Wie jedes Jahr herrscht auch diese Saison zwischen EA und Konami ein erbitterter Kampf um die heilige Fußballkrone in der Videospielwelt. Auf der einen Seite: FIFA 06 von EA, ein Spiel das mit einem schier unfassbaren Lizenzumfang und einer unschlagbaren Präsentation aufwartet. Auf der anderen Seite PES 5, der Nachfolger zur bisher besten Fußballserie auf dem Markt, welche Jahr für Jahr ein immer größer werdendes Publikum um sich schart. Grund dafür ist der bisher unerreichte Realismus und die authentische KI, sowohl der Mitspieler als auch der Gegner. Schafft es Konami dem amtierenden Champion abermals zu verbessern und sinnvolle Innovationen einzubauen? Erfahrt es in unserem Review von Pro Evolution Soccer 5!
Realismus pur!
Während die Optik auf den ersten Blick nahezu unverändert erscheint, hat sich vor allem beim Gameplay, dem Herz eines jeden Fußballspiels, so einiges getan. An erster Stelle steht hier die überarbeitete Steuerung: War es früher noch möglich, mit nahezu jedem Spieler den so genannten „Tödlichen Pass“ ohne größere Probleme durch die gegnerischen Abwehrreihen zu schieben, und somit mehr oder minder optimale Torvorlagen zu geben, nehmen nun die diversen Passwerte der einzelnen Spieler mehr Einfluss auf die Ausführungen der Pässe. So kommen manche Pässe nur noch mit größter Mühe beim angestrebten Mitspieler an und stellenweise muss intensiv daran gearbeitet werden, beim Vorrücken im Ballbesitz zu bleiben. Es ist jedoch nicht unmöglich die beliebten Traumpässe zu spielen. Neben dem geeigneten Spieler muss einzig und allein noch auf die geeignete Situation gewartet werden. Wird der Spieler nicht bedrängt und blickt er in die angestrebte Richtung, stehen die Chancen auf ansehnliche Zuspiele nicht schlecht. In diesem Bereich ist also ein großes Realismus-Plus zu vermerken.
Neben dem modifizierten Passsystem wurden auch die Zweikämpfe verändert. Viel rascher entscheidet der Schiedsrichter nun auf ein Foulspiel. Sollte das Spiel je nach individuellem Geschmack zu oft unterbrochen werden, lässt sich hier in den Optionen Abhilfe finden. Einfach vor Aufnahme des Spiels einen geeigneten Schiedsrichter auswählen und schon wird einem „zerpfiffenen“ Spiel entgegengewirkt. Sollte jedoch zu ungestüm vorgegangen werden und springt man dem Gegner förmlich in die Beine, sind auch Platzverweise keine Seltenheit. Sobald man jedoch vertrauter mit dem neuen System ist, lernt man aggressive Taktiken hinten anzustellen und sich auf das eigentliche Spiel zu konzentrieren.
Vorteil! Qualitativ und quantitativ…
Endlich wurde auch die Vorteilsregel richtig umgesetzt und mittlerweile kann man sich die Spiele ohne selbige kaum noch vorstellen. Sollte ein Foul begangen werden, die benachteiligte Mannschaft aber dennoch in Ballbesitz bleiben, erscheint in der oberen linken Bildschirmecke ein gelbes Symbol, das die Anwendung der Vorteilsregel signalisiert. Der Schiedsrichter merkt sich sogar besonders rüdes Einsteigen in derartigen Fällen und gibt dem foulenden Spieler gegebenenfalls erst bei der nächsten Spielunterbrechung die Verwarnung. Damit keine Missverständnisse auftreten, sorgt eine kleine Wiederholung der Szene für Klarheiten – Vorbildlich.
An dieser Stelle sei auch noch erwähnt, dass die erstmal beim diesjährigen Confoederations Cup erprobte neue Abseitsregelung ihren Einzug ins Spiel gefunden hat. Diese besagt, dass das Spiel erst dann unterbrochen wird, wenn der im Moment der Ballabgabe im Abseits stehende Spieler den Ball erst berührt. Im Gegensatz zur Realität sorgt die Neuerung im Spiel für heitere Gesichter. Schließlich wird der Spielfluss nicht mehr unterbrochen, wenn es von vornherein schon ersichtlich ist, dass der Pass nicht ankommen wird.
Gegentor in der Präsentation
Konami bemüht sich mit jedem Jahr etwas Feinschliff an der Optik vorzunehmen, doch der richtige Quantensprung blieb bisher aus. Die Grafik erfüllt dennoch ihren Zweck und konzentriert sich auf das Wesentliche. Spielereien mit Licht- oder Blureffekten finden sich also nach wie vor nur bei FIFA. Bei den Animationen hingegen hat PES 5 die Nase vorn. Noch nie bewegten sich die virtuellen Stars so lebensecht und vor allem flüssig über den Bildschirm. Selbst die markanten Bewegungen diverser Stars wie Ronaldo oder Nedved wurden eingefangen und ins Spiel integriert. Apropos Stars: Mit jedem neuen Teil finden mehr individuelle Gesichtstexturen ihren Weg auf den heimischen Fußballplatz. In PES 5 ist das nun schon eine ganz ansehnliche Menge geworden und bei Spitzenspielen sind kaum noch die alten 08/15 Gesichter auszumachen. Insbesondere in den Nahaufnahmen und Wiederholungen kommt dies der Atmosphäre zu Gute.
Dem phrasendreschenden Kommentatorenduo Wolf-Fuß und Hansi „Hyperbel“ Küpper sollte jedoch nach wie vor rasch der Ton abgedreht werden. Es macht viel mehr Spaß vor der Publikumskulisse zu spielen, auch wenn sich die Sprechchöre und Anfeuerungsrufe allesamt recht ähnlich anhören. Insgesamt lässt sich festhalten, dass PES 5 ebenso dieses Jahr Maßstäbe in Sachen Gameplay setzt, präsentationstechnisch aber immer noch hinter FIFA den zweiten Platz einnehmen muss.
Stoff für eine ganze Saison…
Eine große Langzeitmotivation wird durch die traditionelle Meisterliga erreicht, in der nach wie vor ein selbst zusammenstellbares Amateurteam an die internationale Spitze geführt werden muss. Das Zentrum bildet aber der unübertreffliche Mehrspielermodus, der dieses Jahr sogar auf der PS2 mit einem Netzwerkmodus aufwartet. Endlich ist es möglich über das Internet mit oder gegen menschliche Spieler anzutreten, selbst wenn Bekannte für ein Treffen verhindert sind.
Kombiniert mit dem fast schon unheimlichen Suchtpotential, das von PES 5 ausgeht, sitzt man also locker über 50 Stunden an dem Spiel, bevor die Lust auf selbiges auch nur ansatzweise vergeht. Angeregt wird diese ferner durch den abermals erweiterten Lizenzumfang. Die wichtigsten Teams Europas sind im neuesten Teil endlich in voller Gänze mit an Bord, insgesamt enthält Pro Evo 5 über 3000 lizenzierte Spieler. Aber selbst wenn man kein Fan von Mannschaften wie Chelsea, Real Madrid, Inter Mailand oder Porto ist, lässt der Editor jegliche Möglichkeiten zur Modifikation offen.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
