Red Dead Revolver. Hinter diesem Namen verbirgt sich nicht nur das neue Westernspiele für PS2 und X-Box, sondern auch eine komplizierte und lange Entwicklungsgeschichte. So wurde das Spiel ursprünglich von Capcom entwickelt, diese stellten die Arbeiten dann jedoch ein. Dem Spiel drohte ein unehrenhafter Tod in der Wüste, als schließlich Rockstar im Auftrag von Take2 die Entwicklung fortsetzte. Nun wurde das Spiel endlich fertig gestellt und hat seinen Weg in die Läden gefunden. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, lest ihr hier.
Welcome to the 60s
Wir befinden uns in der Zeit des typischen Wilden Westens. Der junge Red Harlow ist der Sohn eines Goldgräbers, der vor kurzem zusammen mit seinem Partner auf eine erfolgsversprechende Goldader gestoßen ist. Doch kurz nachdem er seiner Frau und Red die erfreuliche Nachricht mitgeteilt hat, wird durch zahlenmäßig hoch überlegene Kriminelle ein Überfall auf die Ranch initiiert, bei dem Red beide Eltern verliert. Er selbst kann sich zwar noch durch einen beherzten Schuss den Hals retten und sich vor den übrigen Schergen verstecken, wird jedoch ab sofort als tot angesehen. Einige Jahre später macht er sich mit seinem Hund auf durch die freie Prärie, um schließlich eine Karriere als unbekannter Kopfgeldjäger zu beginnen. Allgemein bekommt man in Red Dead Revolver eine überaus unterhaltsame Story serviert, die sich an allen Klischees früherer Italo-Western bedient. Dies alles ist aber derartig stimmungsvoll inszeniert, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt und man ständig, allein durch Neugierde motiviert ist, weiterzuspielen.
Was gibt es im Westen zu erledigen?
Red Dead Revolver ist zwar ein Shooter, der aber durch viele kleine aber feine, meist an Westernklischees orientierte, Details zu einem unterhaltsamen Genremix kombiniert. So gilt es zum Beispiel einmal in einer verstaubten Bergmine in bester Sam Fisher Manier stealthmäßig Schlüssel A für Tür B zu beschaffen, um Person C zu befreien oder mal auf einer festmontierten Gattling-Gun die Lokomotive eines Zuges auseinander zu nehmen. Nett umgesetzt sind auch die Passagen, in dem ihr auf einem Pferd reitend, Gauner mit eurer Waffe unter Beschuss nehmt. Beachtlich ist aber die Tatsache, dass all diese Features nicht einfach eine kleine Dreingabe sind, sondern dass sie ein fester Bestandteil des Gameplays sind. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk nach wie vor auf den namensgebenden Revolverabschnitten. Ihr blickt also Red Harlow aus einer übersichtlichen Perspektive über die Schulter und nehmt mit euren Waffen möglichst viele Feinde aufs Korn.
Ab und zu begegnet ihr auch Zwischen- und Endgegnern, die durch eine eigene Healthanzeige erkennbar sind. Spätestens hier wird aber das sogenannte Dead Eye Feature essentiell. Sobald dieser limitierte Modus aktiviert wurde, wird die Umgebung schwarz-weiß und ihr könnt durch gefühlvolles Bewegen des rechten Analogsticks verschiedene Trefferzonen eures Gegenübers anvisieren. Die Schussserie wird dann durch einen simplen Druck auf die R1-Taste ausgelöst. Wirkt das Dead Eye anfangs noch etwas kompliziert, geht es im späteren Spielverlauf locker von der Hand. Ebenso sieht es mit den Duellen aus: Diese meist abschließenden Parts eines Levels sind zu Beginn tatsächlich noch etwas frustrierend, doch nachdem die Steuerung erlernt wurde, ist das Gefühl, das man hat, wenn der Gauner aus den Latschen kippt nicht zu überbieten. Neben der tollen Atmosphäre erkennen findige Augen nach gewonnenem Duell auch eine weitere Eigenart von Rockstar. Diese bleiben nämlich ihrem inoffiziellem Motto „Hart! Härter! Rockstar!“ angesichts des Blutes und der undefinierbaren „Stücke“, die durch die Luft fliegen mehr als treu.
Das Blitzen eines Gewehrlaufes in der Ferne...
Die Grafik ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann sie durch einen schönen Blureffekt und tolle Lichteffekte überzeugen, andererseits dominieren in vielen Levels, die außerdem meist kleiner sind als es technisch möglich wäre, stark verwaschene Texturen.
Während man selber spielt und sich mehr auf das Spiel an sich konzentriert, fällt das zwar nicht derart intensiv auf, aber leider trübt zudem noch eine ungenaue Kollisionsabfrage das Gesamtbild. Es passiert nicht selten, dass ein Gegner, der getroffen zusammensinkt sich an einer etwa einen halben Meter entfernten Mauer anlehnt oder schon mal mit seinem gesamten Torso im Erdboden versinkt. Ausgeglichen wird dieses Manko aber durch einen stimmungserzeugenden Grafikfilter und Linien, die sich wie in alten Western vertikal zitternd durch das Bild ziehen. Im Endeffekt ist zu sagen, dass die Optik zwar keine Bäume ausreißt, aber durchweg ihren Zweck erfüllt.
Spiel mir das Lied vom Tod
Soundtechnisch zieht Rockstar mal wieder alle Register. Angefangen bei den Ohrwurmverdächtigen Themen und den tollen Sprechern bis hin zu den mitreißenden, raumfüllenden Soundeffekten und der richtig dosierten Hintergrundmusik: Beim Sound stimmt einfach alles. Es macht einfach nur noch Spaß sich begleitet von einem Wild-West-Soundtrack á la „Zwei glorreiche Halunken“ durch ein Gebiet voller Feinde zu kämpfen. Selbstverständlich kann die gesamte Soundkulisse auch durch feinsten Dolby Surround wiedergegeben werden.
Der IQ einer Whiskeyflasche
Bis auf die oben erwähnten Bossgegner, die einem wenigstens etwas Grips abverlangen, trifft man mit dem übrigen Banditenhaufen auf nicht allzu cleveres Gesindel. Meist warten sie seelenruhig auf eine Attacke von euch, bevor sie euch überhaupt attackieren oder wenn sie sich euch mal nähern, dann laufen sie unbehelligt direkt vor euren Lauf und in ihr Verderben. Die meisten juckt es zudem nicht wirklich, wenn ein unmittelbar neben ihnen stehender Kumpan einen Kopf kürzer umfällt. Aber seien wir mal ehrlich, von dem dämlichen Banditenpack erwartet ja auch keiner taktische Meisterleistungen...
Rote tote Revolver...
Egal ob einen „Zwillingsrevolver“ oder den „Widow Maker“; der örtliche Waffenhändler in Brimstone hat samt Leistungsupgrades für die Waffen so ziemlich alles parat, was der Kopfgeldjäger von heute, bzw. von damals, braucht. Während den Missionen könnt ihr euch nämlich frei in der kleinen Westernsiedlung Brimstone herumbewegen, euch mit Leuten unterhalten und euch somit auf den neuesten Stand der Dinge bringen oder euer sauer verdientes Kopfgeld in verschiedenen Geschäften ausgeben, um neben den Waffen auch Bonusmaterial Freizuschalten. Zu diesen Zugaben zählen zum einen freischaltbare Seiten aus dem über 300 Seiten umfassenden Tagebuch des Sheriffs, das jegliche Informationen aus dem Spiel deckt, als auch zum anderen freispielbare Charaktere oder Levels für den Showdownmodus, auf den ich weiter unten zu sprechen komme. Wäre dem nicht genug, könnt ihr auch noch nach dem erstmaligen Abschließen des Spiels zwei höhere Schwierigkeitsgrade freischalten, die euch nach deren Beenden Gimmicks wie unendlich Dead Eye ermöglichen. Durch diese Boni ist also auch für eine gewisse Langzeitmotivation gesorgt.
Die rechte und die linke Hand des Teufels
Ein großes Lob verdient Red Dead Revolver auch für den gut umgesetzten Multiplayer-Modus. Hinter der Showdown-Option im Hauptmenü verbergen sich nämlich drei Spielmodi, die alleine, zu zweit, zu dritt oder gar zu viert in Angriff genommen werden können: Im „Sundown“ gewinnt der Spieler, der nach Ablauf der Zeit das meiste Geld „verdient“ hat, beim „Kopfgeldjäger-Modus“ wird der Sieger durch die Dollaranzahl ermittelt, oder es gibt nach jedem Kill eine Karte, die Geheimnisse wie Bonuswaffen oder Healthpunkte mit dem Einsammeln freigibt. Abschließend und trotz der Trivialität, der interessanteste Modus, wäre da noch der „High Noon“, in dem man sich in einem klassischen Duell gegenübersteht. Wer schneller reagiert, gewinnt. Klingt einfach, ist es auch, macht aber irre viel Spaß.
Ausgezeichnet mit den folgenden GameRadio-Awards:
