Dass auch die ersten Vertreter der NextGen-Konsolen oder die technisch fortschrittlichen Handhelds keine wirklich innovativen Titel im Gepäck hatten, mussten angeödete Spieler mittlerweile leidlich feststellen. Immer noch findet man lediglich Shooter, Renn- und Sportspiele oder den 10. Aufguss mittelmäßiger Action-Ideen. Doch kein Grund, das schönste Hobby der Welt an den Nagel zu hängen. Wagt einen Seitensprung und entdeckt eure Liebe für den Katamari!
Prinzenrolle
Der Siegeszug der mit Preisen überschütteten Innovationsbombe begann vor zwei Jahren, als „Katamari Damacy“ in Japan und Amerika erschien. Für europäische Gemüter hielt man das abgedrehte Spiel wahrscheinlich noch für ungeeignet. Der Nachfolger „We Love Katamari“ soll nun auch hierzulande für rollende Rubel sorgen.
Die Hintergrundgeschichte dieses Titels ist zugegebenermaßen recht skurril: Euer Vater, der König des Kosmos, zerstörte versehentlich alle Sterne. Der nun schwarze Himmel musste so schnell wie möglich wieder beleuchtet werden. Und wie das Väter manchmal so machen, dürft ihr als kleiner Prinz den Ärger ausbaden und fortan aus irdischem Müll neue Himmelskörper formen. Dabei hat der grüne Thronfolger seine Arbeit dermaßen gut gemacht, dass ihn seine Fangemeinde im zweiten Teil ständig darum bittet, ihnen ihren eigenen Stern zu formen. Diese bescheidenen Wünsche erfüllen wir natürlich gern!
Das Gesetz der Klebrigkeit
Was eure Welt im innersten zusammenhält, ist der so genannte Katamari. Das ist eine klebrige Kugel, an der alles haften bleibt, was kleiner ist als sie selbst. Als kleiner Prinz schiebt ihr diesen Ball vor euch her und überrollt anfangs nur Büroklammern oder Stifte. Jeder aufgesammelte Gegenstand vergrößert eure Kugel und so könnt ihr euch auch bald mit Blechdosen, Schuhkartons oder kleineren Haustieren anlegen. Beim Erreichen bestimmter Wachstumsstadien ändert sich der Maßstab und der Prinz wird kleiner dargestellt. Der Zaun, der euch vor wenigen Minuten noch den Weg versperrt hat, wird einfach niedergerissen. So könnt ihr irgendwann auch Autos, Bäume und sogar Flugzeuge aufrollen. Glaubt mir, es ist ein unglaublich erhebendes Gefühl, wenn der erste Mensch zappelnd an eurer Kugel hängt!
Spielwiese der Herausforderungen
Meist startet ihr mit einer winzigen Kugel in voll gestellten Wohnungen oder Einkaufsstraßen. Innerhalb eines Zeitlimits gilt es, eine bestimmte Mindestgröße zu erreichen. Die Aufgaben erhaltet ihr von euren Fans, die euch auf einer riesigen Wiese unterschiedliche Ziele setzen. So muss z.B. eine Feuerkugel auf einem Campingplatz aufgerollt werden, um schließlich das Lagerfeuer zu entzünden. Sammelt ihr nicht ständig brennbare Gegenstände ein, verlischt euer lodernder Katamari. Ein anderer Fan bittet euch wiederum einen Sumo-Ringer fett zu füttern, um ihn auf seinen nächsten Kampf vorzubereiten. Habt ihr ein Level erfolgreich bestanden, könnt ihr dieses jederzeit noch einmal spielen, um eure Bestzeiten für das Erreichen einer bestimmten Größe zu schlagen oder Secrets einzusammeln. So verstecken sich in allen Levels Geschenkpakete, die eurem Prinzen einen Giraffenkopf, eine Krone oder einen Fotoapparat bescheren. Wer innerhalb eines Abschnitts sogar einen der unzähligen Cousins findet, kann die Levels fortan mit einer anderen Spielfigur bestreiten.
Die Pfefferkuchen-Engine
Gesteuert wird der Katamari über beide Ministicks. Dies erfordert eine recht lange Eingewöhnung und lässt sich nur schwer perfektionieren. Vielleicht liegt der hohe Spielspaß aber auch an der etwas ungewöhnlichen Steuerung, denn ständig meint man, den Dreh endlich raus zu haben.
Die Präsentation kann sicher nicht mit anderen aktuellen Titeln mithalten, ist dafür jedoch absolut stimmig. Die Levels sind recht polygonarm gestaltet und in einer LEGO-Optik gehalten. Dafür bekommt ihr knallbunte, riesengroße und abgedrehte Szenarien zu Gesicht. So finden sich in einer Unterwasserwelt z.B. Katzen mit Taucherbrille oder Trompete spielende Vögel, die natürlich auch aufgerollt werden können. Alle Gegenstände, die an eurem Katamari kleben bleiben, sind fortan an eure Kugel gefesselt und so kann es schon einmal vorkommen, dass ein aufgesammelter Lichtmast zu einer gewissen Unwucht führt. Die Physikengine erlaubt es euch zudem, gestapelte Gegenstände Stück für Stück abzutragen. Dies wird vor allem in der an Hänsel und Gretel angelehnten Spielwelt deutlich, in der ihr das Pfefferkuchenhaus kurzerhand aufwickelt.
Rollenverteilung
Auch gesellige Naturen können sich „ausrollen“. So steht euch ein Splitscreen-Modus zur Verfügung, in dem ihr in einer Spielwelt darum kämpft, die größte Kugel zu erschaffen. Hat ein Spieler dabei einen deutlichen Vorsprung, kann er seinen Kontrahenten einfach kurzzeitig mitschleifen. In einem weiteren Spielmodus steuert ihr gemeinsam einen Katamari und seid jeweils für eine Roll-Richtung zuständig.
Ein derart unkonventionelles Gameplay muss natürlich auch akustisch weitergeführt werden. So wird das bunte Treiben von eingängigem und nie wirklich nervigem J-Pop unterlegt. Schon nach wenigen Minuten kommt man in die Versuchung einfach mitzusummen. Jeder aufgesammelte Gegenstand gibt ein Geräusch von sich, so wisst ihr immer, wann ihr eine Katze oder ein Radio überrollt habt. Lediglich die kurzen Briefings vor den einzelnen Levels, in denen der König einen kurzen Monolog hält, sind eine Tortur für eure Nerven. Hier ist schnelles Weiterdrücken gefragt.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:

