat jedoch keine negativen Auswirkungen auf das Gameplay gehabt, könnte aber ärgerlich werden wenn so ein Ragdoll-Modell eines leise getöteten Gegners plötzlich anderen Wachen vor die Füße fliegt.
Wirklich punkten können beide Spiele vor allem mit einem: Dem Sound. Auf eine deutsche Synchronisation wurde verzichtet, dafür jedoch durchweg gute Sprecher angeheuert. Riddick wird natürlich von Vin Diesel gesprochen und Cole Hauser übernimmt den Part von Kopfgeldjäger Johns. Aber auch sonst tauchen einige prominente Namen im Sprecher-Cast auf, wie Ron Perlman („Hellboy“), John Di Maggio (Bender aus „Futurama“), Dwight Schultz (Murdock vom „A-Team“) oder auch US-Rapper Xzibit. Das, gepaart mit den krachenden Soundeffekten und dem starken Einsatz von Filtern (Unschärfe, Körnung), gibt den Spielen einen stark cineastischen Touch.
Da eigentlich nur ein erweitertes Remake von „Escape from Butcher Bay“ geplant war, kann man Starbreeze nicht nur als Riddick-Fan problemlos verzeihen, dass „Assault on Dark Athena“ nicht dessen Qualitäten erreicht. Mehr noch sollte man ihnen dankbar sein, diesen modernen Klassiker nicht nur neu aufgelegt, sondern auch noch eine ebenso lange Erweiterung „angehängt“ zu haben. Bei einer Solo-Spielzeit von knapp zwölf bis 16 Stunden (jeweils etwa sechs bis acht Stunden pro Spiel) kann kaum noch von einer „kleinen Erweiterung“ gesprochen werden.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:


