"Naruto" ist eine der zur Zeit erfolgreichsten Manga- und Animeserien. Kein Wunder, dass das Franchise auch immer mehr Videospiele hervorbringt. Nun bekommt auch die Playstation 3 einen eigenen Ableger: "Naruto: Ultimate Ninja Storm" heißt das Spiel und möchte eine Mischung aus Beat'em Up und "GTA" sein. Ob die Mixtur geglückt ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Willkommen in Konoha!
"Naruto: Ultimate Ninja Storm" ist in zwei Spielmodi auftegeilt: Den Story-Modus und den Freier-Kampf-Modus. In Letzterem tretet ihr mit einem beliebigen Charakter gegen die KI oder einen menschlichen Gegenspieler im Kampf an. Und das war es dann auch schon mit den unterschiedlichen Spielvarianten. Einen Online-Modus gibt es beispielsweise nicht, was eines der größten Mankos von "Naruto: Ultimate Ninja Storm" darstellt. Aber zum Glück ist der Story-Modus umfangreicher als bei manch anderem Beat'em Up. In diesem spielt ihr Naruto, den Helden der gleichnamigen Manga- und Animeserie, der ein großer Ninja werden möchte. Die dazu notwendige Ausbildung absolviert er in der kleinen Stadt Konoha, die den Dreh- und Angelpunkt des Spiels darstellt. Hier nehmt ihr eure Missionen an und könnt die Gegend frei erkunden. Die Größe der Spielwelt ist dabei aber eher gering und kann bei weitem nicht mit einem "GTA IV" oder ähnlichen Spielen mithalten. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, angesichts der Tatsache, dass es in der Umgebung sowieso nicht viel zu entdecken gibt. Lediglich ein paar kleine Objekte, für deren Zerstörung ihr Münzen - diese können beim Händler gegen Items eingetauscht werden - erhaltet, geben Anreiz einfach mal so durch die Welt zu laufen bzw. zu springen. Letztendlich dient die Stadt nur als Bindeglied zwischen den verschiedenen Aufträgen, die sich in zwei Sparten teilen: Es gibt zum einen Story-Missionen, die euch in der Geschichte, welche übrigens am Beginn des Mangas ansetzt, vorantreiben und zum anderen eine Reihe von Nebenquests. Für deren erfolgreichen Abschluss erhaltet ihr Erfahrungspunkte, die ihr benötigt um widerum die Story-Missionen spielen zu können. Aufträge erhaltet ihr von den Charakteren in der Spielwelt, gestartet werden sie jedoch vom Menü aus. Hier finden sich alle Quests übersichtlich aufgelistet. Dabei werden die Nebenmissionen in vier unterschiedliche Schwierigkeitsstufen aufgeteilt, von Rang A bis Rang D. Übrigens kann jeder Auftrag beliebig oft wiederholt werden.
Obwohl wir es hier mit einem Beat'em Up zu tun haben, geht es nicht in jeder Mission ums Kämpfen. In manchen Nebenaufträgen müsst ihr zum Beispiel auch durch den Wald hüpfen, immer von Ast zu Ast, um einen anderen Charakter einzuholen oder eine bestimmte Entfernung unter Zeitlimit zurücklegen. Das sorgt zwar für Abwechslung, letztendlich wiederholen sich die Missionstypen jedoch zu häufig. Nach jedem abgeschlossenen Auftrag erscheinen in der Spielwelt so genannte Geheimschriften, welche auf der Karte angezeigt werden. Diese gilt es einzusammeln, da sie die Währung für neue Spezialattacken darstellen.
Insgesamt ist der Story-Modus ganz nett, so voll und ganz kann er jedoch nicht überzeugen. Zum einen gibt es zu viele Wiederholungen, zum anderen hinkt die Präsentation der Geschichte, denn es gibt nur sehr wenige Zwischensequenzen. Im Grunde wird die Story nur in textlicher Form in den Questbeschreibungen und Ladebildschirmen erzählt. Spannung kommt so nicht auf, zumal die Handlung des Mangas auch nur sehr grob übernommen wurde - das gleiche Problem wie bei der Versoftung des neuesten James Bond-Films "Ein Quantum Trost". Am Ende ist die einzige Motivation, den Story-Modus durchzuspielen, die, alle Charaktere für den Freier-Kampf-Modus freizuschalten. Insgesamt beinhaltet das Spiel über 25 Figuren, die alle orgiginalgetreu aus der Vorlage übernommen wurden.
Lass uns kämpfen!
Das Kampfsystem von "Ultimate Ninja Storm" ist relativ simpel. Per "Kreis"-Taste greift ihr den Gegner mit Nahkampfattacken an, mit "Viereck" führt ihr einen Distanzangriff aus, mit "Kreuz" springt ihr und "Dreieck" lässt euch euer Chakra aufladen, was für Spezialattacken, die so genannten Jutsus, benötigt wird. Jeder Charakter hat eigene, spezielle Jutsus, von denen die meisten jedoch erst im Story-Modus fregespielt werden müssen. Ist eurer Chakra komplett aufgeladen, könnt ihr das "Ultimative Jutsu" ausführen, den stärksten Angriff im Spiel. Tut ihr dies, heißt das jedoch nicht automatisch, dass ihr eurem Gegner ordentlich eins auf die Mütze gebt. Dann gilt es nämlich eine bestimmte Tastenabfolge so schnell wie möglich zu drücken, damit der Angriff auch gelingt. Euer Gegenspieler muss das selbe tun, um dem Jutsu ausweichen zu können. Das ist ein netter Twist, der zudem verhindert, dass ein Spieler ständig sein ultimatives Jutsu ausführt.
Ein weiterer netter Aspekt am Kampfsystem sind die Helfer. Vor einem Kampf könnt ihr nämlich nicht nur euren Charakter und dessen Jutsus, sondern auch zwei weitere Protagonisten wählen, die euch zur Seite stehen. Durch Drücken von "L1" und "R1" ruft ihr deren Angriff. Das ist ein taktisches Element, da es euch Zeit gibt, euer Chakra ungehindert aufzuladen. Denn wie in so manch anderem Spiel auch, seid ihr dabei komplett wehrlos. Zusätzlich zu den Helfern könnt ihr euch auch selbst unter die Arme greifen, indem ihr Items einsetzt. Jeder Spieler hat vier verschiedene, inklusive einem charakterspezifischen. So könnt ihr euch beispielsweise heilen oder die Angriffsstärke des Gegners kurzzeitig verringer.
So gesehen ist das Kampfsystem von "Ultimate Ninja Storm" also durchaus nett, spaßig und auch nicht überaus kompliziert. Darin liegt aber auch das wohl größte Problem des Spiels: Es fehlt einfach die Komplexität, die taktische Tiefe, die ein "Tekken" oder "Soul Calibur" bietet. Das liegt auch daran, dass sich die Charaktere nicht sonderlich stark von einander unterscheiden. Natürlich hat jeder seine eigenen Kombos und Jutsus und so mancher ist auch durchaus stärker als die anderen, aber vom Gefühl her spielen sich alle gleich. Ein weiteres Problem ist die Kameraperspektive: Der Titel spielt sich nämlich nicht aus einer Seiten-, sondern der Verfolgeransicht. Das mag im Singleplayer noch ok sein, im Multiplayer hingegen kann es durchaus Schwierigkeiten verursachen, da ein Spieler seinen Charakter immer von vorne betrachtet und das teilweise auch aus größerer Entfernung. Daran muss man sich erstmal gewöhnen. Ein Splitscreen, ähnlich wie bei "Dragonball Z: Budokai Tenkaichi" wäre mit Sicherheit die bessere Alternative gewesen.
Einfach nur "Wow"!
Punkten kann das Spiel aber definitiv mit seiner phänomenalen Optik. Das Geschehen sieht wirklich so aus, als ob man die Anime-Serie in die dritte Dimension verfrachtet hätte, ohne an den Zeichnungen etwas zu verändern. Der Cel-Shading-Look kann voll und ganz überzeugen. Die Charaktere sehen ihren Anime- und Manga-Pendants zum Verwechseln ähnlich und seit "Assassin's Creed" haben wir noch nie so schöne und flüssige Animationen gesehen. Besonders die Effekte ultimativen Jutsus lassen Augen und Münder offen stehen. Besonders mit einem HD-Fernseher erwartet euch hier ein grafischer Hochgenuss.
Beim Sound leisteten sich die Entwickler auch keine großen Fehler. Sowohl die englische, als auch die japanische Original-Sprachausgabe sind im Spiel enthalten und klingen sehr gut. Die Musik passt zudem perfekt zum Spiel und sollte mit ihrem japanischen Touch zumindest den Fans gefallen. Jedoch gibt es zwei Mankos: Zum einen sind nur wenige Gespräche im Story-Modus vertont, zum anderen wiederholt sich die Musik zu oft. In der Stadt zum Beispiel läuft ein Stück die ganze Zeit über in einer Endlosschleife. Dass das auf Dauer eintönig wird, brauchen wir wohl niemandem zu sagen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
