Damals wurde man als Spieler noch für voll genommen. Man wurde zwar als merkwürdig eingestuft, wenn man sich stundenlang nahezu regungslos hinter dem Fernseher verschanzte und nichts von sich gab außer dem Klackern der Joypad-Knöpfe, doch heutzutage rufen ältere Mitmenschen schon mal gerne den Notarzt, wenn wir uns mit EyeToy und WiiMote auf die merkwürdigsten Arten im heimischen Wohnzimmer verrenken. Junge Leute können eben auch einen Schlaganfall erleiden, so glaubt man. Eine andere Methode die Nachbarn näher kennenzulernen, vorzugsweise die unter einem leben, ist „Dancing Stage Supernova 2“. Hier werden die Befehle nicht per Tastendruck auf dem Digi-Kreuz des Controllers getätigt, sondern unter vollem Körpereinsatz wild stampfend auf einer Tanzmatte. Wir haben uns also mit dem gesamten Mehrfamilienhaus angelegt, um herauszufinden, ob das Spiel die ganzen Streitigkeiten auch wirklich wert ist.
Der Vormarsch der Musikspiele
Dass wir uns nicht mehr in japanische Spielhallen wagen müssen, damit wir hektisch zappelnde Mitmenschen finden können, beweist nicht zuletzt der Erfolg von Musikspielen wie „Guitar Hero“ oder "Wii Music". Aber dass jetzt auch Frauen samt ganzer Familie den Abend mit Zocken verbringen, zeigt, dass Videospiele schon längst den Sprung zum Massenphänomen geschafft haben. Zu einem der Vorreiter dieses Umstandes gehört „Dance Dance Revolution“, kurz DDR und in Europa besser als „Dancing Stage“ bekannt. In letzter Zeit ist es aber um die Reihe ruhiger geworden, woran der neueste Ableger „Supernova 2“ etwas daran ändern will. Schließlich hat man sich über ein Jahr Zeit gelassen, um den Teil auch in Europa rauszubringen.
Wiederbelebung vom Friedhof der Konsolen-Eingabegeräte
Wo hatte ich Sie denn gleich? Neben den SingStar-Mikrofonen? Nein, vielleicht bei der EyeToy-Kamera und den Wii-Nunchuks? Fündig wurde ich dann eher im Keller bei den „Samba De Amigo“-Rasseln und der Dreamcast-Lightgun. Die Rede ist von meiner Tanzmatte, die wegen ausbleibendem Futter in mein Hardware-Archiv zu den Sommerreifen verbannt wurde. Jetzt feiert sie ihr Revival und dabei wird schnell klar, dass nichts an der Eingabegenauigkeit verloren gegangen ist. Das mich das Publikum öfters ausbuht, liegt nur daran, dass ich deutlich nachgelassen habe. Denn am Spielprinzip hat sich auch bei „Dancing Stage Supernova 2“ nichts geändert. Wir versuchen die hoch scrollenden Pfeilkombinationen nachzutanzen, wobei wir in höheren Schwierigkeitsgraden auch komplexe Spagat-Schritte anbringen müssen. Das bringt einen gehörig ins Schwitzen, wobei wir es im Workout-Modus gezielt darauf anlegen können, unsere überflüssigen Pfunde abzubauen. Dazu gesellen sich die bekannten Singleplayer- und Multiplayer-Modi.
Während ihr solo vermehrt auf die Jagd nach Highscore-Punkten geht, absolviert man im Hyper Master-Modus Herausforderungen, die euch nach erfolgreichem Absolvieren neue Lieder freischalten. Im Könner-Modus dann schleudert ihr eurem Widersacher gemeine Extras entgegen, so dass er seine Schritte vermasseln muss, da ihr im kurzerhand die Abfolge deutlich beschleunigt habt. Wer nicht damit zufrieden zu stellen ist, auch seine eigenen Schrittkombinationen zu entwerfen, der stöpselt zusätzlich noch seine EyeToy-Kamera an die Konsole, damit er als Eingabegerät zusätzlich noch seine Hände verwenden muss.
Nach und nach ein umfassender Titel
Auf den ersten Blick sehr enttäuschend ist dafür die Liedauswahl, was daran liegt, dass ihr die überwiegende Mehrheit der insgesamt 70 Titel erstmal freispielen müsst. Ihr habt also hoffentlich schon mal gründlich vorgespielt, bevor ihr euch Freunde zum gemeinsamen Tanzen in die Wohnung einladet. Denn sonst krankt der Spiele-Abend schnell an mangelnder Modi- und Titelauswahl. Dafür könnt ihr der Disc nach getaner Arbeit Tracks von Justin Timberlake oder Gwen Stefani entlocken. Dabei stellen aber die trashig anmutenden Japano-Techno-Hymnen die Mehrheit. Da mit der Zeit immer mehr an der Schwierigkeitsgradschraube gedreht wird, müssen DDR-Anfänger schnell ein hohes Maß an Frustresistenz entwickeln, um in den Genuss aller Extras kommen zu können. Langzeitmotivation realisiert man heutzutage anders, Konami. Dabei glaube ich kaum, dass die Entwickler selbst ihre eigenen Lieder tanzen können, da die Einstufung der Schwierigkeit der meisten Lieder fehlerhaft ist. Schnell wird beim Spielen klar, dass ein als für Fortgeschrittene eingestufter Titel nur von absoluten Profis zu meistern ist.