Eine gute Idee muss nicht immer kompliziert sein. So war es jedenfalls bei Sony Computer Entertainment als der PlayStation-Hersteller 2004 dem ersten „SingStar“ zwei Mikrofone beilegten und hofften, dass sich das Karaoke-Experiment etablieren würde. Vier Jahre nach dem Release, unzählige Ableger des Erfolgskonzepts und einen SingStore später muss man sich schon was einfallen lassen, um der kaufbereiten Zielgruppe neues Futter zu bieten. Denn man hat diese schon ausreichend mit allen gängigen R&B-, Apres-Ski- und Rock-Pop-Hits versorgt. So muss nun in „SingStar Boy Bands vs. Girl Bands“ die Rivalität der Geschlechter als Thema herhalten.
PopSingStars
Das Konzept kenne ich doch irgendwo her. In der dritten Staffel von „Popstars“ durften sich die pubertierenden Zuschauer zwischen der männlichen Casting-Band Overground und den weiblichen Preluders entscheiden. Zwar gewann Overground das SMS-Votum, aber salomonisch brachten beide Teenie-Bands ein neues Album auf den Markt. Erfolgreich ist mittlerweile keines der Retorten-Produkte mehr, was Sony Computer Entertainment nicht daran hindert den Geschlechterwettstreit für sich zu adaptieren.
Ewig jung
Keine Sorge, den ganzen Casting-Ablauf samt Entscheidungs-Shows müsst ihr nicht durchlaufen, sondern die Tracks unterteilen sich einfach in ein männliches und ein weibliches Band-Lager. Bei näherer Betrachtung der Titelliste ist es aber unklar, welche Zielgruppe Sony mit dem Titel angepeilt hat, denn von US5 und Tokyo Hotel fehlt jede Spur. Dafür finden sich aus meiner Jugend bekannte Bands wie East 17 oder Mis-Teeq unter den Künstlern. So ein bisschen wirkt das Line-Up auf mich als ob man es für ältere Frauen konzipiert hätte, die sich die gleiche Jeans-Marke wie die eigene Tochter kaufen, in der Hoffnung noch als die beste Freundin des eigenen Nachwuchses durchgehen zu können. Werft also mal selbst einen Blick drauf, ob ihr mit McFly oder Five (noch) was anfangen könnt:
01. Boyz II Men - I'll Make Love To You
02. Boyzone - Love Me For A Reason
03. Bros - I Owe You Nothing
04. Busted - Air Hostess
05. Busted - What I Go To School For
06. East 17 - Let It Rain
07. East 17 - Stay Another Day
08. Five - Everybody Get Up
09. Five - Keep On Movin'
10. Hanson - MmmBop
11. McFly - All About You
12. McFly - Five Colours In Her Hair
13. New Edition - Candy Girl
14. Westlife - Flying Without Wings
15. Westlife - Swear It Again
16. Bananarama - Cruel Summer
17. Bananarama - Love In The First Degrees
18. En Vogue - Free Your Mind
19. Girls Aloud - The Show
20. Jade - Don't Walk Away
21. Mel & Kim - Showing Out
22. Mis-Teeq - One Night Stand
23. Sister Sledge - He's The Greatest Dancer
24. Spice Girls - Say You'll Be There
25. Sugababes - About You Now
26. The Bangles - Eternal Flame
27. The Pussycat Dolls - Stick Witu
28. The Shangri Las - Leader Of The Pack
29. The Supremes - Stop In The Name Of Love
30. Wilson Phillips - Hold On
Ewig jung
Bleibt man dem Konzept treu und sieht es nicht als Vorwand eine lieblose Track-Liste unter einen Hut zu kriegen, dann messen sich also The Bangles mit Hanson. Ziemlicher unfairer Kampf, denn die Schwergewichte beider Lager haben Probleme einen Gegner in ihrer Klasse zu finden. Und die Entscheidung des Kampfes zwischen East 17 und den Spice Girls wird wohl kaum einen US5-Fan bewegen. Unter dem Strich bleibt also ein durchschnittliches "SingStar"-Spiel, das bei mir nur einen Aha-Effekt hatte. Nämlich den, dass sich „MmmBop“ gar nicht so leicht singen lässt.